Die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies stoßen auch bei Schalkes Sponsoren auf Kritik. Premium-Partner R+V Versicherung hat dem Schalker Vorstand einen Brief geschrieben.

Gelsenkirchen

, 12.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit Alexander Jobst als hauptamtliches Vorstandsmitglied den Marketing- und Sponsorenbereich des FC Schalke 04 verantwortet, sind die Königsblauen in diesem Bereich deutlich breiter und erfolgreicher aufgestellt. Jahr für Jahr konnte Jobst Rekordzahlen präsentieren, die eng an den sportlichen Erfolg und eine gute Außendarstellung des Vereins gekoppelt sind.

Doch die Rassismusdebatte um Clemens Tönnies lässt so manchen Schalker Geldgeber nicht kalt und sorgt hinter den Kulissen für Wirbel. Eine Entwicklung, die Jobst bald Kopfzerbrechen bereiten könnte.

Für Toleranz und Vielfalt

So hat die R+V Versicherung, seit 2015 ein sogenannter Premium-Partner der Königsblauen, am vergangenen Montag dem Schalker Vorstand einen Brief geschickt. Der Inhalt lässt sich sinngemäß so zusammenfassen: Die R+V Versicherung kann die Aussagen von Clemens Tönnies nicht nachvollziehen. Ihr Unternehmen steht für Toleranz und Vielfalt. Dazu passen die Aussagen von Tönnies in keiner Weise. Durch sie sind großer Schaden entstanden. Die R+V Versicherung wünscht sich, dass der Schalker Vorstand zu dieser Thematik eindeutig öffentlich Stellung bezieht.

Dies geschah prompt am vergangenen Mittwoch. „Wir sind uns des Schadens bewusst, den der Verein in den letzten Tagen erlitten hat. Wir werden noch intensiver daran arbeiten, um innerhalb und außerhalb des Vereins deutlich zu machen, dass der FC Schalke 04 für die Werte einer weltoffenen, freien und multikulturellen Gesellschaft steht“, hieß es in einer von Alexander Jobst, Finanzvorstand Peter Peters und Sportvorstand Jochen Schneider gemeinschaftlich unterzeichneten Erklärung.

Keine Auswirkungen auf Zusammenarbeit

Frank Senger, Pressesprecher der R+V Versicherung, betonte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass die Rassismusdebatte aber keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zwischen Fußballklub und Versicherung habe. „Denn Schalke trägt nicht die Verantwortung für die Aussagen einer einzelnen Person“, so Sänger. R+V Versicherung und Schalke haben erst kürzlich ihren Vertrag vorzeitig bis 2023 verlängert.

Mit der Brauerei Veltins, einer von drei Schalker Hauptsponsoren neben Gazprom und Umbro, läuft die Zusammenarbeit sogar bis 2027. Auch dort hat man die Rassismusdebatte natürlich intensiv verfolgt. Die Aufregung und emotionalen Diskussionen um die Äußerungen von Clemens Tönnies könne man verstehen. Diese stehen in krassem Gegensatz zu den Werten der Unternehmenskultur, wie sie Veltins pflege, teilte die Brauerei auf Anfrage mit.

Schalke-Stiftung als positives Beispiel

Anderseits müsse man den Verein als Ganzes sehen. Die wertvolle Arbeit, die zum Beispiel seit vielen Jahren die Stiftung „Schalke hilft!“ leiste, sei ein positives Beispiel, dass sich der Verein immer wieder sozial engagiere.

Dennoch zeigen diese Sponsorenreaktionen, dass die Arbeit für Jobst in Zukunft eher schwieriger werden könnte, sollten die Debatten um die rassistischen Äußerungen sich fortsetzen. Bereits in dieser Woche könnte es weiter gehen, wenn sich am 15. August die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes mit den Äußerungen des Fleisch-Fabrikanten beschäftigen will.

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