Bücherei-Zusammenlegung in Schermbeck brachte mehr Leser

Bücherei

Höchst umstritten war vor einem Jahr die Zusammenlegung der kommunalen Bücherei mit der der Ludgerus-Gemeinde. Nun ziehen die Verantwortlichen ein Fazit.

Schermbeck

, 28.03.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Nach der Zusammenlegung der kommunalen Bücherei mit der Bücherei der Ludgerus-Gemeinde vor einem Jahr werden mittlerweile mehr Leser erreicht, als beide Büchereien vorher zusammen hatten. Darüber freuen sich Monika Ulrich (ehrenamtliche Mitarbeiterin), Pastor Klaus Honermann, Ute Slowik (künftige Bücherei-Leiterin), Monika Schlebusch (Leiterin) und Bürgermeister Mike Rexforth (v.l.).

Nach der Zusammenlegung der kommunalen Bücherei mit der Bücherei der Ludgerus-Gemeinde vor einem Jahr werden mittlerweile mehr Leser erreicht, als beide Büchereien vorher zusammen hatten. Darüber freuen sich Monika Ulrich (ehrenamtliche Mitarbeiterin), Pastor Klaus Honermann, Ute Slowik (künftige Bücherei-Leiterin), Monika Schlebusch (Leiterin) und Bürgermeister Mike Rexforth (v.l.). © Berthold Fehmer

Monika Schlebusch, die zuvor die kommunale Bücherei leitete und nun die zusammengelegte katholische-öffentliche Bücherei an der Erler Straße 9, sagte am Donnerstag ehrlich: „Zuerst habe ich gedacht, das wird nichts. Auf der einen Seite der Bürgermeister, auf der anderen Seite der Pastor. Ich habe gedacht: Vielleicht machst du das alles nicht gut genug.“ Nach einem Jahr kann sie aber sagen: „Es hat sich nie einer eingemischt.“

Pastor Klaus Honermann gibt zu: „Das war kein ganz einfaches Projekt.“ Zum Beispiel habe es Schwierigkeiten bei der Software-Umstellung gegeben. Doch er und Bürgermeister Mike Rexforth pflegten „ein sehr gutes Verhältnis, lösungsorientiert zum Wohl der Gemeinde“. Rexforth dankt Monika Schlebusch und dem ehrenamtlichen Team aus 15 Damen und einem Herrn: „Ohne sie hätte es nicht funktioniert.“

Bücherei hat mittlerweile 401 Leser

Mehr als 1000 Unterschriften wurden gegen die Schließung der kommunalen Bücherei an der Weseler Straße gesammelt. Mittlerweile kann man sagen, dass viele Sorgen unbegründet waren. Denn mittlerweile hat die neue Bücherei 401 Leser, während die kommunale zum Zeitpunkt der Schließung 320 aktive Leserinnen und Leser und die katholische rund 50 Leser hatte.

„Wir haben nur zufriedene Leser, keine Nörgler“, sagt Schlebusch stolz. Die Leser fühlten sich in den gemütlicheren Räumen wohl und würden auch die zahlreichen Veranstaltungen gerne besuchen. „Ein zweiter Rechner-Arbeitsplatz wäre schön“, sagt sie, weil manchmal 40 bis 60 Leser pro Tag kämen und es dann eng werde. „Ich gehe mal auf die Suche“, verspricht Honermann.

10 Euro im Jahr kostet die Mitgliedschaft für Erwachsene. 5600 Medien umfasst das Angebot, wobei 2250 dem Kinder- und Jugendbereich zuzurechnen und 580 CDs und Hörbücher sind. 600 neue Medien wurden in dem Jahr angeschafft. 9000 Euro habe man dafür in diesem Jahr zur Verfügung, sagt Schlebusch. „Mehr als das Doppelte, was die kommunale Bücherei ausgeben konnte“, sagt Rexforth. Alle sechs bis acht Wochen kaufe man neueste Literatur ein, so Schlebusch, was manche Leser ab und zu verwundert habe.

Eine Nachfolgerin ist gefunden

Anfang Oktober geht Schlebusch in den Ruhestand. Sie sagt, sie wolle sich dann komplett trennen von der Bücherei und vielleicht im Abrahamhaus tätig werden. Dazu habe er schon ein, zwei Ideen, sagt Rexforth. Aber was geschieht dann in der Bücherei? Eine Nachfolgerin ist schon gefunden. Ute Slowik wird bereits eingearbeitet, die wie Schlebusch eine halbe Stelle für die Leitung der Bücherei hat.

Bereits 2011 bis 2013 brachte Slowik die Bücherei der Gesamtschule Schermbeck in Schuss. „Wir hätten sie gerne übernommen“, sagt Rexforth, doch dass sei bei der damaligen Haushaltssituation nicht möglich gewesen. Laut politischem Beschluss ist mit dem Ausscheiden Schlebuschs im Stellenplan auch kein Geld mehr für eine Leitung der Bücherei vorgesehen.

„Die Stelle in der Gesamtschule hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt Slowik. Die gelernte Bürokauffrau und alleinerziehende Mutter hat damals sogar ein Kinderbuch mit den Gesamtschülern mit dem Titel „Fantastisch“ erarbeitet und herausgegeben.

Möglich macht die Einstellung Slowiks ein Programm mit dem Namen „Chance zur Teilhabe“, das sich speziell an Menschen richtet, die seit mehr als sechs Jahren arbeitslos sind. Dieses sieht eine Förderung über fünf Jahre vor, wobei die ersten zwei Jahresgehälter zu 100 Prozent übernommen werden, im dritten Jahr zu 90 Prozent, im vierten zu 80 Prozent und im fünften zu 70 Prozent. Ziel ist eine Integration der Langzeitarbeitslosen ins Erwerbsleben.

„Es gibt kein Risiko für uns“

„Es gibt kein Risiko für uns“, sagt Rexforth: „Selbst mein Kämmerer ist davon begeistert.“ Rexforth lobt die unbürokratische Zusammenarbeit mit Jobcenter und Arbeitsagentur. Zwei Wochen hätten die Formalitäten gedauert, seit Februar wird Slowik eingearbeitet. Sie wird zum Tariflohn mit einer vollen Stelle zur Hälfte am Empfang des Rathauses arbeiten, wo ebenfalls personeller Bedarf besteht, und mit der anderen Hälfte in der Bücherei. Der Anteil, der ab dem dritten Jahr von der Gemeinde zu zahlen ist, wird für die Arbeit am Empfang gezahlt, sodass der Rats-Beschluss mit der wegfallenden Stelle bei der Bücherei weiterhin gilt.

Rexforth denkt darüber nach, das Programm auch für andere Zwecke zu nutzen: Er werde der Politik demnächst eine Verstärkung des Bauhofs um zwei bis drei Mitarbeiter vorschlagen, um den Grundsatz „Unsere Gemeinde soll schöner und sauberer werden“ umsetzen zu können. Papierkorb-Entleerung, Entsorgung von Hundekot-Beuteln, Arbeiten im Außenbereich nennt Rexforth als Beispiele. Am Bauhof gebe es demnächst eine hohe Altersfluktuation, sodass man mögliche Nachfolger nun qualifizieren könne, damit sie nach fünf Jahren eine echte Chance auf Weiterbeschäftigung erhielten. „Sonst wäre es unehrlich.“

Auch Vereine, Unternehmer oder Privatpersonen können mit dem Programm Einstellungen tätigen. Der Wassersportverein Schermbeck habe Interesse bekundet, so Rexforth. Es gebe auch Gespräche mit dem SV Schermbeck und TuS Gahlen. Interessenten für Tätigkeiten nach diesem Programm könnten sich bei ihm melden. Beim Unternehmerfrühstück der Gemeinde Schermbeck am 3. April wird die Agentur für Arbeit das „Teilhabechancengesetz“ ebenfalls vorstellen.

Die übrig gebliebenen Bücher der kommunalen Bücherei werden an der Weseler Straße 1 am 6. April zwischen 9.30 und 12.30 Uhr verschenkt. Rexforth: „Wir brauchen den Platz für den Infoabend für den Caritas-Kindergarten am 11. April um 19 Uhr.“

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