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Am 15. April 2018 übernahm Peter Knäbel die neugeschaffene Position des Technischen Direktors Entwicklung beim FC Schalke 04. Im Exklusiv-Interview zieht er eine erste Zwischenbilanz.

Gelsenkirchen

, 07.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Der frühere Bundesliga-Profi hat in einigen Bereichen bei den Königsblauen noch sehr viel Luft nach oben festgestellt. Mit anderen Entwicklungen ist er zufrieden.

Geben Sie gerne Interviews?

Peter Knäbel (lächelnd): Das kommt auf die Fragen an. In meiner Rolle halte ich es aber in der Tat für sinnvoller im Hintergrund zu arbeiten.

Sie sind seit rund 14 Monaten für Königsblau tätig. Ist Schalke so, wie Sie sich den Verein vorgestellt haben?

Teils, teils. Schalke ist ein großer Verein mit unheimlicher Wucht. Aber es gibt auch Bereiche, da hätte ich gedacht, wir wären weiter.

Ein Beispiel, bitte.

Die Infrastruktur muss noch besser werden. Für unsere Trainer war es zum Beispiel vor einigen Monaten unmöglich, effizient zu arbeiten, weil keine Büros für sie zur Verfügung standen. Deshalb haben wir für sie neue Büroräumlichkeiten geschaffen. Ich bin froh, dass der Vorstand einer Zwischenlösung zugestimmt hat, die den Austausch untereinander ermöglicht und die Nutzung technischer Möglichkeiten verbessert.

Und die positiven Aspekte?

Zu sehen und zu spüren, wie viele Menschen Schalke lieben und leben. Das ist für mich als Ruhrpottjunge (Knäbel ist gebürtiger Wittener, die Red.) ein wunderbares Gefühl.

Die mediale Öffentlichkeit macht gute Arbeit meistens an Ergebnissen fest. Wenn wir da mal ein bisschen Bilanz ziehen. Die U 23...

Natürlich sind Resultate ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Aber man muss schon wissen, wo man in welcher Intensität hinguckt. Ergebnisse bei der F-Jugend sind anders zu gewichten als bei der U23. Und es gibt noch andere wichtige Messgrößen, die für gute Arbeit herangezogen werden sollten.

Welche?

Zum Beispiel wie viele Spieler, die Schalke ausbildet, den Sprung zu den Profis auf Schalke oder zu anderen Vereinen schaffen. Das ist für mich der wichtigste Parameter. Danach kommen dann die Ergebnisse, insbesondere die der Übergangsteams U23 und U19. Hier gilt: Liefern unsere Teams gute Resultate ab, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch viele gute Spieler in ihren Reihen sind.

Die U23 marschierte eindrucksvoll durch die Oberliga.

15 Punkte Vorsprung als Meister, das war so nicht zu erwarten. Aber es war auch nicht so leicht, wie es der Punktestand am Ende vermuten lässt. Gerade am Anfang der Saison haben wir uns in einigen Partien recht schwergetan. Wir haben aber auch andere Rahmenbedingungen als die meisten unserer Gegner. Nach 34 Spieltagen muss man das auch in der Tabelle sehen.

Mit Jonas Carls, Nassim Boujellab, Haji Wright und George Timotheou debütierten vier Spieler in der Bundesliga. Hinzu kam noch Ahmed Kutucu aus der U19.

Das war sehr erfreulich. Sicherlich war dies auch der schwierigen Situation im Bundesligateam geschuldet. Andererseits war es aufgrund der schwierigen sportlichen Situation auch nicht die beste Zeit für junge Spieler, um in den Profibereich zu kommen. Wir dürfen uns deshalb nicht kleinreden, die Jungs haben alle bei den Profis gut funktioniert, als sie reingeworfen wurden.

Mit welchen Zielsetzungen geht es jetzt in die Regionalliga?

Wir gehen mit Demut in die neue Liga, die von ihren Rahmenbedingungen professioneller ist als die Oberliga. Dementsprechend wird sich unsere Mannschaft in jeder Partie auf mehr Widerstand gefasst machen müssen.

Wie fällt Ihr Urteil zur U19 aus?

Vor allem die Entwicklung der Mannschaft hat mich sehr gefreut. Gleichzeitig sollten wir uns jedoch darüber im Klaren sein, dass wir von Trainer Norbert Elgert nicht jede Saison erwarten können, dass er mit seinem Team jedes Mal einen so langen Weg geht. Er braucht schon eine bessere Talentbasis.

Ein Sorgenkind war in der vergangenen Spielzeit die U17, die mit 26 Punkten Rückstand hinter Meister Borussia Dortmund nur Fünfter geworden ist.

Bei einer Nachwuchsabteilung redet man wie ein Weinhändler. Es gibt gute und weniger gute Jahrgänge. Man muss auch mal akzeptieren können, dass es in einem Jahrgang eine Seitwärtsbewegung gibt. Das muss man aushalten können. Ich sehe keinen negativen Trend. Der Jahrgang, der jetzt kommt, ist U17-Bundesliga erfahrener und wird dementsprechend hoffentlich eine bessere Rolle spielen.

Christian Heidel war derjenige, der sich für Ihre Verpflichtung im vergangenen Jahr wesentlich stark machte. Waren Sie geschockt, als er im Februar zurücktrat?

Die erste Emotion ist Enttäuschung, wenn der Chef geht. Christian Heidel hat mich wegen meiner Fachexpertise geholt, nicht weil ich zu seinem inneren Zirkel gehöre. Grundsätzlich sind Wechsel in der Führung natürlich immer erst einmal schwierig. Mir war vor allem daran gelegen, dass wir mit dem gleichen Tempo weiterarbeiten konnten. Deshalb war es sehr wichtig, in dieser Phase nicht zu zweifeln, sondern den Weg weiter zu gehen.

Dabei bekamen Sie jedoch in diesem Zeitraum ein Angebot des Schweizer Fußball-Verbandes.

Ich habe 18 Jahre in der Schweiz gelebt. Deshalb wäre es töricht gewesen, sich das nicht anzuhören. Als es konkreter wurde, habe ich Schalke sofort informiert. Doch meine Entscheidung, hier zu bleiben, ist nach den Rückmeldungen, insbesondere von Sportvorstand Jochen Schneider, sehr schnell pro Schalke gefallen.

Der Konkurrenzkampf um Talente beginnt immer früher und wird immer härter. Wie kann Schalke hier weiterhin bestehen?

Ich stelle mir bei diesem Thema häufig die Frage: Können Kinder, vor allem die ganz jungen, die Zeit, in der sie bei uns sind, durchhalten? Damit meine ich: Was sollen wir mit einem Neunjährigen - und sei er noch so talentiert - wenn er in Köln wohnt und lange Hin- und Rückfahrten auf sich nehmen muss? Das ist meines Erachtens verantwortungslos, denn wir verbrennen am Ende dieses Talent. Deshalb müssen wir um uns herum gerade im unteren Bereich eine noch besser funktionierende Gemeinschaft bilden. Damit meine ich unseren Fußballkreis 12. Die Knappenschmiede muss Spieler herausbringen, die aus unserer Region kommen. Wir sind ein Gelsenkirchener Fußballverein! Und wenn sich die Vereine im unteren Bereich primär auf Spieler aus ihrer engeren Umgebung konzentrieren, ginge auch der Talent-Tourismus auf der A 40 zurück.

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