Mittelstürmer Guido Burgstaller hat sich zu einer festen Schalker Größe entwickelt. Im Interview spricht der 30-Jährige über Spielsysteme, Trainer Wagner und seine Familie.

Gelsenkirchen

, 15.08.2019, 18:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beim Schalke-Tag hatten Sie sicher viel Kontakt mit den Fans. Welche Erwartungshaltung haben die königsblauen Anhänger vor dem Start in die neue Bundesligasaison?

Guido Burgstaller: Die Stimmung war wie in den vergangenen Jahren sehr gut. Wie sich die Atmosphäre weiter entwickelt, wird auch davon abhängen, wie wir in die Saison starten. Aber grundsätzlich sind die Fans positiv eingestellt.



Wie lauten Ihre persönlichen Ziele?

Ich stecke mir keine. Das habe ich noch nie gemacht. Für mich zählt einzig und allein der Erfolg der Mannschaft. Denn ich habe noch nie gesehen, dass ein Spieler gut ist und die Mannschaft schlecht. Das gibt es nicht. Für mich persönlich ist wichtig, dass ich gesund bleibe und Tag für Tag gut trainieren kann.



Weil Ihr Spiel gute Fitness voraussetzt.

Genau. Ich mache in jeder Partie viele intensive Läufe. Das geht nur, wenn man körperlich topfit ist.



Haben Sie die vergangene, sehr enttäuschende Saison noch ein bisschen im Hinterkopf?

Wir sollten das Positive und das Negative, was gewesen ist, schon in Erinnerung behalten, aber uns nicht mehr zu sehr damit belasten.



Was stimmt Sie positiv, dass Schalke eine bessere Saison spielen wird?

Wenn ein neuer Sportvorstand, ein neuer Trainer und ein neues Funktionsteam in einem Verein installiert wird, dann entsteht auch ein neuer Geist. Ich hoffe, dass jeder Spieler in jeder Partie weiter Gas gibt. Das war in der vergangenen Saison leider nicht immer der Fall. Bisher haben in der Vorbereitung alle an einem Strang gezogen. Das muss das Grundprinzip bleiben.



Trainer David Wagner habe ich in den Trainingseinheiten bisher als stillen Beobachter wahrgenommen. Kann er auch anders?

Auf jeden Fall. Es gab auch schon Einheiten, die er unterbrochen hat und entweder Lob oder Kritik geäußert hat. Er spricht sehr viel mit uns, zum Beispiel bei den Videoanalysen. Hinzu kommen viele Einzelgespräche.



Ab dieser Saison gibt es auch wieder einige neue Regeln. Trainer können verwarnt oder sogar die Rote Karte sehen. Ist das sinnvoll?

Ich habe das bei der Regelschulung mitbekommen. Die Schiedsrichter müssen da ein besonderes Fingerspitzengefühl entwickeln, wie bei uns Spielern auch. Ein bisschen Impulsivität am Spielfeldrand beziehungsweise auf den Trainerbänken sollte gestattet sein. Solange alles respektvoll über die Bühne geht, ist es in Ordnung.



Respekt ist ein gutes Stichwort. Die Rassismusdebatte um Clemens Tönnies ebbt nicht ab. Aber müssten auch nicht Teile der Fans ihr Verhalten hinterfragen, wenn man an so manche Transparente oder Sprechchöre denkt, die andere Menschen herabsetzen?

Das ist eine ganz schwierige Thematik. Was ist grenzwertig und was nicht? Wir haben uns beim Thema Rassismus als Mannschaft eindeutig positioniert. In unserer Kabine haben wir damit überhaupt kein Problem, dass sich unsere Mannschaft aus Spielern vieler Nationen zusammensetzt. Wenn es beim Derby mal Sprechchöre in Richtung der gegnerischen Fans gibt, ist das für mich etwas anderes, solange kein Mensch eines anderen Landes beleidigt oder herabgesetzt wird.



Zurück zum Sport: Vor allem die neuen Bundesligatrainer fordern Pressing, frühes Attackieren und schnelles Umschaltspiel. Gibt es einen neuen Trend in der Bundesliga?

Auf jeden Fall. Der Fußball entwickelt sich in diese Richtung, wenn ich nur an den FC Liverpool als amtierenden Champions-League-Sieger denke. Liverpool hat diese Art von Fußball perfektioniert.



Was von den Spielern aber große Fitness voraussetzt.

Du musst topfit sein, das ist das A und O bei dieser Art von Fußball. Natürlich muss man auch mal den Fuß vom Gas nehmen und sich am Gegner orientieren. Aber ich glaube schon, dass der Fußball, wie ihn Liverpool spielt, der Grundprinzip für die nächsten Jahre sein wird.



Wie weit ist Schalke auf dem Weg dorthin?

Die Ansätze sind da, aber es wird noch dauern, bis es bei jedem Spieler in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wir müssen dahin kommen, dass die Automatismen so ausgebildet sind, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, was man bei einer entsprechenden Spielsituation tun muss.



Am 29. April sind Sie 30 Jahre alt geworden. War das ein Zeitpunkt, wo man als Fußballer auf seine Karriere zurückblickt?

Erst einmal bin ich erschrocken, wie schnell die Zeit vergeht. Aber Gedanken über ein Karriereende, sind für mich kein Thema. Ich kann mit den jungen Spielern ja auch noch ganz gut mithalten. 18 möchte ich allerdings auch nicht mehr sein.



Warum nicht?

Noch mal alle Trainingslager machen? Das wäre mir viel zu viel. (lachend)


Sie sind vor einigen Monaten Vater geworden. Hat sich alles eingespielt?

Von wegen. Die Nächte sind ab und zu doch etwas kürzer. Meine Frau nimmt viel auf sich. Alles dreht sich um unsere Tochter Mila. Aber es ist schön.


Ihre Frau ist auch Journalistin. Gab es schon einmal eine Medienschulung im Hause Burgstaller?

Die hat es noch nie gegeben und wird es auch nie geben. Damit bin ich seit zehn Jahren gut gefahren. Ich sage immer meine Meinung.



Zum Schluss noch eine sportliche Frage: Wen wünschen Sie sich als nächsten Pokalgegner? Am Sonntag wird gelost.

Ein Spiel gegen meinen früheren Klub 1. FC Nürnberg – da hätte ich nichts gegen einzuwenden.

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