Würdiges Wiedersehen mit Schiedsrichter Merk

Auf Schalke als TV-Kommentator

Für einen kurzen Moment entglitten Huub Stevens am Dienstag fast seine Gesichtszüge. Vorbei war es mit der guten Laune des Schalker Trainers, als er von einem Fernseh-Journalisten erfuhr, wer am Samstag nach Gelsenkirchen zurückkehrt und das Heimspiel der Königsblauen gegen den 1. FC Kaiserslautern analysieren und darüber diskutieren wird.

GELSENKIRCHEN

von Von Frank Leszinski

, 11.10.2011, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Markus Merk (r.) pfiff, der FC Bayern jubelte, Schalke trauerte: So war es am letzten Spieltag 2001.

Markus Merk (r.) pfiff, der FC Bayern jubelte, Schalke trauerte: So war es am letzten Spieltag 2001.

Stevens blickte ungläubig, als er den Namen Markus Merk hörte. Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter, auf den die meisten Schalke Fans wohl ewig fluchen werden, sitzt als Experte des TV-Senders „Sky“ am Samstag am Mikrofon. Erstmals in der Veltins-Arena.Das Fußball-Drama Markus Merk spielte an jenem 19. Mai 2001 eine Hauptrolle in einem Fußball-Drama, wie es die Bundesliga noch nie erlebt hatte. Am letzten Spieltag der Saison 2000/2001 zwischen dem Hamburger SV und FC Bayern München entschied der Pfälzer in der sehr langen Nachspielzeit nach einem Rückpass des Hamburgers Ujfaluši auf Torhüter Mathias Schober auf indirekten Freistoß für die Bayern. Patrik Andersson verwandelte zum 1:1-Endstand, und die Bayern wurden anstelle des FC Schalke 04 Deutscher Meister, der Unterhaching mit 5:3 besiegt hatte und sich für 4:38 Minuten schon als Meister wähnte. Schalke ertrank in einem Meer von Tränen. Die Fans tobten. Merk bekam wüste Morddrohungen ins Haus. Er beteuerte: „Ich habe so gepfiffen, wie ich es gesehen habe. Ich hatte nie Vorbehalte gegen Schalke.“Fans untröstlich Dass Schalke eine Woche später durch einen 2:0-Sieg gegen Union Berlin erstmals seit 1972 wieder DFB-Pokalsieger wurde, konnte die königsblaue Fangemeinde nur wenig trösten. Weil viele Schalker Fans ihn für die verlorene Meisterschaft verantwortlich machten, wurde Merk bis zum Ende seiner Schiedsrichtertätigkeit nicht wieder bei einem Spiel mit königsblauer Beteiligung eingesetzt.Zwar hat sich die Aufregung nach über zehn Jahren längst gelegt, doch wie tief Wut und Enttäuschung bei den Schalker Fans immer noch sitzen, hat Merk bei Besuchen in Gelsenkirchen im Rahmen von Vorträgen oder beim WM-Workshop 2006 schon öfter erleben müssen. Da wurde er von Schalke-Fans angesprochen, die ihm sein Herz ausschütteten, wie sehr sie immer noch unter seiner Freistoß-Entscheidung am 19. Mai 2001 litten. Wie zum Beispiel, als Merk viele Jahre später in einen Autobahn-Rasthof voller Schalke-Fans geriet. Eine bange Sekunde lang herrschte Totenstille. Dann sagte ein Vater zu seinem Sohn: „Schau mal, das ist der Mann, der uns zum ,Meister der Herzen’ gemacht hat.“

Raul absolvierte am Dienstag erstmals nach seinen Sprunggelenksproblemen große Teile des Mannschaftstrainings. „Es sieht gut aus“, sagte Trainer Stevens und kann wohl mit dem Spanier für das Heimspiel gegen Kaiserslautern am Samstag planen. Farfan wird nach seinen Länderspielen mit Peru am Donnerstag zurück erwartet.  

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