Chancenlos, ein Slapstick-Tor und ein krummer Vergleich: Nach dem 0:3 in Köln und nun sechs sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge ist der Ernst der Lage auf Schalke nicht zu unterschätzen.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 02.03.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Natürlich stand Alexander Nübel nach der S04-Pleite in Köln im Mittelpunkt – schließlich hatte das als Eigentor des Torhüters gewertete 0:3 Slapstick-Charakter. Lachen konnte darüber allerdings niemand, die Lage ist ernst. Die Diskussion um Nübel lenkt aber vom Wesentlichen ab:

Nicht bei der Sache

1. Nübel patzte, als Schalke schon mit 0:2 hinten lag und nicht ansatzweise den Glauben an eine Wende vermittelte. Spätestens nach dem Grusel-Kick in Köln darf Schalke die sportliche Krise nicht mehr leugnen – natürlich ist es ein Brett, wenn kurz vor dem Spiel in ohnehin angespannter Lage Leistungsträger wie Omar Mascarell und Suat Serdar ausfallen. Aber das richtungsweisende erste Tor hatte damit zum Beispiel nichts zu tun. Gerade in personeller Not ist es oberstes Gebot, bei Standards hellwach zu sein. Ein so „billiges“ Gegentor belegt, dass die Mannschaft nicht bei der Sache war.

2. Auch ersatzgeschwächt muss Schalke einem Gegner wie Köln Paroli bieten können, war aber chancenlos.

3. Bei allem Ärger der S04-Fans über den Wechsel von Nübel sollten sie ein Gespür dafür haben, dass ihr Team gerade jetzt Unterstützung braucht. Der kühle Karriere-Kalkulierer Nübel sollte sich über die Pfiffe nicht wundern – aber der Mannschaft insgesamt schaden sie wohl eher.

Den Ball flach halten

4. Wenn zurecht erwartet wird, dass die Fans den Ball flacher halten, sollte das für die daran Appellierenden selbst gelten. Dass S04-Sportvorstand Jochen Schneider die „Nübel-raus“-Rufe in Verbindung mit Robert Enke brachte, war – wie auch immer es gemeint war – unpassend und wird der sehr schweren Krankheit, die Enke hatte, nicht gerecht.

Die Liga wimmelt derzeit von schlimmen Absurditäten – da braucht es nicht auch noch solche krummen Quer-Vergleiche.

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