Schalke 2:2, Schneider über Elfer-Entscheidung erbost: „Es reicht!“

Schalke 04

Beim Keller-Derby in Mainz liegt Schalke zweimal zurück, kommt aber zweimal wieder. Uth per Freistoß und ein Eigentor bescheren verdienten Punkt. Glücklich war am Ende keiner.

Mainz

, 07.11.2020, 17:59 Uhr / Lesedauer: 3 min
Punkt gerettet: Schalkes Stürmer Goncalo Paciencia jubelt über das Mainzer Eigentor zum 2:2.

Punkt gerettet: Schalkes Stürmer Goncalo Paciencia jubelt über das Mainzer Eigentor zum 2:2. © dpa

Gegenüber dem Pokalspiel gegen Schweinfurt hatte Schalkes Trainer Manuel Baum seine Startelf wieder ordentlich durchgemischt, insgesamt auf acht Positionen. Die wohl auffälligste Veränderung: Im Tor stand Frederik Rönnow - obwohl Ralf Fährmann Schalke durch einen gehaltenen Elfmeter gegen den Regionalligisten Schweinfurt vor Schlimmerem bewahr hatte.

Apropos Elfmeter: Das Kellerduell hätte für die Königsblauen nicht schlechter beginnen können. Schon nach fünf Minuten entschied Schiedsrichter Patrick Ittrich nach Video-Studium auf Strafstoß für Mainz, nachdem Matija Nastasic im Strafraum recht rustikal - zu rustikal - gegen den Mainzer Stürmer Jonathan Burardt zu Werke gegangen war. Daniel Brosinski verwandelte den Elfer zum 1:0 für Mainz.

Toller Freistoß von Uth

Aber Schalke zeigte sich davon relativ unbeeindruckt und übernahm so nach und nach das Kommando gegen eine Mainzer Mannschaft, die bei vielen Aktionen ihren Status als Tabellen-Schlusslicht bestätigte. Anstatt Schalke weiter in die eigene Defensive zu pressen, überließen die Gastgeber den Königsblauen das Feld. Schalke hatte mehr Ballbesitz und durch Uth, der nach guter Vorarbeit von Paciencia allerdings verstolperte, auch eine gute Ausgleichschance. Aber Uth machte es wieder gut: Mit einem herrlich geschossenen Freistoß erzielte er mit dem feinen linken Füßchen das 1:1 (36.).

Es lief ganz ordentlich für Schalke - der mit 22 sieglosen Bundesliga-Spielen in Serie angereiste Tabellen-Vorletzte zeigte vielleicht seine beste Saison-Halbzeit, geriet aber trotzdem wieder in Rückstand. Wieder durch einen Elfmeter, wieder nach einem Foulspiel: Ozan Kabaks Rangelei mit Jean-Philippe Mateta war für Schiedsrichter Ittrich elfmeterreif. Mateta selbst verwandelte zum 2:1 (45.) und hätte direkt danach noch nachlagen können bzw. müssen, als er frei vor Rönnow auftauchte, aber am Schalker Torhüter scheiterte.

Kabak-Tor nicht gegeben

Schalke schüttelte sich kurz, kam dann mit neuem Mut aus der Kabine. Ozan Kabak erzielte im Anschluss an eine Ecke das 2:2 - dachten alle, auch die Mainzer, die nicht mal protestiert hatten. Am Video-Bildschirm entdeckte Ittrich allerdings ein Handspiel von Kabak. Kein Tor also, dafür wütende Schalker Proteste - Manuel Baum sah dafür die Gelbe Karte.

Schalke, in den acht Pflichtspielen dieser Saison nun schon mit insgesamt sieben Elfmeter bestraft, gelang es nun nur noch selten, den Druck wie in der ersten Halbzeit aufzubauen - obwohl Mainz nun wirklich nicht das Fußballspielen erfunden hatte. Dennoch tauchten die Gastgeber noch zweimal frei vor Rönnow auf - aber der Däne parierte sowhl gegen Burkadt (56.) als auch gegen Mateta (78.). Schalkes beste Chancen bis dahin hatte Uth in der 70. Minute, aber sein Linksschuss ging knapp neben das Tor.

Den Punkt redlich verdient

Schalke gab aber nicht auf, wollte wenigstens den einen Punkt. Und war bis dahin alles recht unglücklich verlaufen für die Gäste, gab es nun unerwartete Schützenhilfe: Nach einer Hereingabe des eingewechselten Steven Skrzybski prallte der Ball an den Körper des Mainzers Jeremiah St. Juste und von da aus ins Tor - ein absolut unnötiges Eigentor, weil St. Juste eigentlich allein auf weiter Flur stand (82.). 2:2, der Endstand. Den einen Punkt hatte sich Schalke redlich verdient. Der verhindert immerhin, dass die Königsblauen nun die Rote Laterne tragen müssen. Aber sie bleiben seit nun 23 Bundesliga-Spielen saisonübergreifend sieglos.

Der Punkt hilft allerdings keinem so richtig weiter, also war auch weder auf Schalker noch auf Mainzer Seite jemand glücklich mit dem Unentschieden. Mainz nicht, weil zweimal eine Führung verspielt worden war und gute Chancen ausgelassen worden waren, den Deckel draufzumachen. Schalke nicht, weil sich nun natürlich die Frage stellt, gegen wen noch gewonnen werden soll, wenn nicht mal beim Schlusslicht. Trainer Baum fluchte nach Schlusspfiff vor sich hin, und Sportvorstand Jochen Schneider war für seine Verhältnisse sogar außer sich.

„Ein Schritt nach vorn“

Im Sky-Interview ging es dabei allerdings nicht um die Schalker Leistung („Es war ein Schritt nach vorn“), sondern vor allem um den zweiten Elfmeter, den Schiedsrichter Ittrich gepfiffen hatte. Sieben Elfmeter in acht Pflichtspielen wurden gegen Schalke ausgesprochen, für Schneider ist das Maß jetzt voll: „Es reicht jetzt“, schimpfte Schneider und gab zu, dass Schalke sich „schlecht behandelt“ fühle. Das nicht gegebene Kabak-Tor war für Schneider dabei nicht das Thema: „So ist die Regel.“ Übrigens: Das Foul an Paciencia kurz vor Spielschluss, das einen Elfmeter hätte nach sich ziehen können wenn nicht gar müssen, hatten die Sky-Leute Schneider da noch gar nicht gezeigt...

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