Coronavirus: Bürgerinitiative fordert digitalen Fernunterricht

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„Die Eltern gehen alle auf dem Zahnfleisch“, sagt Thomas Bolte zur aktuellen Betreuungssituation. Per Bürgerbegehren fordert seine Bürgerinitiative digitalen Fernunterricht für Grundschüler.

Schermbeck

, 15.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Bürgerbegehren, beide Grundschul-Standorte in Schermbeck zu erhalten, scheiterte die Bürgerinitiative „Zwei Grundschulen für Schermbeck“ im Januar. Wandte sich dieses Bürgerbegehren noch gegen einen Ratsbeschluss, hat sie nun ein „initiierendes Bürgerbegehren“ eingereicht.

Bolte ist selbst Vater zweier Kinder, eins geht noch in den Kindergarten, eins in die zweite Klasse. Die jetzige Situation, dass Unterricht in der Schule nur alle paar Tage erfolgt, „können wir nicht jahrelang so durchziehen“, sagt Bolte. „Die Probleme des Unterrichtsausfalls haben jetzt Vorrang und müssen gelöst werden.“

„Das muss alles jetzt passieren“

Drei Faktoren bestimmen die Möglichkeiten für digitalen Fernunterricht: die technischen Geräte, die Datenverbindung und der Ausbildungsstand der Lehrkräfte. Um Defizite in allen Bereichen zu beheben, bleibe kaum Zeit, so Bolte: „Das muss alles jetzt passieren.“ Lehrer müssten so schnell wie möglich für E-Learning geschult werden.

Alle Schüler müssten mit Endgeräten, Tablet oder Notebook, ausgerüstet werden, fordert die BI, um Homeschooling so schnell wie möglich einheitlich realisieren zu können. Doch gibt es einen Faktor, der in Schermbeck komplett unterschiedlich ist: die Qualität der Datenverbindung.

Mobilfunk statt schlechter Datenleitung

Während im Ortskern viele Haushalte auf Glasfaser-Technik zurückgreifen können, gibt es Ortsteile im Außenbereich, die für Homeschooling keine ausreichende Internetanbindung haben. Zwei Lösungsmöglichkeiten sieht Bolte: „Dann muss man Geräte mit Mobilfunkkarte anschaffen.“ Verträge mit hohen Datenvolumina oder gar ohne Drosselung nach Erreichen eines Schwellenwerts sind aber nicht günstig: Letztere kosten etwa 70-80 Euro pro Monat. Per Vertrag könne man bestimmen, dass dies nur für schulische Zwecke genutzt werden dürfe, so Bolte.

Aber was passiert mit den Kindern, denen nicht mal eine Mobilfunkkarte etwas bringen würde, weil sie nur einen schlechten Empfang haben? Ein „digitalisiertes Klassenzimmer“, sieht Bolte als Lösung, in dem der Lehrer mit nur wenigen Kindern sitze, während die anderen zu Hause lernen. An beiden Schulstandorten der Grundschule Schermbeck gebe es Notebooks und Whiteboards, so Bolte: „Sie müssen nur genutzt werden.“ Wie soll ansonsten die digitale Aufrüstung bezahlt werden? Die Bürgerinitiative verweist auf den Digitalpakt Schule - 5 Milliarden Euro stünden dort zur Verfügung.

Als problematisch könnte sich die Fragestellung der BI herausstellen: „Sind Sie für die Sanierung der beiden Grundschulgebäude an der Schienebergstege und an der Weseler Straße, auch mit Blick auf Barrierefreiheit und die notwendigen technischen Voraussetzungen für digitalen Unterricht?“

Bürgerbegehren wird geprüft

Das Bürgerbegehren werde derzeit geprüft, sagt Theresia Meyer von der Verwaltung, ohne weitere Angaben zu machen. Gegen die Fragestellung könnte sprechen, dass der Rat bereits die Aufgabe des Grundschul-Standorts an der Schienebergstege bestimmt hat - eine Sanierung dort könnte schnell zur Steuergeldverschwendung erklärt werden.

Kompliziert macht die Sache, dass die Bürger auch noch beim Ratsbürgerentscheid die Frage beantworten müssen, ob sie für den Neubau eines Bildungszentrums mit integrierter Grundschule sind. Den Termin dafür will die Verwaltung in der kommenden Woche bekannt geben. Besteht die Chance, beide Anliegen gleichzeitig abzuhandeln? „Unmöglich ist es nicht, aber unwahrscheinlich“, sagt Meyer.

Aus Kostengründen würde Bolte dies aber bevorzugen. Die Meinung der BI ist klar: Rund 20 Millionen Euro für ein Bildungszentrum „sind in Zeiten von Corona, in denen viele Bürger um ihre Existenz bangen, nicht im Ansatz vermittelbar.“ Man solle jetzt „das Naheliegende und wirklich Hilfreiche“ tun, „um Schülern zu helfen und Eltern zu entlasten.“

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