Corona: Rückkehr zur Normalität an der Gesamtschule? „Mitnichten!“

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Alle Jahrgangsstufen kehren ab dem 26. Mai in den Unterricht an der Gesamtschule zurück. Die viel beschworene Rückkehr zur Normalität? „Mitnichten!“, sagt Schulleiter Norbert Hohmann.

Schermbeck

, 14.05.2020, 13:01 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer in diesen Tagen die Homepage der Gesamtschule Schermbeck aufruft, wird von einem „Pop-up“ begrüßt, einer vorgeschalteten Seite, die Regelungen in Corona-Zeiten enthält. Diese Seite ist im Laufe der vergangenen zwei Monate immer länger geworden - und zeigt, wie vielschichtig die Probleme sind, den Schulbetrieb mit dem Coronavirus vereinbar zu machen. Den Englisch-Wettbewerb „The Big Challenge“ können Schüler bis zum 10. Juli beispielsweise daheim absolvieren. „Ein Online-Sommerkonzert machen wir wohl nicht“, sagt Hohmann.

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Neu hinzugekommen ist beispielsweise die Verpflichtung für Schüler, eine Mund-Nase-Bedeckung (Hohmann: „Was für ein fürchterliches Wort!“) immer vor Eingangstüren, im Treppenhaus oder auf den Fluren zu tragen. Den Abstand dort einzuhalten, laufe „bei allem gutem Willen nicht rund“, sagt Hohmann. Gerade vor den Brandschutz-Türen gebe es „immer ein bisschen Stau“.

„Die machen das alles sehr zuverlässig.“

Die Möglichkeit, die Türen mit Keilen ständig offen stehen zu lassen, würde gegen Brandschutzvorschriften verstoßen. Hohmann lobt aber die Schüler der Abschluss-Jahrgänge und Q1, die bereits in der Schule sind und zum Teil derzeit ihre Prüfungen absolvieren: „Die machen das alles sehr zuverlässig und unkompliziert.“ Obwohl viele Regeln neu sind: maximal 15 Schüler pro Raum, Abstände, Händewaschen, Hochstellen der Stühle nach Unterrichtsschluss, damit der Boden gefegt werden kann. Die Mensa ist derzeit geschlossen - die Schüler müssen selbst Essen und Getränke mitbringen.

Schulleiter Norbert Hohmann

Schulleiter Norbert Hohmann © privat

Froh ist Hohmann darüber, dass im Vergleich zu anderen Schulen „nur“ etwa 20 Prozent seines Kollegiums zur Risikogruppe zählen. Das vereinfacht beispielsweise die Planungen für die mündlichen Abiturprüfungen. Erst hieß es nämlich, dass Lehrende aus der Risikogruppe nicht eingeplant werden sollten - danach wurde in Schermbeck ein Plan erstellt. Dann kam die Kehrtwende des Schulministeriums. „Ich könnte jetzt anfangen, den Plan neu zu machen“, sagt Hohmann. „Aber wir sind in der glücklichen Lage, nicht wieder neu planen zu müssen.“

„Das sind mündige Bürger“

Begeistert ist Hohmann, trotz aller dennoch bestehenden Schwierigkeiten in der derzeitigen Situation, vom Miteinander an der Gesamtschule: „Die Eltern sind verständnisvoll - ab und zu bekommt man freundliche Nachfragen, ob man einige Dinge anders machen könnte.“ Auch das Vorgehen der Schüler, die im April gegen die politischen Entscheidungen zu den Abitur-Prüfungen demonstriert hatten, lobt Hohmann. „Das sind mündige Bürger, die ihre demokratischen Bürgerrechte wahrnehmen.“

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Im Vorfeld habe er mit den Schülern gesprochen und erklärt, wie sie die Demo anmelden müssten. „Es war die erste Corona-Demo im Kreis Wesel.“ Deshalb sei die Polizei mit relativ großem Aufgebot erschienen und von der Disziplin der Schüler begeistert gewesen: „Die haben hinterher applaudiert!“ Keine Frage sei für die Schüler übrigens gewesen, ob sie zur Schule kommen. „Selbstverständlich, wir wollen ein gutes Abitur machen“, habe er als Antwort auf Nachfragen bekommen, sagt Hohmann.

Rund zehn Schüler zählen zur Risikogruppe

Rund zehn Schüler an der Gesamtschule werden zur Risikogruppe gezählt. „Bei einem Fall ist eine Person im Haushalt gefährdet“, so Hohmann. Kinder, die Unterricht versäumen, sollen auf keinen Fall Nachteile bei der Leistungsbewertung erfahren. In der Notbetreuung seien derzeit drei Kinder - „das ist völlig entspannt“, sagt Hohmann.

Ab 26. Mai werden die Kinder aller Jahrgänge zur Schule zurückkehren. Drei Jahrgänge kommen dann pro Tag in einem rollierenden System, die Klassen sind halbiert. „Jedes Kind wird dreimal bis zu den Sommerferien hier sein“, sagt Hohmann und verschweigt nicht, dass dies „einige berechtigte Nachfragen bei den Eltern“ ausgelöst habe. Bis zu den Sommerferien werde man mit der „Lern-Cloud“ der Schule aber „alles ganz gut hinkriegen“.

Plan für die Zeit nach den Sommerferien

Und danach? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Kollegium bereits jetzt, auch wenn vieles noch nicht absehbar ist. Hohmann geht davon aus, „dass die Grundstruktur nicht anders sein wird als jetzt“. Denn das Coronavirus werde dann „immer noch genau so infektiös“ sein.

Gefragt sei nun ein „transparentes, möglichst einfaches Konzept zwischen Lernen auf Distanz und dem Präsenz-Lernen“, sagt Hohmann. Um ein solches zu entwickeln, habe sich ein Arbeitskreis an der Schule gebildet, der in Zusammenarbeit von EDV-Experten und Didaktikern ein schlüssiges Konzept erstellen soll.

Dass manche Dinge in der Praxis schwieriger sind, als sie in der Theorie erscheinen, verdeutlicht Hohmann am Beispiel des Lernens per Video-Konferenzen. „Mit Kindern in Schermbeck-Damm ist eine Video-Konferenz unmöglich.“ Grund: die schlechten Datenleitungen. Diese sollen zwar mit dem angekündigten Glasfaser-Ausbau in den nächsten drei Jahren entscheidend verbessert werden, aber das hilft den Schülern im September dieses Jahres nicht.

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