Im letzten Teil der Serie über die finanziellen Schwierigkeiten von Schalke geht es um das Wachstum des Klubs in vielen Bereichen, das dann Probleme bringt, wenn der Erfolg ausbleibt.

Gelsenkirchen

, 23.04.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Anrufer bei mehreren Zeitungen im Ruhrgebiet kam sofort zur Sache. „Assauer. Wir haben Jiri Nemec verpflichtet.“ So klang das im Frühjahr 1993, denn der Manager des FC Schalke 04 übernahm zu Beginn seiner zweiten Amtszeit bei den Königsblauen teilweise auch die Öffentlichkeitsarbeit.


Das wäre heute undenkbar. Jeder Bundesligist weiß, wie wichtig es ist, Nachrichten zum richtigen Zeitpunkt zu platzieren. Eine Armada von Mitarbeitern kümmert sich um jedes Wort von Interviews oder Vereinsverlautbarungen, damit immer der richtige Ton – gleichbedeutend mit dem Interesse des Vereins – getroffen wird.

Doch 1993 hatte Schalke nicht das Geld, um in die Medienarbeit zu investieren. Da haben sich die Zeiten enorm verändert. Mittlerweile ist die Presseabteilung des Klubs sogar getrennt worden in Print- und Digitalbereich. Längst gehört auch ein eigener Fernseh-Kanal (Schalke-TV) dazu.


Hohe Personalkosten


Dies alles korrespondiert mit dem Schalker Anspruch, nicht nur national, sondern auch international eine Rolle zu spielen. Stimmen die sportlichen Ergebnisse, lässt sich dies gut vermitteln. Wird eine Saison wie die letzte aber nur mit Rang 14 in der Bundesliga abgeschlossen, kommt man schon ins Grübeln, ob dieser Aufwand, der mit hohen Personalkosten verbunden ist, sich auf Dauer rechnet.

Denn die Personalkosten (123 Millionen Euro) sind beim FC Schalke 04 weiterhin auf Champions-League-Niveau, obwohl die Königsklasse zuletzt in der Saison 2017/2018 erreicht wurde. Zum Vergleich: 2012 beliefen sich die Personalkosten für alle Mitarbeiter, Aushilfen und Angestellten „nur“ auf 98,5 Millionen Euro.

Zwar trägt der Lizenzspieler-Kader dabei den größten Teil (ca. 100 Millionen Euro), aber Schalke hat auch Kosten auf anderen Geschäftsfeldern wie Digitalisierung und Internationalisierung. Das sind zweifellos Bereiche, die für den Verein immer wichtiger werden, aber sie machen eben nur Sinn, wenn auch im Kerngeschäft Fußball positive Schlagzeilen geschrieben werden.


Erstes Alarmsignal


Das war zuletzt nicht der Fall und ob in der aktuellen Saison wenigstens die Qualifikation für die Europa League erreicht wird, ist noch längst nicht sicher. Aber selbst wenn dieses Ziel erreicht werden sollte, das große Geld wird nur in der Champions League verdient.


Fehlt der sportliche Erfolg, so wird es zudem immer schwieriger, die eigenen Sponsoren bei der Stange zu halten bzw. neue zu gewinnen. Noch sind die Königsblauen in der glücklichen Lage, über einen Stamm von verlässlichen und finanzkräftigen Partner zu verfügen. Dass die Sponsoring-Einnahmen dennoch erstmals seit vielen Jahren um sechs Millionen gesunken sind (von 79 auf 73 Millionen Euro), sollte nicht nur für den ehrgeizigen Marketing-Vorstand Alexander Jobst ein Alarmsignal sein. Fazit: Auf Schalke warten schwere Zeiten.

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