Soll der FC Schalke 04 seine Profiabteilung ausgliedern? Durch die immensen Probleme in der Corona-Krise nimmt diese Debatte Fahrt auf.

Gelsenkirchen

, 16.04.2020, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Schalkes Marketing-Vorstand Alexander Jobst im Oktober 2019 im „Schalker Kreisel“ über die Rechtsform des FC Schalke 04 als eingetragener Verein philosophierte, ließ die Reaktion an der Basis nicht lange auf sich warten. In den sozialen Medien und im Fanmagazin „Schalke Unser“ wurde das Vorstandsmitglied teilweise harsch kritisiert. Die Botschaft lautete: „Schalke soll ein eingetragener Verein bleiben. Wir sind strikt gegen eine Ausgliederung der Profi-Abteilung.“


Denn die Schalker Anhänger sind in Sorge, dass eine Ausgliederung dazu benutzt werden könnte, Investoren ins Boot zu holen, die dann zukünftig die Vereinspolitik mitbestimmen könnten. Negative Beispiele dieser Art gibt es eine Reihe, man denke nur an die Entwicklung von 1860 München oder den Hamburger SV – Vereine, die beide aus der Bundesliga verschwunden sind.

Negatives Beispiel Hamburger SV


Wie das bei dem Kultklub aus dem hohen Norden war, darüber könnte Heribert Bruchhagen reichlich aus dem Nähkästchen plaudern. Als HSV-Vorstandsvorsitzender zwischen 2016 und 2018 erlebte er mit, wie die Ausgliederung den Traditionsklub quasi bis heute nicht zur Ruhe kommen ließ.


Das tut Bruchhagen natürlich nicht, aber der 71-Jährige outet sich im Gespräch mit dieser Zeitung als Befürworter einer Ausgliederung. „Eigentlich bin ich ein Fußball-Traditionalist, aber der Wettbewerb in der Bundesliga ist so hart geworden, dass ich für den FC Schalke 04 keine Alternative sehe. Schalke wird immer hohe sportliche Ansprüche haben. Diese lassen sich aber nicht mehr in der Rechtsform des eingetragenen Vereins dauerhaft erreichen“, glaubt das Schalke-Mitglied.


Mitglieder haben das letzte Wort


Dass ihm diese persönliche Meinung viel Kritik von den königsblauen Fans einbringen dürfte, ist dem langjährigen Funktionär nur zu bewusst. „Aber das kann ich aushalten“, versichert Bruchhagen.

Was ihm gleichzeitig bei dieser Diskussion sehr wichtig ist, beschreibt er so: „Der Souverän bei solch einer Entscheidung von erheblicher Tragweite ist die Mitgliederversammlung. Vorstand und Aufsichtsrat sollten nicht nach dem Motto ,entweder oder‘ verfahren. Aber das wird auf Schalke nicht geschehen. Ich habe volles Vertrauen in die Arbeit von Jochen Schneider, Peter Petes und Alexander Jobst. Sie machen einen Super-Job.“


Positives Beispiel Eintracht Frankfurt


Wie eine Ausgliederung funktionieren kann, hat Bruchhagen selbst als Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt (2003 bis 2016) miterlebt. „Dieser Schritt hat dem Verein sehr gut getan“, betont der frühere Schalke-Manager, der als weiteres positives Beispiel auf den FC Bayern München verweist, der jeweils 8,33 Prozent seiner Unternehmensanteile an Adidas, Audi und Allianz verkauft hat. „Auch in München gibt es zwischen Verein und Investoren keine Probleme, das hängt natürlich mit den sportlichen Erfolgen zusammen. Wenn die da sind, hast du Ruhe“, so Bruchhagen.


Davon kann auf Schalke aktuell keine Rede sein. Der „Kicker“ sieht Schalke schon in Insolvenzgefahr, wenn die Fernsehrate am 2. Mai nicht ausgezahlt werden sollte. Der Verein hat das dementiert. Aber wenn Finanzvorstand Peter Peters auf der Schalker Facebookseite davon sprach, dass Ausgaben für neue Spieler für die nächste Saison kein Thema sind und er sich von Sportvorstand Jochen Schneider „Neuverpflichtungen ohne Geld“ wünsche, lässt das tief blicken.


„Wir müssen viel hinterfragen“

Zur Diskussion um eine Ausgliederung äußerte sich Peters zurückhaltend: „Die Diskussion hat von außen an Fahrt aufgenommen. Schalke 04 hat die Rechtsform des eingetragenen Vereins. Es gibt zwei große Wege einer Finanzierung: Der eine Weg ist das Fremdkapital, wenn wir also zur Bank laufen. Aber die Eigenkapitalfinanzierung – diese Möglichkeit hat ein eingetragener Verein nicht. Mit den Gremien werden wir das erörtern, ob wir das weiter vollkommen ausschließen wollen. Wir müssen viel hinterfragen. Das ist ein Stück Gesundung.“

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