Spätestens durch den Transfer von Leroy Sané ist der Rekordmeister zu einer Art Filiale des FC Schalke 04 geworden. Sogar zum Trainerstab der Bayern gehört ein echter „Schalker Junge“.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 04.07.2020, 12:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist vollbracht: Leroy Sané wechselt von Manchester City zum FC Bayern München. Wer es bislang nicht glauben konnte, durfte sich auf Sky Sports News davon überzeugen - der Sender übertrug jeden Schritt des Bayern-Neuzugangs auf deutschem Boden, sogar wenn Sané gar nicht zu sehen war. Ganz und gar unbescheidener Titel für den Sané-Transfer: „Bayern hat wieder einen König.“

Von Neuer bis Tapalovic

Und der Rekordmeister ist damit wohl endgültig zu einer Filiale des FC Schalke 04 geworden. Denn in den neuen Bayern steckt jetzt ein ganz starkes Stück Schalke, nicht nur im Spieler-Kader. Eine Übersicht:

Manuel Neuer: Ist nun zwar auch schon 34 Jahre alt, aber wahrscheinlich immer noch einer der besten Torhüter der Welt, wenn nicht sogar nach wie vor der beste. Ur-Schalker, geboren in Gelsenkirchen-Buer, von Kindesbeinen an auf Schalke spielend, auch in der Fan-Szene tief verwurzelt. Bis 2011 der Bruch kam. Neuer verkündete seinen Wechsel zum FC Bayern München. Aus Schalker Fan-Sicht ein Tabu-Bruch.

Zwar brachte der Neuer-Transfer Schalke inklusive späterer Bonuszahlungen ca. 30 Millionen Euro ein, aber verziehen haben viele S04-Anhänger „ihrem Manu“ den Wechsel bis heute nicht. Neuer wird bei Bayern-Spielen auf Schalke zuverlässig bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen - da spielt es auch keine Rolle, dass er in seiner Heimatstadt nach wie vor mit großem sozialen Engagement tätig ist. Immerhin verabschiedete sich Neuer mit einem Titel aus Gelsenkirchen: Der Pokalsieg 2011 war der letzte Titel, den Schalke bislang holte. Beim sonntäglichen Triumph-Autokorso durch die Stadt bekam Neuer von einem wegen des Wechsels wütenden Schalke-Fan eine Ohrfeige verpasst.

Tönnies zürnte: Auf die Tribüne

Ganz so emotional ging es beim Wechsel von Leon Goretzka zu den Bayern nicht zu. Zwar zürnte Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nach Bekanntwerden des Wechsels, dass Goretzka - wenn es nach Tönnies ginge - ab sofort nur noch auf der Tribüne sitzen solle, aber dafür war Goretzkas Wertigkeit für die Mannschaft dann doch zu groß. Ärgerlich an der Geschichte war vor allem, dass es für Goretzka keinen Cent Ablöse gab - denn 2018 war der Vertag des Ex-Bochumers auf Schalke ausgelaufen.

Nach anfänglichen Pfeifkonzerten beruhigte sich die Szenerie dann auch wieder etwas. Schalkes Fans mussten zähneknirschend akzeptieren, dass der weitsichtige Goretzka den nächsten Schritt auf seiner Karriereleiter gut geplant hatte - und bislang ist der Plan für den 25-Jährigen ja auch absolut aufgegangen.

Ob das auf die Karriere-Kalkulation von Alexander Nübel (23) zutrifft, muss sich erst noch zeigen. Dem Torhüter, 2015 vom SC Paderborn nach Schalke gekommen, ist zunächst einmal ein Platz auf der Bank hinter Manuel Neuer gewiss. Darauf haben sogar die Bayern-Verantwortlichen im Zuge der diversen verbalen Sticheleien nach dem Bekanntwerden des Wechsels hingewiesen.

Auf der Bank versauern?

Viele Beobachter wundern sich natürlich, dass ein großes Torwart-Talent wie Nübel offenbar lieber auf der Bayern-Bank versauert als Spielpraxis zu sammeln. Nicht auszuschließen, dass Nübel zu einem anderen Verein ausgeliehen wird. Schalkes Sportvortand Jochen Schneider geht davon aus, dass Nübel seinen Weg machen wird: „Ich glaube an eine große Karriere von Alexander Nübel - nicht nur bei den Bayern, sondern auch in der Nationalmannschaft.“ Wie Goretzka wechselt auch Nübel ablösefrei nach München.

Leroy Sané (24), in der öffentlichen Wahrnehmung eine Kombination aus Fußballer und Pop-Star, hat nun also endlich wieder deutschen Boden betreten, wo er demnächst für die Bayern angreifen wird. Sein Wechsel 2016 von Schalke zu Manchester City hatte sich fast schon abgezeichnet - denn City-Trainer Pep Guardiola hatte, als er noch Bayern-Trainer war, vor und nach Spielen gegen Schalke schon immer von Leroy Sané geschwärmt. Der wechselte, als Guardiola Trainer bei City war, für ca. 50 Millionen Euro Ablöse von Schalke auf die Insel. Nun geht‘s für den gebürtigen Essener zu den Bayern - angeblich für eine Ablösesumme von 49 Millionen Euro. Zu wenig für Schalke, um daran im großen Stil partizipieren zu können.

Dafür hätten es nämlich über 50 Millionen Euro sein müssen - also mehr als die Summe, die City damals an Schalke bezahlt hat. Aber auch wegen Corona hat sich der Ablöse-Wahnsinn zumindest für diese Transferperiode wohl ein wenig beruhigt. Schalke bekommt aber immerhin noch eine Art Entschädigung für den ehemaligen Schalker Jugendspieler in einer angeblich sechsstelligen Höhe.

Schalker Filiale

Neuer, Goretzka, Nübel, Sané - nicht nur im Spieler-Kader der neuen Bayern steckt ein starkes Stück Schalke. Zum Trainer-Stab gehört sogar ein gebürtiger Gelsenkirchener, ein echter „Schalker Jung“: Toni Tapalovic (39) ist als Torwart-Trainer der Vertraute von Manuel Neuer. Beide kennen sich aus gemeinsamen Schalker Zeiten, auch Tapalovic stand schon in der Jugend im Schalker Tor. 2011, als Tapalovic bei Mainz 05 aktiv war, ging Tapalovic dann gemeinsam mit Manuel Neuer nach München, wo Tapalovic seitdem als Torwart-Trainer arbeitet.

Nullvier plus eins: Die neuen Bayern - im Prinzip eine Filiale des FC Schalke 04...