Schalker Fortschritte sind noch nicht zu sehen

Schalke 04

Mit dem Unentschieden in Enschede hat Schalke 04 den ersten Teil seiner Saisonvorbereitung abgeschlossen. Große Fortschritte hat die Mannschaft von Trainer David Wagner noch nicht gemacht.

Gelsenkirchen

, 24.07.2019, 18:17 Uhr / Lesedauer: 3 min
Schalker Fortschritte sind noch nicht zu sehen

Einige Trinkpausen legten die Schalker Spieler am Mittwoch beim Training ein. © Imago

Der Schalker Coach analysierte die 90-minütige Hitzeschlacht gewohnt unaufgeregt und verteilte Lob und Kritik gleichermaßen. Gefallen hatte dem 47-Jährigen die Einstellung seiner Mannschaft bei den ungewohnten Rahmenbedingungen. „Die Jungs wehren sich. Das ist super anzusehen. Sie sind bei den heißen Temperaturen über ihre Grenzen gegangen“, so Wagner. Matija Nastasic hatte in der Schlussphase sogar mit Krämpfen zu tun. Wegen Rückenproblemen wird der Abwehrspieler in den nächsten Tragen trainingsmäßig wohl etwas kürzer treten müssen.



Aber was die spielerische Qualität betraf, sprach der Schalker Trainer lediglich wieder nur von „guten Ansätzen“, die seine Kicker gezeigt hätten. Dies führte Wagner vornehmlich auf die großen Trainingsbelastungen der vergangenen Wochen zurück. „Ich weiß, was die Jungs in den Beinen haben“, so der frühere Schalker Eurofighter, der den Ergebnissen in der Saisonvorbereitung ohnehin keinen großen Stellenwert einräumt.


Torwart Nübel schweigt



Etwas nachdenklich dürfte Wagner jedoch die Tatsache stimmen, dass seine Mannschaft auch im fünften Testspiel in Folge es nicht schaffte, ohne Gegentor zu bleiben. Bei der Enscheder Führung unterlief Torhüter Markus Schubert ein Stellungsfehler, nachdem er zuvor zwei glänzende Paraden gezeigt hatte.

In Halbzeit eins stand erstmals im Rahmen der Saisonvorbereitung Alexander Nübel zwischen den Schalker Pfosten, der nach Spielschluss einmal mehr den verbalen Kontakt zu den Journalisten vermied. Sportvorstand Jochen Schneider hatte zwar kürzlich deutlich gemacht, dass Schalke Nübel in dieser Saison nicht ziehen lassen wird, aber den Schlussmann selbst hätte man gern auch mal zu seiner beruflichen Zukunft befragt. Doch der U21-Nationaltorhüter zieht es momentan vor, lieber zu schweigen.



Den zahlreichen Schalker Fans unter den 19.000 Zuschauern trieb neben der Hitze auch das Abwehrverhalten ihrer Mannschaft die Schweißperlen auf die Stirn. Wenn Schalke hoch und mutig nach vorn verteidigte, wie es die Spielphilosophie von Wagner vorsieht, boten sich dem Gegner bei Ballverlust zu viele Räume.

„Da dürfen sich die Jungs auch mal drei oder vier Minuten Pause gönnen. Die Konterabsicherung war nicht so, wie wir uns das wünschen“, kritisierte Wagner. Bei einem Gegner mit mehr Qualität, als sie Twente Enschede besaß, hätte dies böse für Schalke ins Auge gehen können. Nach vorn erspielten sich die Königsblauen zwar einige Chancen, „aber es ist alles noch ein bisschen auf Zufall aufgebaut,“ merkte Stürmer Guido Burgstaller selbstkritisch an.


Donnerstag ist trainingsfrei


Nach dem trainingsfreien Donnerstag beginnt für die Königsblauen im Trainingslager in Mittersill sozusagen der zweite Teil der Saisonvorbereitung. Hierauf stützt Wagner auch einen großen Teil seines Optimismus, denn er geht davon aus, dass sich die Kaderstruktur positiv verändert. Was mit der Rückkehr von einigen lange verletzten Leistungsträgern wie Daniel Caligiuri, Mark Uth oder Alessandro Schöpf zusammenhängt, die in Mittersill wieder ins Mannschaftstraining integriert werden sollen.



Allerdings muss der Trainer- und Betreuerstab bei der Belastungssteuerung dieses Trios Vorsicht walten lassen. Die Verletzungen stammen noch aus der vergangenen Saison und haben dazu geführt, dass Uth und Co. nun schon viele Monate ohne Wettkampfpraxis sind. „Mein Fitnesszustand ist ganz okay, aber da geht natürlich noch mehr. Mein Ziel ist es, das erste Pokalspiel zu bestreiten, aber wir müssen abwarten“, sagte Uth auf der Schalker Homepage.



Kabak fährt mit nach Mittersill


Auch Ozan Kabak wird in Österreich schon allein wegen der vorgesehenen Teambuilding-Maßnahmen dabei sein. Inwieweit der Abwehrspieler nach seiner Fußverletzung wieder belastbar ist, soll eine medizinische Untersuchung vor der Abfahrt nach Mittersill am Freitag klären.



Und auch Weston McKennie wird beim Trainingslager in Österreich dabei sein. Zuvor wird der US-Boy den obligatorischen Leistungstest absolvieren. Mit Mc Kennie erhofft sich Wagner noch mehr Dynamik im Mittelfeld. Denn auch gegen Twente Enschede wurde wieder einmal deutlich, dass zündende Ideen in diesem Mannschaftsteil bei den Königsblauen bisher eher selten sind.



Kampfansage von McKennie


McKennie gibt sich vor der Rückkehr nach Gelsenkirchen selbstbewusst. „Ich denke, dass ich Eigenschaften eines Leaders besitze. Ich dirigiere jetzt schon gerne meine Vorderleute,“ schickte der 20-Jährige schon mal eine Kampfansage aus seinem Urlaub. Unmittelbar nach dem Trainingslager in Mittersill will Trainer Wagner den Kapitän und seinen Stellvertreter bestimmen.



Ob in Mittersill neue Spieler dabei sein werden, bleibt fraglich. Den Kader zu verstärken, erweist sich weiterhin als sehr schwierig, weil Schalke die finanziellen Mittel fehlen. Mehr Spielraum würde es in dieser Hinsicht nur geben, wenn Schalke bald Spiele wie Yevhen Konopylanka, Nabil Bentaleb oder Hamza Mendyl verkaufen könnte. Doch bisher gibt es bei allen drei Personalien keinerlei Bewegung.


Lob für Levent Mercan


Da das Transferfenster erst am 2. September schließt, könnte es noch einige Wochen dauern, bis es den Königsblauen gelingt, diese Spieler von ihrer Gehaltsliste zu bekommen. Das dies jedoch nur mit großen wirtschaftlichen Verlust möglich ist, dürfte kein Geheimnis sein.



Solange keine neuen Spieler verpflichtet werden können, haben einige U23-Spieler die Chance, sich bei den Profis weiter zu empfehlen. Wie zum Beispiel Levent Mercan, der im Test gegen Norwich City als einziger Schalker Kicker 90 Minuten durchspielen durfte und auch in Enschede in der Startformation stand. Wagner sparte nicht mit Lob für den defensiven Mittelfeldspieler: „Es macht Spaß, ihm zuzusehen.“

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