Warum es auf Schalke kriselt

Schalke 04

Nach dem 0:5-Debakel gegen RB Leipzig bemühte sich Schalkes Führungsebene um Schadensbegrenzung. Doch der Trend ist alarmierend.

Gelsenkirchen

, 23.02.2020, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fassungslos: Benito Raman nach dem Schlusspfiff.

Fassungslos: Benito Raman nach dem Schlusspfiff. © dpa

So sehr, dass Clemens Tönnies kurz nach dem Schlusspfiff kreidebleich die Schalker Mannschaftskabine verließ und – den Blick starr nach vorn gerichtet – im Eiltempo das Weite suchte.


Die Laune des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden hätte sich gewiss nicht gebessert, wenn er wenig später den aus königsblauer Sicht ernüchternden Auftritt von Axel Schulz miterlebt hätte. Der ehemalige Top-Boxer aus Brandenburg machte an der Seite von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein mit einem ungelenken Tänzchen keinen Hehl daraus, wie sehr ihn der Leipziger 5:0 (1:0)-Erfolg erfreute.

Schneider sieht „Delle“



Schulz konnte sich mit Hilfe von Pechstein auf den Beinen halten, was den Schalker Kickern gegen Leipzig nicht einmal eine Minute gelang. Diese 90 Minuten bedeuteten für die Königsblauen eine sportliche Bruchlandung, die mit dem Führungstor von RB durch Marcel Sabitzer bereits nach 55 Sekunden begann. Dass Torhüter Alexander Nübel nicht zum ersten Mal in dieser Saison patzte und damit den Spielverlauf wesentlich beeinflusste, konnte dafür nicht als Entschuldigung gelten.



Schalke hatte noch genügend Zeit, dem Spiel eine andere Wendung zu geben, aber dazu war die Mannschaft nicht ansatzweise in der Lage. „Wir hatten zu viele Spieler, die nicht ihre Form hatten“, musste Trainer David Wagner eingestehen, der nun schon seit fünf Bundesligapartien auf einen Sieg wartet.


„Massenflucht“ auf der Gegengeraden



Fast hätte seine Elf noch einen historischen Rekord eingestellt. Am 9. Mai 1981 hatte Schalke – damals noch im Parkstadion – mit 0:6 die höchste Bundesliga-Heimniederlage seiner Historie einstecken müssen. Am Ende der Saison stand der Abstieg.


So weit wird es 2020 nicht kommen, aber die Euphorie nach der hervorragenden Hinrunde ist erst einmal gründlich verflogen. Darüber konnte auch nicht die Unterstützung für Omar Mascarell und Co. aus der Nordkurve hinwegtäuschen, denn auf der Gegengerade hatte schon zehn Minuten vor dem Abpfiff eine „Massenflucht“ der Schalker Anhänger eingesetzt.



Nur 107 Kilometer gelaufen



Zu diesem Zeitpunkt hatte ihre Mannschaft längst die Gegenwehr eingestellt. Timo Werner (61.), Marcel Halstenberg (68.), Angelino (80.) und Emil Forsberg (89.) dokumentierten mit ihren Toren, dass Leipzig in dieser Saison Meister werden kann. Schalke machte dagegen den Eindruck, als hätten die Spieler am vergangenen Mittwoch ein kräftezehrendes Champions-League-Spiel hinter sich gebracht und nicht RB Leipzig. Nur 107 Kilometer legen die Schalker Profis zurück – absoluter Negativwert in dieser Saison und sechs Kilometer weniger an Laufleistung als die Leipziger. Und auch die Torschussquote von 24:3 für die Gäste offenbarte den Klassenunterschied.


Jochen Schneider wurmte vor allem die Höhe des Ergebnisses. „Ein 4:0 und 5:0 braucht es nicht mehr“, sagte der Schalker Sportvorstand, der ansonsten bemüht war, den dramatischen Abwärtstrend zu relativieren. „Wir müssen unseren Kopf hoch halten. Das passiert im Fußball“, so der 49-Jährige, der nicht von einer Krise, sondern eine „Ergebnisdelle“ sprach. Doch der desolate Auftritt der Blau-Weißen erinnerte fatal an manches Spiel aus der Vorsaison.



Torwartfrage wird heiß diskutiert


Zwar lassen sich einige Gründe für die aktuellen Schalker Probleme anführen, wie die Verletztenliste und die fehlende Breite im Kader, aber mit solch einem Auftritt wie gegen Leipzig wird Schalke in dieser Saison nicht mehr viele Punkte holen.

Dass durch die schwache Leistung von Nübel nun auch noch eine Torhüterdiskussion droht, kann Schalke überhaupt nicht gebrauchen. Für den 23-Jährigen gab es zwar verbale Rückendeckung von Schneider und Wagner, aber die Pfiffe von Teilen der eigenen Fans in Richtung Nübel sind ein Alarmsignal. Ob sich Wagner zum Wechsel entscheidet, sollte Markus Schubert wie geplant in dieser Woche ins Mannschaftstraining zurückkehren?


Wagner hat viel Arbeit vor der Brust. Seine Spieler zunächst nicht: Rosenmontag ist trainingsfrei. Da ändert auch ein 0:5 nichts dran.

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