Müller: "Wir sind ein Dorfverein"

Das Interview

Andreas Müller verlebte bei den Königsblauen bis zum Jahr 2009 viele erfolgreiche Jahre. Heute kommt es zum Wiedersehen mit dem FC Schalke 04, denn seit September 2012 ist der 49-Jährige Manager der TSG Hoffenheim. Im Interview spricht Andreas Müller über die Herausforderungen seiner neuen Arbeit, lobt seinen Kollegen Horst Heldt und nimmt die eigene Mannschaft in die Pflicht.

GELSENKIRCHEN

02.11.2012, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Andreas Müller managt jetzt 1899 Hoffenheim.

Andreas Müller managt jetzt 1899 Hoffenheim.

Nein. Ich bin so selbstbewusst, dass ich mich davon nicht beeinflussen lasse. Ich bin schon so lange im Geschäft, dass ich weiß, welche Aufgaben ein Manager bewältigen muss. Und dazu gehört sicher nicht nur das Transfergeschäft!

Zwar ist unsere Zeit sehr schnelllebig, aber so viel hat sich in der Bundesliga in diesem Zeitraum nicht geändert. Vielleicht ist das mediale Interesse noch ein Stück größer geworden. Aber sonst fallen mir spontan keine großen Unterschiede ein.

Stimmt. Ich habe erst die Akkus neu aufgeladen und mir eine Pause gegönnt. Danach habe ich in einer Spieleragentur gearbeitet und vor allem junge Spieler beraten und betreut.

Auf jeden Fall. Ich habe eine weitere Facette des Profifußballs kennen gelernt und weiß jetzt noch besser, wie junge Spieler ticken, welche Karrierepläne ihnen vorschweben, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben.

Langfristig gesehen ist der Verein nach der Rangnick-Ära vielleicht zu schnell gewachsen. Der rote Faden ist etwas verloren gegangen. Kurzfristig betrachtet, müssen wir schnellstens stabiler und konstanter spielen. Wir haben noch zu viele Schwankungen drin. Vor allem in den letzten beiden Spielen hatten wir in der Defensive große Probleme.

Was ungerecht ist. Die gesamte Mannschaft muss besser nach hinten absichern.

Beide Fälle lassen sich überhaupt nicht vergleichen. Das große Talent von Neuer sah man im jeden Training, während Rost eine schwierige Phase hatte. Bei Tim Wiese ist es so, dass er in Bremen zu den Stars gehörte. Auch dort hat er schon polarisiert und war nie ein Leisetreter. Er ist immer noch, wenn man es so formulieren will, ein ‚bunter Vogel', aber in Hoffenheim muss er sich umstellen, weil wir hier eine Mannschaft haben, die noch sehr jung ist. Im Angriff hatten wir zuletzt Spieler mit einem Altersdurchschnitt von 20,75 Jahren auf dem Platz. Doch ich bin optimistisch, dass Tim das packen wird. Vom Verein bekommt er dafür jede Unterstützung.

Ich bin ein Freund von hohen Zielen. Unser Trainer Markus Babbel ist ein sehr ehrgeiziger Mensch. Aber nach dem bisherigen Saisonverlauf muss man feststellen, dass es realistischer ist, wenn wir in ein oder zwei Jahren von der Europa-League-Qualifikation sprechen. Jetzt kommt es erst einmal darauf an, Hoffenheim sportlich zu stabilisieren.

Sehr wichtig ist die Kommunikation innerhalb und außerhalb des Clubs. Wir müssen mit einer Stimme sprechen, da bin ich besonders gefordert. Außerdem ist es wichtig, dass wir innovativ bleiben, also aufgeschlossen gegenüber neuen Entwicklungen, die uns sportlich weiter bringen können. Und drittens müssen wir nicht nur gute Spieler verpflichten, sondern auch noch stärker darauf achten, dass sie von der Mentalität zu uns passen.

Hoffenheim steht zunächst mal für Bundesliga-Fußball in einer ländlichen Region, für eine Top Nachwuchsarbeit. Wir arbeiten darüber hinaus ständig an der Identität des Klubs. Wir sind ein Dorfklub, das meine ich jetzt überhaupt nicht negativ, aber wir können uns nicht mit Klubs aus großen Städten vergleichen. Hier kommt es darauf an, dass wir Werte wie Bodenhaftung, Nachwuchsförderung und Nachhaltigkeit weiter mit Leben erfüllen und konsequent umsetzen. Die Infrastruktur des Clubs ist hervorragend, das müssen wir nutzen. Eine starke Jugendarbeit liegt mir dabei besonders am Herzen, denn davon profitiert der gesamte Verein. So etwas geht allerdings nicht von heute auf morgen.

Überhaupt nicht mehr. Ich habe auf Schalke fast die Hälfte meines Lebens verbracht, erst als Spieler, dann als Manager. Ich habe mich dabei immer loyal verhalten. Es war die bisher schönste Zeit in meinem Fußballerleben. Natürlich habe ich einige Zeit gebraucht, um meine Entlassung zu verdauen. Aber das ist jetzt vergessen. Ich kann auf Schalke jedem in die Augen schauen.

(lächelnd) Mein Sohn Miles spielt mit großer Begeisterung in der A-Jugend.

Ich glaube nicht. Bayern ist in dieser Saison der absolute Top-Favorit. Ihre erste Saisonniederlage gegen Leverkusen wird sie nicht umwerfen. Sie können sich auf dem Weg zum Titel eigentlich nur selbst schlagen. Aber ich bin mir sicher, dass Schalke bald die Schale holen wird.

Weil dort Trainer Huub Stevens und Manager Horst Heldt einen tollen Job machen. Über Huub brauche ich kein Wort mehr verlieren. Wie er in einer schwierigen Phase die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs gebracht hat, spricht für sich. Und Horst Heldt ist es gelungen, den Kader zu verschlanken und trotzdem die Qualität noch zu verbessern. Das ist eine tolle Leistung.

Nein. Schalke hat momentan zwar eine Bombenform, aber Sie kennen doch meinen alten Spruch: Form schlägt Klasse. An einem guten Tag können wir auch gegen Schalke 04 bestehen.

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