Coronavirus: Gemeinde verteilt Tausende kostenlose Stoffmasken

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Die Ankündigung der Firma SWING, kostenlos Stoffmasken gegen das Coronavirus zu nähen, hat viele Nachfragen ausgelöst. Bürgermeister Mike Rexforth erklärt, wer Stoffmasken erhalten wird.

Schermbeck

, 01.04.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wirtschaftsförderung stehe seit einiger Zeit in Kontakt zu SWING-Geschäftsführer Moritz Schwack, sagt Bürgermeister Mike Rexforth. Schwack habe sich in der vergangenen Woche bei Sabrina Greiwe von der Wirtschaftsförderung gemeldet und vorgeschlagen, dass die Firma im Musteratelier Stoffmasken nähen könne, und gefragt, „ob wir eine Lösung hätten, sie an die Bürger zu bringen“.

Eine solche Lösung wurde im Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) im Rathaus beraten. Da im Rathaus einige, vor allem publikumsnahe Bereiche weniger frequentiert sind, wurde ein Team gebildet, das ab Dienstag im Ratssaal die Masken verpackt.

Bedarf bei Einrichtungen abgefragt

3000 Masken mit Option auf 3000 weitere hat Moritz Schwack angekündigt. „Wir haben vorher mit Einrichtungen gesprochen, wie dem Marienheim oder dem Haus Kilian“, sagt Rexforth. Diese hätten keinen Bedarf signalisiert, dafür aber das Lühlerheim, das in der ersten Lieferung Masken erhalten soll.

Der Ratssaal wird zur Verpackstation für die kostenlosen Stoffmasken umfunktioniert.

Der Ratssaal wird zur Verpackstation für die kostenlosen Stoffmasken umfunktioniert. © Gemeinde Schermbeck

Bei der Frage, welche Bürger nun die kostenlosen Masken erhalten sollen, habe man sich an bisherigen Erkenntnissen orientiert, dass ältere Menschen durch das Virus besonders gefährdet seien, sagt Rexforth. „Wir haben die Daten aus dem Einwohnermelderegister herangezogen und eine Priorisierung vom ältesten bis zum jüngsten Schermbecker vorgenommen.“

Schnitt bei etwa 60 Jahren

Nach dieser Liste werden unter anderem Mitarbeiter des Ordnungsdienstes demnächst Stoffmasken verteilen. „Wir werden einen Schnitt setzen bei um die 60 Jahre“, kündigt Rexforth an. Menschen über 60 Jahren bekommen eine Maske, Jüngere werden nach Straßenzügen beliefert - solange die Masken reichen. Allein die Über-60-Jährigen machten in Schermbeck bereits „etwa 5000 Leute“ aus. Dass hinter einer solchen Aktion viel Logistik steckt, macht Rexforth allein schon damit deutlich, dass bei einer anschließenden Verteilung nach Straßenzügen auch geklärt sein müsse, wer schon Masken bekommen hat.

Nicht nur das Engagement von Schwack und seiner Firma Swing weiß Rexforth zu schätzen: „Wir freuen uns über jeden, der weiter produziert.“ In Gahlen und Schermbeck seien Näherinnen derzeit dabei, Masken zu nähen. „Die nehmen wir gerne in die Verteilung auf“, so Rexforth.

Firma Lerbs spendet „professionelle“ Masken gegen Coronavirus

Für die niedergelassenen Allgemeinmediziner, die derzeit kaum noch an „professionelle“ Atemschutzmasken der Qualität FFP2 und FFP3 kommen können, die einen Schutz vor dem Coronavirus bieten, hat die Schermbecker Firma Lerbs am Montag 100 Masken der Schutzklasse FFP2 kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ansonsten durchlaufe das Rathaus gerade einen „Lernprozess“, sagt Rexforth. Auf solche Situationen müsse man sich vorbereiten und deshalb werde er mit der Politik noch über das Thema Lagerhaltung für Notsituationen sprechen. Ausdrücklich lobt Rexforth die Zusammenarbeit mit seinem Dorstener Amtskollegen Tobias Stockhoff. Man tausche sich regelmäßig über Bezugsquellen für Schutzmasken, Desinfektionsmittel und besonderer Schutzausrüstung aus.

„Ich hätte mir im Leben nie träumen lassen, dass ich mal eine Palette mit 700 bis 800 Litern Desinfektionsmitteln ordern muss“, sagt Rexforth. Oder dass er sich einmal „die Finger wund wähle, um Masken für Ärzte und den Pflegedienst zu besorgen“. Obwohl Rexforth glaubt, „das kann nicht unsere Aufgabe sein“, werde man jeden Hilferuf „werten und idealerweise lösen“. Rexforth: „Es ist irre, wie sich die Aufgaben eines Bürgermeisters gerade verändern.“

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