Aus Angst vor Corona scheuen Patienten die medizinische Notfallhilfe

Coronavirus

Es ist richtig, Angst vor Corona zu haben. Aber die Furcht vor einer Ansteckung sollte nicht dazu führen, ernsthafte Symptome anderer Erkrankungen auf die leichte Schulter zu nehmen.

Schermbeck

18.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei Schlaganfall oder Herzinfarkt zählt jede Minute. Deshalb sollte sich auch in der Coronokrise niemand scheuen, den Notarzt zu rufen.

Bei Schlaganfall oder Herzinfarkt zählt jede Minute. Deshalb sollte sich auch in der Coronokrise niemand scheuen, den Notarzt zu rufen. © picture alliance / dpa

Deutlich weniger Betriebsamkeit in der Notaufnahme, weniger Kontakte in den Ambulanzen und Sprechstunden. Viele Gesundheitsbetriebe verzeichnen dieses Phänomen aktuell. Die Furcht vor einer Ansteckung mit Covid-19, einer ungewollten Übertragung von Corona oder aber die Scheu, vermeintlich Ärzte, Therapeuten oder Pflegepersonal unnötig zu belasten zu, sind mutmaßliche Gründe dafür.

Wie viele andere Krankenhäuser stellt auch das Evangelische Krankenhaus Wesel fest, dass Patienten zögern, zaudern und zurückhaltender sind, selbst wenn der dringende Verdacht auf einen Notfall vorliegt. Die falsche Scheu, die Zentrale Notaufnahme (ZNA) in der gegenwärtigen Pandemiekrise aufzusuchen, hält anscheinend den einen oder anderen davon ab, dort Hilfe zu suchen.

Schlaganfallsymptome unbedingt ernst nehmen und abklären lassen

Schlimmstenfalls selbst dann, wenn das Einholen von professionellem Rat und medizinischer Soforthilfe absolut angezeigt wäre.

Prof. Dr. Jens Litmathe

Prof. Dr. Jens Litmathe leitet die Zentrale Notaufnahme des Evangelischen Krankenhauses Wesel. © Foto Ev. Krankenhaus

„Beispielsweise ist eine kurzzeitige heftige vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns, die neurologische Ausfallerscheinungen hervorruft, immer ein Grund, um sofort die Notaufnahme aufzusuchen. Auch in Zeiten von Corona sollten kurzzeitige heftige Schwindelattacken, Gleichgewichtsprobleme, Lähmungen, Seh-, Sprech-und/oder Schluckstörung sowie Sensibilitätsstörungen nicht ignoriert werden“, betont Chefarzt Dr. Winfried Neukäter. Denn solche Symptome können Vorboten eines Schlaganfalls sein.

Notfallambulanzen treffen Sicherheitsmaßnahmen gegen Corona

Aber auch Sturzopfer sollten nicht wegen Bedenken vor Ansteckung oder Virusverbreitung die notfallmedizinische Versorgung hinauszögern. „Wir treffen hier wirklich umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen, um Corona nachdrücklich Einhalt zu gebieten“, betont Prof. Dr. Jens Litmathe. Der ärztliche Leiter der ZNA erklärt, dass falsche Zurückhaltung in Sachen Alarmierung der üblichen Rettungskette durchaus gefährliche Konsequenzen nach ziehen kann.

Wenn also akut aufgetretene Brustschmerzen oder unklare Bauchkrämpfe quälen, sollte sofort die 112 gewählt werden. In anderen Fällen sollte der Hausarzt unverzüglich kontaktiert oder am Wochenende über die Rufnummer 116 117 ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. „Die Experten kanalisieren die Notfälle und haben ein geschultes Auge und Ohr dafür, welche Erkrankungen und Unfälle dann gezielt sofort in die ZNA gesteuert werden müssen“, lobt Prof. Litmathe das bestehende Notfallmanagement des Kreises.

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