Schalke 04 ärgert Bayer Leverkusen, stellt aber Rekord auf

Schalke 04

Die „Not-Elf“ von Trainer David Wagner schafft ein 1:1 (0:0) gegen Leverkusen. Schalke hat aber mit nun 13 sieglosen Spielen in Folge einen Vereins-Negativrekord aufgestellt.

Gelsenkirchen

, 14.06.2020, 20:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eiskalt verwandelt: Daniel Caligiuri trifft per Elfmeter für die Königsblauen.

Eiskalt verwandelt: Daniel Caligiuri trifft per Elfmeter für die Königsblauen. © dpa

Los, Männer, genau so weiter“, rief Schalkes Torhüter Alexander Nübel seinen Kollegen kurz vor Beginn der zweiten Spielhälfte zu – ein Indiz dafür, dass die Königsblauen vorher schon eine ganze Menge richtig gemacht hatten.

Damit war vor dem 1:1 (1:0)-Sieg gegen Bayer Leverkusen nicht unbedingt zu rechnen. Schalke schleppte zwölf sieglose Bundesliga-Spiele in Serie mit sich herum, außerdem fehlten gleich zehn verletzte Spieler – am Sonntag meldete sich auch noch Benito Raman mit Rückenproblemen ab.

Aus der Not eine Tugend

Wagner machte aus der Not eine Jugend: Mit Jonjoe Kenny, Juan Miranda, Weston McKennie, Nassim Boujellab, Ahmed Kutucu und dem debütierenden Kapitän der Schalker A-Junioren, Can Bozdogan, kamen mehrere Youngster zum Einsatz.

Unter dem Motto „Jugend forsch“ attackierte Schalke die favorisierte Bayer-Elf von Beginn an, setzte die technisch versierte Mannschaft von Trainer Peter Bosz so sehr unter Druck, dass die Gäste regelrecht überrumpelt wurden – sie schienen sich die Aufgabe auf Schalke irgendwie anders vorgestellt zu haben. Leichter halt.

Aber Schalke machte dem Champions-League-Aspiranten das Leben schwer: McKennie und Kutucu hatten gleich in der zweiten Minute eine Doppel-Chance, Bayer tauchte erstmals in der 23. Minute durch Lucas Alario gefährlich vor dem S04-Tor auf.

Caligiuri trifft per Elfmeter

Erst nach dem 1:0 durch einen von Daniel Caligiuri verwandelten Handelfmeter (51., entschieden nach langem Video-Studium) konnte Bayer, wo auch Kai Havertz blass blieb, den Hebel etwas umlegen und kam zu Chancen. Eine davon nutzte Paulinho zum 1:1 (82.) – für endlich leidenschaftlich kämpfende Schalker bedeutete das das 13. sieglose Bundesliga-Spiel in Folge und einen Vereins-Negativrekord – auch weil Michael Gregoritsch kurz vor Schluss noch eine große Chance vergab.

Machte die sportliche Situation den Königsblauen vor dem Spiel schon genug zu schaffen, musste sich die Schalker Chefetage erneut mit Schlagzeilen auseinandersetzen, die das Image des „Kumpel- und Malocher-Klubs“ zu einem sehr zweifelhaften machen: Der Verein hat 24 Angestellte des Fahrdienstes der Jugend-Akademie entlassen, darunter auch Rentner und Schwerbehinderte, die über 400,- bzw. 450,- Euro-Beträge beschäftigt wurden – eine Nachricht, die selbstredend einen Sturm der Empörung auflöste.

Pauschalen gestrichen

Sportvorstand Jochen Schneider bemühte sich in einem Sky-Gespräch, den Sachverhalt zu relativieren. Aus unternehmerischer Sicht sei die Auslagerung des Fahr-Services an einen externen Dienstleister mehr als vertretbar. Was die „soziale Komponente“ betrifft, so Schneider, sei Schalke mit allen Betroffenen in Gesprächen, um gute Lösungen zu finden.


Wie auch immer: Die erwähnten Kündigungen passen ins schiefe Bild, das Schalke derzeit – verglichen mit dem eigenen Anspruch, nach wie vor ein volksnaher Verein zu sein – abgibt. Bisheriger „Höhepunkt“ dieser großen Differenz zwischen dem Leitbild des Vereins („Schalke. Wir leben Dich“) und dem tatsächlichen Handeln war die Posse um die Härtefall-Anträge, die Dauerkarten-Inhaber stellen sollten, die auf Rückerstattung ihres Geldes für die wegen Corona entgangenen Heimspiele pochten.

Veränderungen im medizinischen Bereich?

Dafür hat sich Schalke mittlerweile entschuldigt, die finanziellen Nöte mildert das nicht: Die Basketball-Abteilung musste auf den Lizenzantrag für die Pro-A-Liga verzichten (Einsparung: ca. 700.000 Euro), außerdem hat Schalke seit dem 1. April, wie diese Zeitung erfuhr, in allen übrigen Abteilungen die Trainer- und Übungsleiterpauschalen gestrichen. Offizielle Begründung: Wegen der Corona-Pandemie würde der Trainingsbetrieb ja ruhen. Sachlich richtig – allerdings beträgt die Ehrenamtspauschale pro Monat 60 Euro. Schalke spart also auch im Kleinen. Immerhin.

Nicht ausgeschlossen, dass dafür bald Investitionen in die medizinische Betreuung der Profis anstehen: Denn an Zufall oder nur Pech glaubt angesichts der langen Verletztenliste auf Schalke kaum noch jemand.

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