Damit hatte niemand gerechnet: Finanzvorstand Peter Peters wird den FC Schalke 04 am 30. Juni verlassen. In der Chef-Etage hat es gewaltig gekracht. Schalke kommt nicht zur Ruhe.

Gelsenkirchen

, 05.06.2020, 20:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es brodelt beim FC Schalke 04 an allen Ecken und Enden. Sportlich will und muss die Mannschaft von Trainer David Wagner nach elf sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge am Sonntag (15.30 Uhr/live bei Sky) bei Union Berlin die Kurve kriegen – sonst droht sogar noch der Sturz in den Tabellenkeller und der Negativ-Vereinsrekord aus der Saison 1993/94 wäre eingestellt.

Auf dem Rasen-Rechteck kriselt es, in der Chef-Etage kracht es offenbar ganz gewaltig: Denn den „Hammer“ des Spieltags gab es bereits zwei Tage vor dem Anpfiff. Am frühen Freitagabend erklärte der FC Schalke 04 in einer Pressemitteilung, dass Finanzvorstand Peter Peters den Verein zum 30. Juni 2020 verlässt. Wörtlich: „Nach 27 Jahren in verantwortlicher Position hat Peter Peters um Auflösung seines Vertrags mit dem FC Schalke 04 gebeten. Der Aufsichtsrat hat dieser Bitte am Freitag (5. Juni) entsprochen.“

„Mutige und weitsichtige Entscheidungen“

Es folgen die in solchen Pressemitteilungen üblichen Dankesworte, überbracht von Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies: „Peter Peters hat in den vergangenen fast drei Jahrzehnten unseren Verein entscheidend mitgeprägt. Dabei hat er mutige und weitsichtige Entscheidungen zum Wohle des Klubs mitgetragen. Ohne ihn wäre der FC Schalke 04 nicht der Verein, der er heute ist!“

Was natürlich positiv gemeint ist – wer aber nun schelmisch zwischen den Zeilen liest, könnte diese Danksagung auch in eine ganz andere Richtung interpretieren. Denn Schalke steht aktuell auch im Verantwortungsbereich von Peters Peters – den Finanzen – nicht gut da. Die Corona-Krise offenbarte enorme wirtschaftliche Probleme, Schalke musste trotz immenser Umsatzsteigerungen in den Vorjahren anerkennen, dass der Verein sich in einer Schieflage befindet.

Außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats

Auf einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates wurde nun über den angeblichen Wunsch von Peters abgestimmt – das in der Pressemitteilung zitierte Ansinnen des Schalker Finanzchefs überrascht insofern, als dass Peters in den vergangenen Wochen auch in persönlichen Gesprächen keinerlei Anzeichen einer Amtsmüdigkeit hatte erkennen lassen. Im Gegenteil: Das Motto „Blau und Weiß ein Leben lang“ hatte er sich, obwohl in Dortmund wohnend, auf seine beruflichen Fahnen geschrieben.

Peter Peters, den Manager-Legende Rudi Assauer 1993 vom 1. FC Kaiserslautern als Geschäftsführer nach Schalke geholt hatte, hat bei den Königsblauen – wer hat das schon nach 27 Jahren auf der höheren Dienst-Ebene – nicht nur Freunde. Intern gilt er auch als jemand, der Politik macht, als „Strippenzieher“.


„Schöne und herausfordernde Zeit“

Auch so blieb Peters, während andere kamen und gingen, auf Schalke vielleicht noch ein wenig häufiger als woanders. Gemeinsam mit Clemens Tönnies ist Peter Peters die konstante Größe in der Schalker Machtzentrale. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Fußball-Liga (DFL) steht Peters auch noch auf einer anderen großen und mächtigen Plattform. „Der Spiegel“ hat den Schalker Finanzchef neulich zwar als „Leichtgewicht“ bezeichnet, auf Schalke ist der gelernte Journalist und studierte Betriebswirtschaftler allerdings durchaus in einer deutlich höheren Gewichtsklasse aktiv.

So jemand tritt hin und wieder natürlich auch anderen Leuten auf die Füße – das Desaster in Durchführung und Kommunikation um die Rückerstattung für die Dauerkarten-Inhaber in der Corona-Krise (wir berichteten) soll vom Aufsichtsrat nun eindeutig Peter Peters angekreidet worden und ein Grund für das völlig überraschende „Aus“ des Finanzchefs sein, der (selten in der Branche) einen unbefristeten Vertrag hat.

Was bleibt, sind 27 Jahre Schalke: Die Lizenz-Rettung 1993, der UEFA-Cup-Sieg 1997, der Arena-Bau, zahlreiche Champions-League-Teilnahmen, aktuell aber auch die große Finanzkrise – wenn Peter Peters am 30. Juni offiziell seinen letzten Arbeitstag hat, blickt er auf erfolgreiche und vor allem bewegte Schalke-Jahre zurück. „Ich danke dem FC Schalke 04 für eine immer schöne und manchmal herausfordernde Zeit“, so Peters in der S04-Mitteilung. Weder Clemens Tönnies noch Peter Peters wollten sich so kurz danach gegenüber unserer Zeitung äußern. Dabei geschah doch alles auf „eigenen Wunsch“.

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