Schalke zwischen Appellen und Protesten

Schalke 04

Schalke ist erfolgreich in die neue Saison gestartet. Die Pokalhürde in Drochtersen wird souverän gemeistert. Aber die Causa Tönnies vedrängt den Fußball in den Hintergrund.

Gelsenkirchen

, 11.08.2019 / Lesedauer: 3 min
Schalke zwischen Appellen und Protesten

ClemensTönnies steht bei den eigenen Fans weiterhin stark in der Kritik. © dpa

Seine Pokalpflicht erfüllte der FC Schalke 04 beim 5:0 (1:0)-Erfolg in Drochtersen/Assel recht souverän. Doch auch in der niedersächsischen Provinz wurde der erste Pflichtspielsieg durch Tore von Steven Skrzybski (44.), Guido Burgstaller (61., 83.), Daniel Caligiuri (65.) und Jung-Profi Münir Levent Mercan (73.) von der Diskussion um die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies überlagert.



Vor dem Anpfiff des schwachen Schiedsrichters Michael Bacher hatte es noch so ausgesehen, als würde das sportliche Geschehen auf dem Platz im Vordergrund stehen. Doch unmittelbar vor dem Anpfiff machten die rund 1.500 mitgereisten Schalker Anhänger im Kehdinger Stadion unübersehbar deutlich, wie sehr Tönnies weiterhin in der Kritik steht.

„Wir zeigen Tönnies die Rote Karte“

Der komplette Block hielt Transparente mit Aufschriften wie „Wir zeigen Rassismus die Rote Karte“, „Wir zeigen Tönnies die Rote Karte“, „Tönnies raus“ und „Rassisten sind keine Schalker, Peters wir nehmen dich beim Wort“, was auf die Rede des Finanzvorstands bei der Schalker Jahreshauptversammlung anspielte.

Wie von Trainer David Wagner eingefordert, konzentrieren sich die Schalker Anhänger dann während des Spiels auf die Unterstützung ihrer Mannschaft, die die inhaltliche Stoßrichtung gegen jede Form von Rassismus voll unterstützte. „Eine tolle Aktion von den Fans“, lobte Guido Burgstaller. Auch Sportvorstand Jochen Schneider beeindruckte die eigenen Anhänger: „Sie haben ein starkes Statement gegen Rassismus abgegeben.“

Schneider warnt vor einer „Hetzjagd“

Gleichzeitig warnte der 48-Jährige jedoch davor, in dieser emotionalen Debatte weiteres Öl ins Feuer zu gießen: „Zu diesem Thema ist in dieser Woche so viel gesagt worden. Wir müssen aufpassen, dass wir keine Hetzjagden veranstalten“.

Auch der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau argumentierte auf einer ähnlichen Linie wie Jochen Schneider. Einerseits kritisierte der frühere Bundesligaprofi den Schalke-Boss noch einmal scharf: „So etwas sagt man nicht, wenn man eine Vorbildfunktion hat. Das war eine rassistische Äußerung.“ Andererseits plädierte Cacau davor, Tönnies eine zweite Chance zu geben, wenn dieser einer glaubwürdigen Entschuldigung auch Taten folgen lasse.

Doch wie könnte diese aussehen? Während beim Pokalspiel das Meinungsbild im Gästeblock eindeutig war, gab es am Sonntag beim Schalke-Tag, der traditionellen Saisoneröffnung, keinen Protest gegen den Fleisch-Fabrikanten. Auch das Gerücht, eine Unterschriftenaktion würde initiiert werden, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu erzwingen, bestätigte sich nicht. Doch die Sorge, dass der Zusammenhalt der eigenen Anhängerschaft gefährdet ist, war bei Sascha Riether unschwer herauszuhören: „Wir dürfen uns nicht spalten lassen. Ihr seid unser Joker“, appellierte der Teammanager an die eigenen Anhänger.



„Unsere Fans sind nicht doof“

Auch Trainer David Wagner wäre es sicherlich lieber, wenn der Fußball wieder in den Mittelpunkt rückt. Die ständigen Fragen zur Causa Tönnies reißen jedoch nicht ab. „Ich respektiere, wenn weiter darüber gesprochen wird. Unsere Fans sind nicht doof. Wenn sich einer hingestellt und gesagt hätte: ‚Ich find das cool, was da vorgefallen ist‘, dann wäre ich zum Zaun gelaufen“, sagte der Schalker Trainer nach dem Schlusspfiff in Drochtersen.

Mit dem Auftritt seiner Mannschaft beim Nord-Regionalligisten konnte der 47-Jährige gut leben, aber er stellte auch fest: „Dass wir nach sechs Wochen Vorbereitung alles andere als herausragend sind, das wissen wir. Aber wir machen Schritte, und diejenigen, die wir gemacht haben, waren in Ordnung.“

Als Eindruck bleibt eine schwierige Gemengelage. Von Euphorie auf eine gute Spielzeit war bei der Saisoneröffnung jedenfalls nichts zu spüren. Während vor einem Jahr die Vertragsverlängerung mit dem damaligen Trainer Domenico Tedesco euphorisch gefeiert wurde, war es diesmal ein Schalke-Tag der ruhigen und abwartenden Töne. So schnell ändern sich im Fußball die Zeiten.

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