Schalke speckt auf breiter Front ab: „Wir dürfen nicht mehr träumen“

Schalke 04

Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz nach dem Rücktritt von Clemens Tönnies bot kaum Konkretes, verriet aber viel über die künftige Haltung der Königsblauen: Demut und Bescheidenheit.

Gelsenkirchen

von Norbert Neubaum

, 01.07.2020, 14:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Saisonbilanz und ein Ausblick in aller Bescheidenheit: Schalkes Marketingvorstand Alexander Jobst, Trainer David Wagner und Sportvorstand Jochen Schneider (v. l.).

Eine Saisonbilanz und ein Ausblick in aller Bescheidenheit: Schalkes Marketingvorstand Alexander Jobst, Trainer David Wagner und Sportvorstand Jochen Schneider (v. l.). © dpa

Fast 90 Minuten, also eine Fußballspiel-Länge, dauerte die mit viel Spannung erwartete Pressekonferenz des FC Schalke 04 nach dem Rücktritt des langjährigen Aufsichtsrats-Chefs Clemens Tönnies. Sportvorstand Jochen Schneider, Marketingvorstand Alexander Jobst und Trainer David Wagner zogen, moderiert vom neuen Pressesprecher Marc Siekmann, eine Bilanz der vergangenen Wochen und Monate und gaben einen perspektivischen Ausblick auf die nähere Zukunft.

Kein „Weiter so“

Dabei gab es zwar kaum Konkretes, aber immerhin wurde die Haltung der Königsblauen deutlich, mit der der FC Schalke 04 demnächst das Vertrauen der Fans und Mitglieder zurückgewinnen will: Demut und Bescheidenheit. „Eine Zäsur“, so Jobst, sei der heutige Tag. Ein „Weiter so“ werde es mit ihm und Schneider, den beiden nach dem Rücktritt von Finanzvorstand Peter Peters verbliebenen Vorstandsmitgliedern, nicht geben.

Für die vielen selbst verschuldeten Pleiten und Pannen in den letzten Monaten entschuldigte sich Jobst: Als Stichworte nannte er die Härtefall-Anträge bei den Dauerkarten-Rückerstattungen und die Entlassung von in der Jugend-Akademie tätigen Mini-Jobbern. Jobst zog sich quasi im Namen des Vorstands das Büßergewand über und entschuldigte sich für diese Vorfälle. Mit den entlassenen Mitarbeitern sei Schalke darüber hinaus im Gespräch - diese würden nun möglicherweise an anderer Stelle im Klub oder bei einem externen Dienstleister eine neue Aufgabe finden.

Die von vielen befürchtete und von vielen erhoffte Ausglieder der Profi-Abteilung sei, so Jobst, aktuell kein Thema. Zu gegebener Zeit werde man aber mit solchen Plänen möglicherweise auf die Mitglieder zukommen, dann allerdings „mit allergrößter Transparenz“. Aktuell habe Schalke andere Dinge zu erledigen: „Den Club durch die Corina-Krise steuern, den Verein konsolidieren und dann in eine sicherer Zukunft führen.“

Kleinere Brötchen backen





In der wird Schalke wie erwartet möglicherweise kleinere Brötchen backen müssen. Der Verein speckt nicht nur finanziell ab, sondern auch was die Erwartungshaltung betrifft: „Wir dürfen nicht mehr träumen“, warnte Schneider davor, noch immer Europa als Maßstab für die Schalker Saisonziele zu benennen. Jobst und Schneider kündigten ein umfassendes Sparpaket an, ohne beispielsweise eine ja öffentlich diskutierte Gehaltsobergrenze für die S04-Profis zu bestätigen. Schneider gab aber zu, dass es „interne Richtlinien“ geben würde, die sich der Klub in solchen Fragen auferlegt habe.

Die sportliche Bilanz zog in erster Linie Trainer David Wagner, der sich darüber freute, trotz der 16 sieglosen Spiele in Serie in der Rückrunde trotzdem weiter das Vertrauen von Sportvorstand Jochen Schneider zu genießen: „Ich weiß, dass das alles andere als selbstverständlich ist.“ Wagner gab aber zu bedenken, „dass die ersten 18 Spiele ja kein Zufall waren“. In denen spielte Schalke Wagner-Fußball, erfolgreich. Dann kamen große Verletzungsprobleme dazu, Schalke bekam die Kurve nicht mehr.

Auch Miranda geht

Offensichtlich auch als Reaktion darauf hat sich Schalke von den Athletik- bzw. Rehatrainern Bob Schoos und Klaus Luisser getrennt, mit Werner Leuthard kommt ein alter Bekannter nach Schalke zurück - der „Schleifer“ hatte unter Felix Magath bei den Königsblauen gearbeitet. Nächste Personalie: Nach Jonjoe Kenny (zurück zum FC Everton) wird auch Juan Miranda (zurück zum FC Barcelona) Schalke verlassen. Trainingsstart soll am 31. Juli sein vorbehaltlich der bisherigen Planungen, dass die Bundesliga-Saison Mitte September beginnt.

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