Schalke setzt auf Konter - Struktur spricht für BVB

Taktikanalyse zum Revierderby

Das Revierderby steht vor der Tür und Borussia Dortmund ist heute (15.30 Uhr) beim FC Schalke 04 klarer Favorit. Worauf sich die beiden Mannschaften taktisch einstellen müssen, ist schwer vorhersehbar. Unsere Taktikanalyse.

DORTMUND/GELSENKIRCHEN

von Martin Rafelt (spielverlagerung.de)

, 10.04.2016, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalke setzt im Derby auf die Konterstärke von Leroy Sane (l.), hier im Duell mit Marcel Schmelzer.

Schalke setzt im Derby auf die Konterstärke von Leroy Sane (l.), hier im Duell mit Marcel Schmelzer.

1.) Wie agiert Schalke bei eigenem Ballbesitz?

Der Spielaufbau der Schalker ist vermutlich das Vorhersehbarste an dieser Partie. Wie in den letzten Jahren fokussieren sich die Königsblauen vor allem auf die Flügel und haben Probleme damit, das Zentrum zu besetzen. Leon Goretzka kann teilweise die Balance herstellen, fehlt jedoch verletzt.  

So wird vor allem Geis das Spiel mit langen Bällen eröffnen, wofür er häufig zwischen die Innenverteidiger zurückfällt. Oft geht es dann auf dem rechten Flügel nach vorne, wo die „Knappen“ in einigen Spielen auch mit Zehner und Mittelstürmer zu überladen versuchten. Links außen spielt zumeist ein Rechtsfuß, die nach innen ziehen und Raum für den linken Verteidiger öffnen.

 

2.) Wie agiert Schalke gegen den Ball?

Wichtiger für Schalkes Offensivpräsenz dürfte jedoch das Konterspiel werden und damit auch die Balleroberung zuvor. Dabei variiert Trainer André Breitenreiter zwischen einer eher passiven Spielweise und einem Angriffspressing mit vielen Manndeckungen. Beim schmeichelhaften Sieg gegen Gladbach wechselte er gleich vier Mal das System, um defensive Mängel zu korrigieren.

Dabei hat Schalke in allen Varianten eher grundsätzliche taktische Probleme. Das passivere Mittelfeldpressing findet häufig in einer 4-4-2-Staffelung statt, bei der die drei Reihen aber nicht eng genug zusammenarbeiten. Das Angriffspressing ist wegen der Manndeckungen kaum kompakt. So fehlt Schalke immer wieder der Zugriff auf den Ball. Letztlich weichen die Königsblauen häufig an den Strafraum zurück und verlieren dadurch Raum. Die Strafraumverteidigung ist jedoch oft eine Stärke.

 

3.) Auf welchen Spieler muss der BVB besonders achten?

Die Schalker Offensivspieler können allesamt für individuelle Überraschungsmomente sorgen - die Frage ist jedoch, wie häufig und wie gut sie eingesetzt werden können. Johannes Geis ist für diesen Faktor voraussichtlich der wichtigste Spieler.

Wenn Pässe auf ihn verhindert werden können, versucht er sich zuweilen etwas ungeschickt freizulaufen. Dadurch können Verbindungen nach vorne abbrechen und Konterräume entstehen. Dafür kann er auch aus tiefen Räumen das Spiel mit weiten Diagonalbällen ankurbeln.

 

4.) Wo liegen die Chancen für den BVB?

Voraussichtlich wird der BVB das Spiel kontrollieren und deutlich mehr Ballbesitz haben. Der entscheidende Faktor wird dann sein, die Schalker Konter einzudämmen. Dabei hat sich die 3-2-4-1-Staffelung im Aufbau etabliert: Schmelzer schiebt aus der Viererkette hoch, Reus rückt ins Zentrum, Piszczek bleibt zurück - oder wer auch immer ihre Positionen übernimmt.  

So können die Flügel schnell von zwei Spielern verteidigt werden und die Doppelsechs positioniert sich recht tief, um direkte Angriffe durch die Mitte zu verhindern. In der Anfangsphase gegen Liverpool blieben sogar beide Außenverteidiger hinten und die beiden Innenverteidiger bauten das Spiel aus einer ungewohnt engen Positionierung heraus auf. Das könnte eine Antwort werden, falls Schalke auf einen Dreiersturm umstellt, womit Dortmund zur Zeit die größten Probleme hat.

Generell kann man sagen, dass sich Anre Breitenreiter etwas einfallen lassen muss. Und dann ist die Frage, wie gut sein Plan funktioniert und wie effektiv Thomas Tuchel darauf antwortet. Intensität und Struktur der Spielanlage sprechen für den BVB.

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