Am 12. November 1950 findet ein besonderes Spiel in der Glückauf-Kampfbahn statt: Rund 30.000 Zuschauer erleben die Schalker Legenden Ernst Kuzorra und Fritz Szepan in ihrem Abschiedsspiel.

Gelsenkirchen

, 12.11.2020, 07:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schalke hat keine Kosten und Mühen gescheut und mit Atletico Mineiro eine damalige brasilianische Spitzenmannschaft verpflichtet, um Kuzorra und Szepan gebührend zu verabschieden. Zwar spielen beide in dieser Partie nur 20 Minuten, doch selbst mit 45 (Kuzorra) und 43 Jahren (Szepan) blitzt das Ausnahmekönnen dieser beiden Kicker noch einmal auf.

Arm in Arm verlassen Kuzorra und Szepan nach ihrem Kurzeinsatz das Spielfeld, wo sie von Schalkes Vorsitzendem Albert Wildfang am Spielfeldrand mit einem Blumenstrauß und folgenden Worten empfangen werden. „Was in dieser Stunde alle Vereinsmitglieder für euch fühlen, was die Zuschauer in dieser Stunde erfüllt, was die gesamte deutsche Sportgemeinde für euch empfindet, will ich zum Schluss mit drei einfachen Worten zum Ausdruck bringen: Wir danken euch!“

Sechs Meistertitel gewonnen

Damit endete auf Schalke eine glanzvolle Ära. Kuzorra und Szepan stehen für die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte. Von 1933 bis 1942 steht Kuzorra neunmal im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, sechsmal bringen die Schalker die Viktoria, die Meister-Trophäe, nach Gelsenkirchen. 1937 wird er Double-Sieger.

Kuzorra ist der erste Schalker Spieler in der Nationalmannschaft. 34 Spieljahre hat er bei seinem Abschiedsspiel auf dem Buckel - nur für Schalke 04. Er bleibt dem Verein auch nach seinem Karriereende treu. 1952 wird er Obmann der Vertragsspieler, hat ein kurzes Gastspiel im Präsidium. 1969/1970 springt er als Strohmann für Slobodan Cendic ein, der noch keine DFB-Lizenz besitzt. An Neujahr 1990 stirbt die Schalker Legende, die den Mythos vom Schalker Markt maßgeblich mitbegründet hat.

Spieler, Trainer, Präsident

Fritz Szepan, geboren am 2. September 1907, ist mehr als 20 Jahre der Stratege im Spiel der Königsblauen. Er hat großen Anteil an sechs Meisterschaften und einem Pokalsieg. Gemeinsam mit seinem Schwager Ernst Kuzorra ist der der entscheidende Protagonist in der goldenen Ära in den 1930er und 1940er Jahren. Darüber hinaus bestreitet er 34 Spiele für die Nationalmannschaft und bringt das einmalige Kunststück fertig, Spieler, Trainer und Präsident des FC Schalke 04 zu sein.

Während es auf dem Platz hervorragend für den blonden Fritz läuft, ist er abseits des Rasens mit weniger Geschick gesegnet. Der ausgebildete Klempner führt ein Tabak-Geschäft, eine Gastwirtschaft und eine Tankstelle: alles mit mäßigem Erfolg. Erst ein Textilwarengeschäft, das den jüdischen Vorbesitzern von den Nationalsozialisten zwangsenteignet wird, mehrt das Einkommen seiner Familie. Er ist somit ein Profiteur der sogenannten „Arisierung“. Szepan verstirbt am 14. Dezember 1974 an den Folgen einer Nieren-Operation.

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