Wie Felix Magath bei Schalke ins Abseits lief

König ohne Hausmacht

Der Trainer von Welt kommuniziert heutzutage über Facebook. Also richtete Felix Magath (57) wenige Stunden nach den Veröffentlichungen über seinen bevorstehenden Rauswurf per Internet das Wort an die Schalke-Fans.

GELSENKIRCHEN

von Von Norbert Neubaum und Frank Leszinski

, 09.03.2011, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spätestens am Montag wird er wohl erfahren, dass dem nicht so sein wird. Dann tagen Schalker Aufsichtsrat und Vorstand, dessen Sprecher Magath ist. Auf dieser Sitzung wird Magath wohl erfahren, dass seine Abberufung als Vorstandsmitglied bevorsteht. Welch ein Absturz! Noch vor wenigen Monaten wurde Magath gefeiert wie der Messias. „Magier“ nannten sie ihn, weil er Schalke auf Platz zwei geführt hatte. Magath war angetreten als „starker Mann“. Ausgestattet mit nahezu allen Vollmachten sollte der Wolfsburger Meistermacher auf Schalke aufräumen – vom ersten Tag an machte er den Eindruck, als hätten vor ihm auf Schalke nur Amateure gearbeitet und dass der stolze Klub eine Komplett-Sanierung brauche.

Mit diesem Anspruch wurde Magath allerdings auch von Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies („Wir kriegen den Besten, den Meister!“) geholt. Doch Magath übertrieb es mit dem Sanierungs-Ehrgeiz – schon in seinem ersten erfolgreichen Jahr formierten sich hinter seinem Rücken die Reihen der Unzufriedenen. Obwohl er sich seinen üppigen eigenen Mitarbeiter-Stab sowohl im sportlichen als auch im administrativen Bereich zugelegt hatte, wurde Magath schnell zum König ohne Hausmacht. Dass er ohne die auf Schalke nicht „überleben“ kann, begriff er zu spät bis gar nicht. Viele Schalke-Mitglieder verprellte Magath erstmals auf der Jahreshauptversammlung im Mai 2010. Der Antrag, ihm die komplette Finanz-Freiheit bei Transfers einzuräumen, wurde abgelehnt. Magath wirkte beleidigt, sah seine Arbeit gefährdet – und beflügelte so seine zahlreichen internen Gegner.

Spätestens nach der ungeschickten Absetzung des Fan-Beauftragten Rolf Rojek sah sich auch Clemens Tönnies zum verbalen Eingreifen genötigt. Tönnies hat auch deshalb mindestens ein Ohr an der Basis, weil er als Aufsichtsrat auf Stimmen der Mitglieder angewiesen ist. Als auch die sportliche Gemengelage durch Magaths Transfer-Monopoly immer undurchschaubarer wurde, schwand der Rückhalt zusehends. Offenbar auch bei Horst Heldt: Den von ihm geholten Manager hielt Magath an der kurzen Leine – intern soll sein Zögling daher schon länger nicht mehr als Magath-Fan aufgefallen sein.

Vier Jahre sollte Magath Zeit haben, Schalke zum Meister zu machen. Ein Plan, der von vornherein den Verdacht des Scheiterns in sich trug, weil eine Meisterschaft so einfach nicht planbar ist. Und deshalb, weil es Magath als Trainer noch nie so lange bei einem Verein ausgehalten hat. Oder der Verein es mit ihm. Schalke 04 ist da keine Ausnahme. 

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