"Ultras" schließen Neuer aus

Starke Nerven erforderlich

Am Donnerstag durften die Schalker Spieler einen trainingsfreien Tag genießen. Ob Torhüter Manuel Neuer so richtig vom hektischen Profigeschäft abschalten konnte, ist allerdings fraglich.

GELSENKIRCHEN

von Von Frank Leszinski

, 28.04.2011, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Manuel Neuer.

Manuel Neuer.

Seit er tränenreich bekannt gegeben hat, seinen bis 2012 laufenden Vertrag nicht zu verlängern, geht ein tiefer Riss durch Schalkes Fangemeinde. Die eine Seite zeigt Verständnis, dass er wechseln will, die andere beschimpft und kritisiert ihn massiv, dass er ausgerechnet zum Erzrivalen FC Bayern München gehen will. Das hat nun dazu geführt, dass die Gelsenkirchener „Ultras“ Neuer aus ihren Kreisen ausgeschlossen haben. Dem Schalke-Keeper, der seit 2003 Mitglied bei dieser Fan-Gruppierung war, wurde wegen seines bevorstehenden Wechsels zu den Bayern die Mitgliedschaft entzogen. „Einen Wechsel ins Ausland wäre von den meisten anders bewertet worden, aber nicht ein Wechsel zum FC Bayern, zum sportlichen Konkurrenten des S04. Er wird uns Punkte klauen, er wird gegen uns um Titel und Erfolge spielen. Nur er allein ist dafür verantwortlich, was aus Richtung München nun wieder über Schalke abgelassen wird. Nein, Manuel, sowas macht man nicht, wenn man S04 im Herzen trägt und die Wahl hat! Es steht vollkommen außer Frage, dass die Mitgliedschaft bei Ultras GE mit dieser Aktion erlischt, worüber wir ihn selbstverständlich informiert haben“, heißt es in einem von der Gruppierung veröffentlichten „Blauen Brief“.

Diese Entscheidung wird Neuer, der tief in der Schalker Fanszene verwurzelt ist, sicherlich bitter enttäuschen. An seiner Entscheidung, zum FC Bayern wechseln zu wollen, aber auch nichts mehr ändern. Dass am Samstagabend jetzt auch noch die Bundesligapartie beim deutschen Rekordmeister auf dem Programm steht, birgt für Neuer noch zusätzliche Brisanz. Während für die Königsblauen die Bundesligaspielzeit sportlich gelaufen ist, kämpfen die Bayern um die Champions-League-Qualifikation. Neuer könnte die Bayern mit ähnlich starken Leistungen wie zuletzt um die Teilnahme an der Königsklasse bringen und damit auch sich selbst.

Dass die Fangruppierung „Schickeria“, die bereits im Pokal-Spiel gegen eine Neuer-Verpflichtung protestiert hatte („Koan Neuer“), auch für diese Partie Aktionen gegen den Schalker Schlussmann angekündigt hat, macht für den Nationaltorhüter die Situation nicht leichter. Dennoch verschwendet Trainer Ralf Rangnick keinen Gedanken daran, seiner Nummer eins dieses Spiel zu ersparen. Denn Neuer hat gerade in Extremsituation unglaubliche Nervenstärke bewiesen. Schon im Pokalspiel bei den Bayern ließ er sich von den Anfeindungen der Bayern-Fans nicht irritieren. Bisher hat es Neuer meisterhaft verstanden, alle Nebengeräusche auszublenden. Er scheint gewillt, bis zum Saisonende für Schalke alles zu geben. „Nun müssen wir uns bei den Bayern das Selbstvertrauen für Old Trafford holen, um dort ein Wunder zu schaffen“, schreibt er auf seiner Facebook-Seite.

  • In der Bundesliga standen sich beide Teams bislang 81 Mal gegenüber. Bayern gewann 38 Partien, Schalke siegte 18 Mal. Schiedsrichter in der Allianz-Arena ist Peter Gagelmann (Bremen).
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