Nächtlicher Annäherungsversuch endet mit zwei gebrochenen Handgelenksknochen

mlzAmtsgericht

Der Annäherungsversuch eines 50-Jährigen endete für eine 25-Jährige mit zwei gebrochenen Handgelenksknochen. Vor Gericht gab es allerdings zum Tathergang völlig unterschiedliche Versionen.

Schermbeck

, 16.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu einer Geburtstagsfeier im Schützenhaus Damm waren der 50-jährige Schermbecker und die 25-jährige Frau aus Hamminkeln am 28. Oktober 2018 eingeladen. Rauchend kamen beide nach Mitternacht vor dem Schützenhaus ins Gespräch, setzten sich dann auf eine gut 100 Meter entfernte Bank am Ehrenmal.

Was dann passierte, dazu hatte der Angeklagte am Montag am Weseler Amtsgericht seine eigene Version: Man habe sich nett unterhalten, dann habe man zurückgehen wollen. Die Frau sei gestürzt und habe ihn direkt beschuldigt, „ich hätte sie geschubst“. „Ich zeig dich an“, hätte die 25-Jährige gesagt, er sei geschockt gewesen und habe, als Polizei und Krankenwagen eintrafen, seine Sicht der Dinge geschildert.

Beide waren betrunken

Getrunken hätten an diesem Abend beide, so der Angeklagte: Er hatte etwas mehr als 2 Promille, die Frau lag knapp darunter. Er könne sich aber noch an alles erinnern, so der 50-jährige Schermbecker.

Die Geschichte, die das 25-jährige Opfer und ihre Freundin (22) erzählten, ging allerdings völlig anders. „Das war keine schöne Situation“, sagte die 25-Jährige am Montag.

„Er hing so halb auf mir“

Als sie mit dem 50-Jährigen auf der Bank gesessen hatte, sei ihre Freundin einmal rausgekommen und habe gefragt, ob alles in Ordnung sei. Als die Freundin wieder im Schützenhaus war, sei der 50-Jährige immer näher gerutscht. Ihr Handy und ihre Zigaretten hätten zwischen den beiden auf der Bank gelegen. „Er hatte seinen Arm um mich gelegt und hing so halb auf mir“, so die Geschädigte. Zeitgleich rief die Freundin an, doch der Mann habe auf dem Handy gesessen, sodass sie nicht rangehen konnte.

Die Freundin habe sich Sorgen gemacht, sei rausgekommen und habe den Namen der 25-Jährigen gerufen. Die befreite sich, schnappte ihr Handy und lief der 22-Jährigen entgegen. Zu zweit gingen sie zurück und forderten die Zigaretten ein. Der Mann habe sich vor dem Opfer aufgebaut, sie an den Armen gefasst und geschubst.

„Sie hat vor Schmerzen geschrien“

Bei dem Sturz brach sich die 25-Jährige beide Handgelenksknochen. „Sie hat vor Schmerzen geschrien“, sagte die 22-Jährige, die ihre Freundin ins Krankenhaus begleitete. Viermal sei sie schon operiert worden, eine Operation stehe noch aus. „Dann kann man erst sagen, ob es Folgeschäden gibt“, so die 25-Jährige.

Die Verteidigung versuchte den genauen Ort des Schubsens anhand von Bildern zu lokalisieren. Die Schilderungen der beiden Frauen wichen dabei um einige Meter ab. Dies spielte für die Staatsanwältin und den Richter allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Auch ein vermeintlicher Entlastungszeuge konnte dem Angeklagten nicht helfen.

Der 39-jährige Bekannte des Täters hatte das Opfer zufällig im April 2019 in einer Kneipe in Wesel kennengelernt. Dort sei man auf den Vorfall zu sprechen gekommen. „Es gab im November Gerüchte, dass es angeblich einen Vergewaltigungsvorwurf gegeben hätte“, so der 39-jährige Schermbecker. Das habe das Opfer allerdings im Gespräch bestritten.

Keine Erinnerungslücken

Der Angeklagte allerdings hatte in seiner Zeugenaussage behauptet, die 25-Jährige habe dem 39-Jährigen erzählt, sie könne sich an die Vorfälle des Abends kaum noch erinnern. Das bestritt der 39-Jährige auf Nachfrage des Richters.

Während die Verteidigung einen Freispruch forderte, plädierte die Staatsanwältin auf eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 40 Euro. Der Richter verhängte stattdessen 20 Tagessätze zu 50 Euro: Die Geschichte des Angeklagten ergebe keinen Sinn, bedingt habe er vorsätzlich die Körperverletzung in Kauf genommen. Der Verteidiger ließ offen, ob er Rechtsmittel einlegen wird.

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