Ozan Kabak könnte in Mainz sein Comeback feiern. Es wäre ein Neustart – Schalkes Verteidiger hat bei den Fans Kredit verspielt. Dabei ist er so etwas wie die finanzielle „Lebensversicherung“.

Gelsenkirchen

, 05.11.2020, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

So sehr sich der Fußball auch als Plattform für hitzige Streitgespräche eignet: Eines ist quer durch alle Vereine, Generationen und Philosophien unverhandelbar und wird prinzipiell geächtet – das Anspucken eines anderen Spielers. Geht gar nicht. Ein No-Go.

Empörung war groß

So sahen es auch viele Schalker Fans, nachdem Ozan Kabak im zweiten Saisonspiel auf den am Boden liegenden Bremer Ludwig Augustinsson gespuckt hatte. In diversen Internet-Foren, die sich mit Schalke beschäftigen, hagelte es Unverständnis und Kritik. Nicht nur für Kabaks fiese Spuck-Attacke, sondern auch für das anschließende Krisen-Management inklusive wachsweicher Entschuldigung. In Windeseile wurde im Prinzip verbreitet, dass die eindeutigen Fernsehbilder einen missverständlichen Eindruck vermittelten. Einen Gegenspieler anzuspucken sei nun wahrlich nicht Kabaks Art – auch Trainer David Wagner nahm den Spieler noch in Schutz, es war seine letzte Verteidigungsrede in Schalker Diensten.

Dass Schalke gegen die nachträgliche Sperre von vier Pflichtspielen (dazu kam ein Spiel für die Gelb-Rote Karte, die Kabak im Laufe der Partie unabhängig von der Spuck-Aktion gesehen hatte) keinen Protest einlegte, war das Beste, was der Verein machen konnte. Die bundesweite Empörung, auch innerhalb der eigenen Klientel, war so groß, dass zum Teil eine noch längere Sperre gefordert wurde.

Verkauf im Winter?

Wie auch immer: Kabak hat bei vielen S04-Fans so einiges an Kredit verspielt. Am Samstag ist seine Sperre pünktlich zum Keller-Duell in Mainz abgelaufen. Kommt der 20-Jährige zum Einsatz, steht er also gleich unter besonderer Beobachtung. Und das nicht nur um zu sehen, ob er seine gegen Bremen blank liegenden Nerven wieder im Griff hat.

Ozan Kabak steht auch unter externer Beobachtung. Es mehren sich die Anzeichen, dass der Verteidiger, zur Saison 2019/20 für die Ablösesumme von 15 Millionen Euro vom VfB Stuttgart nach Schalke gekommen, so etwas wie die finanzielle „Lebensversicherung“ der Königsblauen werden kann. Im sommerlichen Transferfenster, geöffnet bis zum 5. Oktober, schloss Sportvorstand Jochen Schneider einen Verkauf von Kabak aus („Ich kann die Fans beruhigen. Ozan wird nicht abgegeben“) – und hielt Wort, obwohl es offenbar ein ernsthaftes Angebot gab.

Angebot aus Mailand

„Mailand hat ganz zum Schluss der Transferperiode im Sommer angeklopft, was für uns nicht infrage kam“, wurde Schneider in der Sportbild zitiert. 20 Millionen Euro soll der AC Mailand geboten haben – keine horrende Summe, wenn man bedenkt, dass Kabak für einen Wechsel im kommenden Sommer angeblich eine Ausstiegsklausel in Höhe von 45 Millionen Euro in seinem Vertrag hat.

Aber vielleicht kommt auch schon im Winter Bewegung in die Personalie Kabak, schließlich sollen auch andere Promi-Klubs wie der FC Liverpool interessiert sein. Kategorisch ausschließen wollte Schneider einen Verkauf zuletzt jedenfalls nicht mehr – die Rahmenbedingungen haben sich seit dem Sommer ja nicht gebessert, eher im Gegenteil: Ein Ende der „Geisterspiele“, einhergehend mit immensen Einnahme-Verlusten, ist nicht abzusehen, mit Europapokal-Geldern sollte Schalke nicht kalkulieren, außerdem müssen demnächst zwei größere Anleihen zurückgezahlt werden.

„Tafelsilber“ verkaufen?

Kabak kann also das „Tafelsilber“ sein, dessen Verkauf hilfreich sein könnte. Aber erst mal muss die Leistung wieder stimmen, bei Kabaks bisherigen zwei Saisoneinsätzen in München und gegen Bremen stimmte sie nicht. Eine Steigerung ist nötig – um im Blickpunkt großer Klubs zu bleiben und um verloren gegangenen Kredit bei den Fans zurück zu gewinnen.

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