Schalke und eine dunkle Reise in die Vergangenheit

Schalke

Schalke hat ein neues Buch-Projekt vorgestellt. Es geht um die Biografien jüdischer Vereinsmitglieder zwischen 1933 und 1945, die keinen Schutz vom Klub erhielten.

Gelsenkirchen

, 06.09.2019, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalke und eine dunkle Reise in die Vergangenheit

Lesenswert: Spurensuche Jüdische Schicksale auf Schalke ©

Bei der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit hat der FC Schalke 04 eine Vorreiterrolle in der Fußball-Bundesliga eingenommen. Auch dunkle Kapitel der Vereinshistorie wurden nicht ausgespart. Große Aufmerksamkeit erregte beispielsweise bereits die im Jahr 2005 veröffentlichte Studie von Stefan Goch und Norbert Siolberbach: „Zwischen Blau und Weiß liegt Grau: Der FC Schalke 04 in der Zeit des Nationalsozialismus“, die erstmals zeigen konnte, wie stark zum Beispiel die Vereinsikone Fritz Szepan vom Nationalsozialismus profitierte.



Nun gibt es sozusagen eine Fortsetzung. In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, dem Institut für Stadtgeschichte und dem Schalker Fanprojekt präsentierte die Königsblauen ihr neues Projekt „Spurensuche - Jüdische Schicksale auf Schalke“ in der Veltins-Arena. Vor mehr als 100 Gästen stockte vielen Zuhörern der Atem, als Dr. Daniel Schmidt vom Institut für Stadtgeschichte über die Gräueltaten der Nationalsozialisten an den jüdischen Schalker Vereinsmitgliedern berichtete.


„Wut und Scham“



Vorstandsmitglied Peter Peters empfand „Wut und Scham“, als er die Publikation zum ersten Mal in den Händen hielt. „Als ich mit dem Lesen begonnen habe, war ich sehr erschrocken. Da wird etwas lebendig, was man so nicht mehr konstant in Erinnerung hatte“, bekannte der 57-Jährigeund appellierte an die Zuhörer, den Pfad der Aufklärung nie zu verlassen, damit sich solch schreckliche Geschehnisse nicht wiederholten.



Die Kooperationspartner haben sich sehr viel Mühe gegeben und mit geradezu detektivischem Spürsinn die Lebenswege von jüdischen Vereinsmitgliedern erschlossen. In den vergangenen zwei Jahren wurden Kontakt aufgenomen mit Archiven, Gedenkstätten und Museen in Deutschland, den Niederlanden, den USA, Israel und Peru um Fotos zu ergattern und Stammbäume nachzuvollziehen.


Peters betont „gesellschaftliche Verpflichtung“


Ein zentrales Ergebnis des Buches lautet: Während der Zeit des Nationalsozialismus hat sich der FC Schalke 04 nicht schützend vor seine jüdischen Mitglieder und Förderer gestellt. Im Gegenteil – manch einer aus den Reihen des S04 profitierte von der Entrechtung der Juden. Peter Peters: „Aus dieser dunklen Vergangenheit erwächst für Königsblau eine gesellschaftliche Verpflichtung. Schalke steht für Menschlichkeit, Integration, Toleranz und Vielfalt ein“.



Am Ende ist ein Buch entstanden, das an all die Orte in Gelsenkirchen führt, an denen die jüdischen Schalker gewohnt, gearbeitet und gewirkt haben. Ihre Biografien wurden aufgearbeitet, die Erinnerung an die Personen wieder lebendig gemacht.


Neue Eindrücke und Fragen mitnehmen



Die „Spurensuche“ richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler aus Gelsenkirchen. Selbstverständlich aber auch an alle Schalker, denen die Erinnerung an die jüdischen Mitglieder der Vereinsfamilie eine Herzensangelegenheit ist und die bereit sind, neue Eindrücke und Fragen mitzunehmen. Deshalb betont Peter Peters in seinem Vorwort zu diesem Buch: „Es ist unerlässlich, sich stark zu machen gegen Menschenfeinde und ihre abstrusen Gedanken. Teamgeist und Fairplay enden nicht am Spielfeldrand“.


„Spurensuche – Jüdische Schicksale auf Schalke“ ist kostenfrei erhältlich – Bestellungen werden per E-Mail unter schalkehilft@schalke04.de entgegengenommen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt