Nach Spielabbruch drohen FC St. Pauli empfindliche Strafen

Randale statt Kult

Die Schalker Gefühlslage am Freitagabend beim FC St. Pauli brachte Manuel Neuer treffend auf den Punkt: „Irgendwie komisch. Da gewinnen wir 2:0 und können uns doch nicht richtig freuen. Einen Spielabbruch habe ich noch nicht erlebt. Ein Schwachkopf ist der Becherwerfer jedenfalls.“

GELSENKIRCHEN/HAMBURG

von Von Frank Leszinski

, 03.04.2011, 22:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hitzige Diskussionen nach dem Spielabbruch durch Schiedsrichter Deniz Aytekin (5.v.l.).

Hitzige Diskussionen nach dem Spielabbruch durch Schiedsrichter Deniz Aytekin (5.v.l.).

Sie eilten nach dem Spielabbruch in die Schiedsrichter-Kabine, um sich nach dem Gesundheitszustand von Schiffner zu erkundigen, der sich in einem Hamburger Krankenhaus untersuchen ließ und später in seine Heimatstadt Konstanz zurück fahren konnte. Ein von der Polizei Festgenommener wurde am Samstag wieder frei gelassen werden. Der 43-Jährige bestreitet die Tat. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.Den Gastgebern drohen nach dem Spielabbruch weitreichende Konsequenzen, die eine drastische Geldstrafe, eine Platzsperre sowie „ein Geisterspiel“ beinhalten könnten. Kein Wunder, dass Sportchef Helmut Schulte fassungslos war: „Die Aktion ist sehr, sehr ärgerlich und traurig. Das war kein guter Tag für den FC St. Pauli. Ich bin sehr enttäuscht.“ Die Gastgeber werten noch Videomaterial aus und suchen Zeugen für den schlimmen Vorfall, der den Kultstatus der Hamburger in seinen Grundfesten erschüttert. Auch bei Spielen gegen die Rivalen Hamburger SV und Hansa Rostock ist es zuletzt immer wieder zu Ausschreitungen gekommen.

Der umsichtige Schiedsrichter Deniz Aytekin betonte: „Wir haben so handeln müssen.“ Schon in der ersten Hälfte hätten die Fans Feuerzeuge und Münzen geworfen. „Wir haben Ansagen veranlasst. Dann wird der Linienrichter getroffen, da gibt es keinen Spielraum, keine Wahl. Diese Aktion allein reicht völlig aus. Es ist immer schade, wenn ein Spiel vorzeitig zu Ende geht,“ erklärte Aytekin.Bis zum Urteil des DFB-Sportgerichts wird die Begegnung zwischen dem FC St. Pauli und Schalke 04 vorerst als nicht gespielt gewertet. Laut Verfahrensordnung (Paragraf 18, Absatz 4) steht aber fest: Für den verantwortlichen Klub ist es 0:2 zu werten. Dann bekommen wohl auch die Schalker Raul und Julian Draxler ihre Treffer anerkannt.Draxler gelang sein erstes Bundesligator, doch auch der 17-Jährige konnte sich nicht so richtig freuen: „Ich dachte erst, der Schiedsrichter-Assistent hätte sich vielleicht vertreten. Aber meine Mitspieler haben mich dann schnell aufgeklärt. So etwas gehört sich nicht im Fußball.“

  • Gerücht: Dass der FC Bayern München an einer Verpflichtung von Manuel Neuer interessiert ist, steht schon lange fest. Nun sollen die Bayern auch ein Auge auf Benedikt Höwedes geworfen haben. Der neue Bayern-Trainer Jupp Heynckes gilt als Höwedes-Fan.
  • Jubiläum: Manuel Neuer absolvierte am Millerntor sein 150. Bundesligaspiel. Sein Debüt feierte der 25-Jährige am 19. August 2006 in Aachen. Mit derzeit 71 Einsätzen in Folge über die volle Distanz ist Neuer der Dauerbrenner der Liga. Kein Profi bestritt aktuell mehr Partien in Serie.
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