Schalke als Bayern-Jäger wider Willen

Nach 3:1 gegen Hoffenheim

Manager Horst Heldt, vorher ganz entspannt, schaute fast erschrocken zu Huub Stevens hoch. Dem Trainer, nach dem 3:1 (1:0)-Sieg gegen Hoffenheim eigentlich gut gelaunt, fiel beinahe die Kinnlade herunter. Gerade war in der Pressekonferenz die Frage gestellt worden, die kommen musste.

GELSENKIRCHEN

von Von Norbert Neubaum und Frank Leszinski

, 30.10.2011, 16:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalke's defender Dennis Aogo (R) and Madrid's Welsh striker Gareth Bale vie for the ball during the last sixteen, first-leg UEFA Champions League football match FC Schalke 04 vs Real Madrid in Gelsenkirchen, western Germany on February 18, 2015. AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ

Schalke's defender Dennis Aogo (R) and Madrid's Welsh striker Gareth Bale vie for the ball during the last sixteen, first-leg UEFA Champions League football match FC Schalke 04 vs Real Madrid in Gelsenkirchen, western Germany on February 18, 2015. AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ

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Fußball-Bundesliga: FC Schalke 04 - 1899 Hoffenheim

29.10.2011
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Klaas-Jan Huntelaar freut sich über sein Elfmetertor zum 2:1.© Foto: dpa
Enttäuschte Hoffenheimer nach Spielende.© Foto: dpa
Tom Starke kann den Elfmeter von Huntelaar nicht halten.© Foto: dpa
Hitzige Diskussionen nach dem Schalker Führungstreffer. © Foto: dpa
Roberto Firmino (l.) behauptet den Ball gegen Lewis Holtby.© Foto: dpa
Schalker Jubel nach dem 1:0 durch Raul (M.).© Foto: dpa
Noch nicht im Schalker Kader: Neuzugang Timo Hildebrand.© Foto: dpa
Jermaine Jones (l.) gewinnt dieses Kopfballduell.© Foto: dpa
S04-Trainer Huub Stevens.© Foto: dpa
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Stevens gilt in der Branche als Prototyp eines Realisten, und Schalke tut wohl gut daran, diesem Realitätssinn zu folgen. Der Verein kann sich nicht dagegen wehren, als aktueller Tabellenzweiter nun wieder als Bayern-Jäger gehandelt zu werden. Annehmen wollen die Königsblauen diese Rolle aber nicht. „Meilenweit entfernt“, sind die Bayern laut Huub Stevens derzeit vom Rest der Liga, auch Horst Heldt sieht den FC in einer anderen Liga spielen – Heldt hatte noch auf der Schalker Jahreshauptversammlung im Juni gefordert, dass mit dem Gerede von der Meisterschaft, das den Verein zuletzt mehr gelähmt als beflügelt hat, auf Schalke vorerst Schluss sein müsse.

Für Heldt und Stevens ist es ein schmaler Grat, gegen zu hohe Erwartungen anzureden, ohne gleichzeitig als Spaßbremsen dazustehen. Heldt gestand, dass er nach der reifen Schalker Leistung gegen Hoffenheim keine Argumente hatte, „nun irgendwas in Schutt und Asche zu reden“, auch Stevens lobte seine Elf, sie habe „clever gespielt“ und nach dem Gegentreffer zum 1:1 die richtige Reaktion gezeigt.Der Bayern-Jäger wider Willen hat den Trainerwechsel von Rangnick zu Stevens erstaunlich souverän überstanden. Durch wichtige und bislang auch richtige Personalentscheidungen (zum Beispiel die „Wiederentdeckung“ von Jermaine Jones) trägt die Elf bereits Stevens’ Handschrift. Der „Dreier“ gegen Hoffenheim war auch deshalb so beeindruckend, weil er gegen eine Elf zustande kam, die sich nicht wie Freiburg oder Köln nach dem ersten Gegentor in ihr Schicksal ergab.

„Diese Truppe“, prophezeite Stevens, „wird noch viele Punkte holen, glauben Sie mir!“ Diverse Unkonzentriertheiten und enormer Schalker Siegeswille brachten die Formation von Gäste-Trainer Holger Stanislawski auf die Verliererstraße, die sie am Sonntag noch einmal visuell betreten musste. Stanislawski kündigte für Sonntag eine 90-minütige Videoanalyse an, „damit die Jungs sehen, was sie hier Wunderbares produziert haben...“

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Unter anderem Fehler, die Raul (28.) und Huntelaar, der seine Pflichtspieltreffer Nummer 20 und 21 für Schalke in 18 Saison-Spielen erzielte (73./76.), ausnutzten. Dass Ibisevic zum zwischenzeitlichen 1:1 traf, „darf so nicht passieren“, fand Stevens immerhin ein Haar in der Schalker Suppe.

Schalkes Richtung stimmt also, keine Frage. Aber Bayern-Jäger? „Dieser Verein“, hat Heldt in seiner noch kurzen Schalker Zeit bereits erkannt, „kann ja gut mit Euphorie umgehen. Aber manchmal fehlt doch das richtige Maß. Demut kann uns jetzt nicht schaden. Wenn ich mir alleine das nächste Wochenende anschaue – da haben wir am Sonntag von den oberen Klubs das schwerste Spiel.“ In Hannover nämlich. Noch so ein Bayern-Jäger.

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