Wie 100 Tage Magath Schalke verändert haben

Der Unberechenbare

GELSENKIRCHEN Da staunte der Basketball-Vorstand des FC Schalke 04 nicht schlecht. Der vom Hauptverein genehmigte Etatentwurf für die neue Saison war unterzeichnet von Felix Magath. Ein Vorgang, der zeigt, welche Machtfülle der 56-Jährige seit seinem Amtsantritt auf Schalke genießt. Heute ist Magath 100 Tage im Amt – eine Zwischenbilanz.

von Von Frank Leszinski

, 01.10.2009, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Grund genug zum Jubeln: Felix Magath.

Grund genug zum Jubeln: Felix Magath.

Selbst langjährige Schalke-Beobachter können sich nicht daran erinnern, wann sie zuletzt solche Trainingsintensität erlebt haben. Magath-Mannschaften sind körperlich immer topfit, diesen Anspruch setzt der 56-Jährige auch auf Schalke um. Am Dienstag zum Beispiel gab es 11x400m-Läufe. Christoph Moritz benötigte einmal gar nur 64 Sekunden. Dass am Nachmittag noch eine 90-Minuten-Einheit mit dem Ball auf dem Programm stand – für Magath ganz normal. Genau so die Festsetzung der Trainingszeiten erst am Abend zuvor. Die Spieler sollen sich voll auf Fußball konzentrieren – Magath will unberechenbar bleiben. Gerade diese Eigenschaft kultiviert er manchmal zum Leidwesen der Spieler. So bei einem Freundschaftsspiel in Meppen, wo er Nachwuchsspieler Yalin sechs Minuten nach dessen Einwechslung wieder rausnahm. Yalin könne doch froh sein, so lange gespielt zu haben, erklärte Magath.

„Es geht nur über Arbeit“, sagt Magath und sortiert gnadenlos Spieler aus oder verpasst ihnen einen Denkzettel, wenn sie nicht seiner Marschroute folgen. Das ist zum Beispiel bei Albert Streit der Fall, trifft aber auch langjährige Schalke-Spieler. So saß Levan Kobiashvili schon mehrfach auf der Tribüne, und Carlos Zambrano flog gegen Wolfsburg aus der Elf, weil er es beim Abschlusstraining an der nötigen Konzentration fehlen ließ. Magath: „Wir sind hier nicht auf 2000 Metern Höhe. Hier kann man atmen. Schalte deinen Kopf ein.“

Von zehn Interview-Wünschen betrafen neun in den ersten Wochen Felix Magath, der sich längst nicht nur zu sportlichen Themen äußern muss. Auch zur Finanzlage sprach der 56-Jährige Klartext („Wir haben nicht nur kein Geld, sondern wir brauchen welches.“), ohne im Gegensatz zu anderen Führungskräften im Verein das Ausmaß der Probleme zu verharmlosen.

Wenn Felix Magath beim Training pfeift, sind alle Spieler spätestens innerhalb von zehn Sekunden um ihn versammelt. Das ist ein Beleg dafür, wie groß seine Autorität ist. Was Magath vorgibt, ist bei den Spielern Gesetz. Vor allem die Nachwuchstalente sind begeistert, dass sie endlich einen Trainer haben, der jedem Spieler eine faire Chance gibt.

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