Warum Schalke-Trainer Baum vor dem Stuttgart-Spiel über Ketchup redet

Schalke 04

Wenn Schalke am Freitag (20.30 Uhr, DAZN) zuhause gegen Stuttgart antritt, geht es um mehr als um den ersten letzten Strohhalm. Es geht auch um die Frage: Flasche voll oder Flasche leer?

Gelsenkirchen

, 29.10.2020, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalkes Trainer Manuel Baum: „Das ist wie mit einer Flasche Ketchup.“

Schalkes Trainer Manuel Baum: „Das ist wie mit einer Flasche Ketchup.“ © dpa

Für Manuel Baum stellt sich diese Frage nicht. Angesprochen auf die mentale Verfassung seiner Mannschaft nach saisonübergreifend 21 sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge wählte Schalkes Trainer einen humorigen Vergleich: „Es ist wie mit einer Ketchupflasche. Wenn sie neu ist und es kommt nichts raus, muss man klopfen. Und wir sind noch dabei, zu klopfen. Und wenn das klappt, dann bin ich mir sicher, haben wir alle wieder viel Spaß miteinander.“

Vernichtende Experten-Urteile

Flasche voll also für Baum – einem großen Rest der Fußball-Republik kommt allerdings eher Giovanni Trapattonis „Flasche leer“ in den Sinn, wenn es um Schalke geht. Rein sportlich gesehen gab es in dieser Woche die volle Breitseite öffentlicher Ohrfeigen: Von Lothar Matthäus über Kevin Kuranyi und Klaus Fischer bis hin zu Peter Neururer ist sich die versammelte Fußball-Prominenz einig: In der Verfassung der letzten Wochen und Monate steigt Schalke ab! Kaum noch jemand, der ein gutes Haar an den Königsblauen lässt.

Denen es darüber hinaus auch verlässlich gelingt, Baustellen aufzumachen, die man sich vorher gar nicht ausdenken kann. Jüngster Beleg dieses vielleicht einmaligen Gespürs für Ärger, den niemand braucht, war in den vergangenen Tagen ein bizarrer Streit um ein von der Schalker Socia-Media-Abteilung auf einer Internet-Plattform hochgeladenes Video nach dem Revier-Derby. Offensichtlich wollten die Kreativen sich und Schalke dabei selbst etwas auf die Schippe nehmen, aber das Derby ist gerade in der aktuellen Situation halt eine ernste Sache. Viele Schalke-Fans liefen Sturm, an der Arena wurde sogar ein Protest-Plakat angebracht.

Offensivspiel geübt

Während es abseits des Rasen-Rechtecks also hoch herging, stand Manuel Baum mit seiner Mannschaft auf dem Trainingsplatz und ließ elementare Dinge des Fußballs üben. Beispielsweise, dass man sich nach einem gespielten Pass sofort wieder freilaufen und anbieten muss – was also jeder Jugendkicker schon beim „Fünf gegen Zwei“ lernt.

Aber genau diese Basis-Tugenden des Offensivspiels fehlen Schalke, warum auch immer. Baum arbeitet dran: „Unser Fokus in der Trainingswoche lag ganz klar auf dem Offensivspiel. Das war in Dortmund nicht nur schwach, das war im Prinzip gar nichts. Ziel gegen Stuttgart ist auf jeden Fall, nicht nur mehr Bälle, sondern auch mehr Spieler in den Stuttgarter Strafraum zu bekommen.“

Spiel „herausragend wichtig“

Ob der zuletzt wegen muskulärer Probleme fehlende Mark Uth einer dieser Spieler sein wird, ließ Baum noch offen. Uth habe „80 bis 90 Prozent der Trainingseinheiten“ mit der Mannschaft absolvieren können, aber ob das für die Startelf gegen Stuttgart reicht, „entscheide ich erst am Freitag“, so Baum.

Uth ist derzeit die große Schalker Offensiv-Hoffnung. Seine Kreativität und Torgefahr sollen die „Abteilung Attacke“ wieder flottmachen. Schalke hat sich in den bisherigen fünf Saisonspielen insgesamt nur neun Torchancen erarbeitet, damit ist der Tabellenvorletzte Liga-Schlusslicht. Drei der Gegner hießen allerdings Bayern München, RB Leipzig und Borussia Dortmund – auswärts.

Stuttgart gut gestartet

Das Spiel gegen Aufsteiger Stuttgart ist für Schalke schon so etwas wie der erste letzte Strohhalm. Als „herausragend wichtig“ bezeichnet Baum die Bedeutung der Partie, schließlich rechne man sich gegen den VfB „eine größere Chance“ aus als gegen das nationale Top-Trio.

Die Schwaben sind allerdings sehr ordentlich in die Saison gestartet. Das Ketchup fließt dort sozusagen schon. Aber vielleicht ist die Stuttgarter Flasche bis zum Spiel auf Schalke dann ja auch schon etwas leerer.

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