16-jähriger Schermbecker unter Terrorverdacht

Bombenanschlag

Ein 16-jähriger Schermbecker steht in Verdacht, mitverantwortlich für den Bombenanschlag auf die Sikh-Gemeinde in Essen zu sein. Am Mittwochabend war er am Essener Hauptbahnhof verhaftet worden. Das bestätigte die Essener Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion.

Schermbeck

, 06.05.2016, 17:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
16-jähriger Schermbecker unter Terrorverdacht

Beim Anschlag auf ein Gebetshaus der Essener Sikh-Gemeinde sind am 16. April drei Menschen verletzt worden. Ein 16-jähriger Schermbecker soll mitverantwortlich für die Bomben-Explosion sein und wurde am Mittwoch verhaftet.

Bereits kurz nach dem Anschlag am 16. April, bei dem ein mit Schwefel und Magnesium gefüllter Feuerlöscher drei Menschen verletzt hatte, waren zwei 16-Jährige aus Essen und Gelsenkirchen verhaftet worden, die noch in Untersuchungshaft sitzen und den Anschlag verübt haben sollen. Auch der Schermbecker war kurz nach der Tat laut Jürgens von der Polizei verhaftet, anschließend aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die neuerliche Festnahme sei erfolgt, „weil wir genügend Anhaltspunkte für einen dringenden Tatverdacht haben“, so die Essener Oberstaatsanwältin für Kapitalverbrechen.

Was für Anhaltspunkte das sind, darüber wollte Jürgens keine weiteren Angaben machen. Auch dazu, ob der 16-Jährige, wie in Medienberichten behauptet, „Befehlshaber“ einer islamistischen Terrorgruppe sei und ob weitere Personen dazu zählen, machte Jürgens keine Angaben.

Aussage gemacht

Der 16-Jährige habe nach der neuerlichen Festnahme eine Aussage gemacht, wobei Jürgens auch hier bei weiterer Nachfrage auf die laufenden Ermittlungen sowie den hohen Persönlichkeitsschutz verwies, den er als Minderjähriger habe. Man sei noch in der Auswertung, so Jürgens. Gegen den 16-Jährigen bestehe eine Ausreiseuntersagung seitens der Gemeinde Schermbeck, bestätigte Herbert Tekaat als Stellvertreter des Bürgermeisters. Mike Rexforth habe in den vergangenen Tagen und Wochen in engem Kontakt zu Staatsschutz und Polizei gestanden, so Tekaat. Gebürtiger Schermbecker sei der 16-Jährige seines Wissens nicht, so Tekaat, aber auch kein Flüchtling. „Er hat einen deutschen Pass.“ Nach Hinweisen von Polizei und Staatsschutz habe man ihm den Pass weggenommen. Laut Medienberichten hatten Behörden befürchtet, dass der angebliche IS-Sympathisant sich am Dschihad beteiligen könne. In Gahlen durchsuchte die Polizei am Freitagmittag ein Haus – im Nachgang zur Festnahme des 16-Jährigen, wie die Essener Polizeisprecherin Tanja Horn bestätigte.

Terroristische Vereinigung

Im engen Austausch mit der Essener Polizei und Staatsanwaltschaft steht auch die Generalbundesanwaltschaft. Diese könnte die Ermittlungen an sich ziehen, wenn es sich bei den Bombenlegern um eine terroristische Vereinigung handeln würde. Eine Bedingung dafür sei, dass es mindestens drei Täter gebe, sagte ein Sprecher. Dies wäre mit der neuerlichen Verhaftung des Schermbeckers gegeben. Aber auch andere Voraussetzungen müssten gegeben sein, so der Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung: „Dazu reichen uns die bisherigen Erkenntnisse nicht aus. Wir stehen noch ganz am Anfang.“

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