Campingplatz-Betreiber kündigt allen Bewohnern: „Wir lassen das jetzt eskalieren“

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Hartmut Lück (66) wohnt auf dem Campingplatz Sybergshof und hat wie alle anderen Camper vom Betreiber eine Kündigung zum 30. Juni erhalten. Dieser sagt: „Wir lassen das jetzt eskalieren.“

Schermbeck, Dorsten

, 06.02.2020, 15:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Georg Horstmann-Strauch, den man auch als Betreiber der Dorstener Eishalle kennt, und sein Sohn Daniel Strauch (37) wissen sich als Betreiber des Campingplatzes Sybergshof nicht mehr anders zu helfen. Den Platz, der in den 1950er-Jahren seinen Ursprung hat, hatten Horstmann-Strauch und seine Frau 1996 gekauft. Mit etwas mehr als 80 Plätzen sei es einer der kleinsten in der Region.

Da er den Campingplatz an seinen Sohn übergeben wollte, habe er ihn „schüssig“ machen wollen, sagt Horstmann-Strauch. „Schüssig“ heißt: den Campingplatz aus der rechtlichen Grauzone zu befreien, in der fast alle Campingplätze stecken. Laut den Vorschriften für Campingplätze dürften dort eigentlich nur „ortsveränderliche“ Wohnwagen oder Wohnmobile stehen - die Realität sieht aber oft anders aus.

Holzhütte nicht bewegbar

Ortsveränderlich, also bewegbar, ist etwa die Holzhütte von Hartmut Lück nicht. Seit zehn Jahren ist er auf dem Campingplatz, zunächst mit einem Wohnwagen, der dann ein Vorzelt bekam. Dann baute Lück die Holzhütte mit 54 Quadratmetern. Seinen Erstwohnsitz hat er mittlerweile auf dem Campingplatz.

Der Gemeinde Schermbeck sind die mehr als 200 Erstwohnsitze auf Schermbecker Campingplätzen seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Man darf sich zwar mit Erstwohnsitz bei der Gemeinde anmelden, aber das dauerhafte Wohnen verstößt gegen die Bauordnung. Für deren Einhaltung ist der Kreis zuständig, doch der duldete dies lange Jahre. Probleme gab und gibt es oft mit dem Brandschutz. Die Schermbecker Verwaltung führte Gespräche mit Betreibern und Campern, um Wege aus der rechtlichen Grauzone zu finden.

Mehr als 10.000 Euro in Planänderung investiert

Das führte dazu, dass die Familie Strauch auf eigene Kosten in ein Verfahren einstieg, damit der Flächennutzungs- und der Bebauungsplan für den Campingplatz geändert werden soll, der dann zum „Camping- und Wochenendplatz“ werden sollte. Mehr als 10.000 Euro Planungskosten habe man bereits investiert, sagt Daniel Strauch. Per Vertrag sollte sich die Familie verpflichten, keine Erstwohnsitze mehr auf seinem Grundstück zuzulassen. Für die jetzigen acht Bewohner mit Erstwohnsitz sollte es Bestandsschutz geben.

Doch statt eines geordneten Verfahrens gibt es nun helle Aufregung auf dem Campingplatz. Ein ehemaliger Camper, von dem man sich „im Streit getrennt“ habe, so die Strauchs, hat eine Anzeige bei der Bezirksregierung Düsseldorf eingereicht: Es bestehe „Gefahr für Leib und Leben“ aufgrund massiver Brandschutzmängel.

Ordnungsverfügung an Heiligabend

Das bewog die Bauverwaltung in Wesel, den Campingplatz unter die Lupe zu nehmen. Sogar eine Ordnungsverfügung zur Zwangsstilllegung wurde ausgesprochen - das Schreiben erhielten die Strauchs am 24. Dezember - Heiligabend. „Eine absolute Frechheit“, sagt Daniel Strauch. 50.000 Euro würden fällig, falls die Campingplatzbetreiber sich weigerten. Die Familie erhob Einspruch - Ausgang ungewiss.

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Eine Mängelliste mit 89 Unterpunkten erhielten die Campingplatzbetreiber zuvor bei einer Anhörung in Wesel. „Wir hatten keine Gelegenheit, uns vorzubereiten“, sagt Daniel Strauch. Vor allem zu geringe Abstände wurden bemängelt. Allerdings seien, so Strauch, dazu Luftbilder verwendet worden, die gar nicht mehr aktuell seien.

Bewohner wollen Mängelliste abarbeiten

Eine Neuplanung des Platzes gab man bei einem Büro in Auftrag. „Wir haben die Fahrwege verbreitert, wir haben Einbahnstraßen erstellt, wir haben Feuerlöscher überall aufgestellt.“ Sogar ein Feuerwehr-Fahrzeug sei über den Platz gefahren, so Daniel Strauch. Man habe allen Bewohnern die Mängelliste gegeben - fast alle hätten signalisiert, dass sie die Punkte beheben wollten.

Bei Hartmut Lück ging es etwa darum, dass seine Hütte mit 54 Quadratmetern zu groß sei. „Vier Quadratmeter müssen weg“, sagt er. Ein Schreiner habe für die Arbeiten 4000 Euro haben wollen. „Wo soll ich als kleiner Rentner das ganze Geld herholen?“ Lück hat schon neue Balken bestellt. „Die Umbauarbeiten muss ich machen, sonst liege ich auf der Straße.“ Doch seitens des Kreises Wesel habe man ihm gesagt, dass er die Hütte vielleicht komplett entfernen müsse.

„Dann habe ich gar nichts mehr“

Helmut Hammers (79) hingegen sagt: „In meinem Alter schaffe ich das nicht mehr.“ Er hat seinen Zweitwohnsitz in Schermbeck, wohnt eigentlich in Essen und ist seit 1992 auf dem Campingplatz. Bei ihm wurde ein Nebengebäude bemängelt. „Es kostet 1500 Euro, das abräumen zu lassen. Ich bin auch nur Rentner, dann habe ich gar nichts mehr.“

Angesichts der unklaren Situation sah sich die Familie Strauch genötigt, Mitte Januar allen Bewohnern zum 30. Juni zu kündigen, um eine Möglichkeit zu erhalten, den Platz dann neu zu ordnen. Trotzdem stünden die Camper hinter ihnen, so Vater und Sohn. Viele hätten gesagt: „Wir kriegen das irgendwie hin.“

Enttäuscht über die Behörden

Vater und Sohn Strauch sagen, sie seien zutiefst enttäuscht vom Verhalten des Kreises und der Gemeinde - es fehle die Unterstützung. Die beabsichtigten Planänderungen hätten sie „ad acta“ gelegt. Es gebe andere Plätze, bei denen eine einfache Flächennutzungsplanänderung ausgereicht habe. Vater und Sohn sehen nicht ein, dass sie immer neue Forderungen erfüllen sollten, die von den meisten Campingplätzen auch nicht eingehalten würden.

Hängen die meisten Camper nach dem Grundsatz „Wo kein Kläger, da kein Richter“ also am seidenen Faden? Daniel Strauch fordert: „Gleiches Recht für alle.“ Und sagt: „Der Tragweite sind sich Schermbeck, der Kreis und die Bezirksregierung nicht bewusst.“

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