Die ganze Familie ist dem FC Schalke 04 seit Jahrzehnten verbunden. Kein Wunder, dass die Freude groß war, als Timo Becker seinen ersten Profi-Vertrag bei den Königsblauen unterschrieb.

Gelsenkirchen

, 16.09.2020, 16:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der gebürtige Hertener, der seit vielen Jahren im Stadtteil Gelsenkirchen-Buer lebt, hat es bisher auf zehn Bundesliga-Einsätze gebracht. Im Interview spricht der 23-Jährige über erste Erfahrungen im Profibereich, Fitnesstrainer Werner Leuthard und persönliche Ziele vor dem Bundesliga-Auftakt. Schalke gastiert am Freitag (20.30 Uhr, live im ZDF) beim FC Bayern München.

Wie haben Sie die Vorbereitung überstanden?

Bis auf eine kleine Fußverletzung, die ich mir im Testspiel gegen den SC Verl zugezogen habe, bin ich gesund geblieben. Das ist sehr wichtig für mich. Es war für mich das erste Mal, dass ich eine komplette Vorbereitung bei den Profis absolviert habe. Ich habe schnell gemerkt, dass es doch einige gewaltige Unterschiede gibt.

Zum Beispiel?

Zunächst einmal in Sachen Intensität. Vor allem die Trainingslager in Herzlake und Längenfeld waren sehr intensiv und fordernd. Aber noch mehr ist mir aufgefallen, wie professionell jede Trainingseinheit vor- und nachbereitet wird. Es wird nichts dem Zufall überlassen.

Da macht der neue Fitnesstrainer Werner Leuthard auch keine Kompromisse, oder?

Werner Leuthard und sein Team haben uns mit ihrer Arbeit bereits jetzt einen großen Schritt nach vorne gebracht. Die gemeinsame Arbeit macht mir großen Spaß, auch wenn schwere Beine nach den Einheiten keine Seltenheit sind. (lacht)

Das Trainingslager in Längenfeld war überschattet von einem Corona-Fall. Was hat das mit der Mannschaft gemacht?

Natürlich ist man im ersten Moment ein wenig verunsichert, aber ernsthafte Sorgen habe ich mir nie gemacht. Der Verein hat sofort reagiert. Jeder wusste, was zu tun ist. Die Verantwortlichen standen im engen Austausch mit den Behörden und wir konnten den Trainingsbetrieb bereits nach einer kurzen Pause unter Einhaltung der Hygieneregeln fortsetzen. Ein Abbruch des Trainingslagers war bei uns in der Mannschaft nie ein Thema.

Haben Sie sich mittlerweile an die neue Realität, sprich Maskentragen, Spiele ohne Zuschauer, etc. gewöhnt?

An das Tragen der Maske habe ich mich inzwischen gewöhnt, auch wenn ich sie im privaten Bereich gelegentlich noch zuhause vergesse. Dann muss ich umkehren, um die Maske zu holen. An Spiele ohne Zuschauer möchte ich mich gar nicht gewöhnen. Wir alle wünschen uns, dass diese Pandemie bald ein Ende hat. Mit unseren Fans im Stadion, herrscht eine ganz andere Atmosphäre.

Schalke steckt im Umbruch. Ist es für Sie als junger Spieler da leichter, auf Einsätze zu kommen?

Das würde ich so nicht sagen. Jeder muss im Training seine Leistung bringen, sonst wird er nicht für den Kader berücksichtigt. Sicherlich haben wir auf der rechten Abwehrseite nicht so viele Alternativen wie auf anderen Positionen. Trotzdem muss man immer Gas geben, um den Trainer von sich zu überzeugen.

Hat sich David Wagner seit dem Trainingsstart verändert, weil die Rückrunde so enttäuschend verlief?

Ich konnte bislang keine Veränderung feststellen. Unser Trainer arbeitet weiter hart und spricht noch immer viel mit uns. Ich denke auch, dass es falsch wäre, die Schuld allein beim Trainer zu suchen, wir Spieler stehen mindestens genauso in der Verantwortung. Gemeinsam werden wir alles dafür geben, dass die neue Saison besser verläuft.

Haben Sie eigentlich schon immer Verteidiger gespielt?

Ja, in meiner Jugendzeit allerdings in einer etwas offensiveren Interpretation.

Ihre Karriere verlief nicht geradlinig. Sie haben nun über den Umweg Regionalliga den Sprung in die Bundesliga geschafft.

Ein bisschen hat auch der Zufall mitgespielt. Erst Schalke, dann RW Essen, dann wieder Schalke. Mein Weg zeigt, dass man sich nicht entmutigen lassen darf, wenn es nicht auf Anhieb mit einem Profivertrag klappt. Ich kann jedem jungen Spieler nur raten, Tag für Tag hart an sich zu arbeiten. Manchmal öffnen sich Türen, mit denen man nicht gerechnet hat.

Was war die bisher wertvollste Erfahrung, die Sie bisher als Profi gemacht haben?

Ich habe festgestellt, dass ich noch sehr viel lernen muss. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits des Platzes. Um Woche für Woche Top-Leistungen bringen zu können, muss man sich neben dem Training auch in anderen Bereichen, zum Beispiel Ernährung, Schlaf und Regeneration sehr professionell verhalten.

Die Unterstützung durch ihre Familie, die alle Schalke-Fans sind, ist sehr groß. Auch manchmal belastend?

Auf keinen Fall. Meine Eltern haben mich nie zu etwas gezwungen, sondern seit frühester Kindheit zu jedem Training gefahren und unterstützt. Mein Vater ist nicht der Typ, der nach Niederlagen alles besser weiß. Im Gegenteil: Wir diskutieren hinterher immer sehr konstruktiv.

Der Bundesliga-Auftakt hätte für Schalke sicherlich wesentlich einfacher sein können. Was haben Sie gedacht, als bekannt wurde, dass der erste Gegner FC Bayern München heißt?

Natürlich ist das eine ganz, ganz schwere Aufgabe. Aber ich kann ja nur für mich sprechen und sage: Ich habe richtig Bock auf die neue Saison.

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