Coronavirus: Grüne kritisieren Verteilung von Stoffmasken

mlzCoronavirus

Einen „Skandal“ sehen die Schermbecker Grünen darin, wie derzeit Stoffmasken bei älteren Bürgern verteilt werden. Der Frau des Bürgermeisters ist daraufhin „der Kragen geplatzt“.

Schermbeck

, 07.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Musteratelier der Firma SWING näht derzeit Tausende Schutzmasken, die an die älteren Bürger Schermbecks verteilt werden. An der Rechtssicherheit der Verteil-Praxis äußert Ulrike Trick für die Fraktion der Grünen Zweifel.

Wer verteilt die Masken? Laut Bürgermeister Mike Rexforth sind dies Gemeindemitarbeiter, ehrenamtliche Helfer, „größtenteils aus der Gruppe „Wir für Schermbeck“ sowie auch einige Politiker. Dass an Ehrenamtler persönliche Daten der Bürger weitergegeben würden, verstoße gegen den Datenschutz, so die Einschätzung der Grünen. Das sieht Rexforth anders: „Alle haben eine Datenschutzerklärung unterschrieben. Nach unserer Meinung ist das kein Verstoß.“

Wahlkampf?

Die Grünen stört noch etwas anderes. Es könne nicht sein, „dass der Kandidat einer Partei für die kommende Kommunalwahl im Auftrag einer Gemeindeverwaltung Mund-und Nasenmasken verteilt und vielleicht an der Haustür noch ein ‚Schwätzchen‘ hält. In Zeiten, wo von Bundes- und Landesregierung zur Vermeidung von Kontakten aufgerufen wird, ein Skandal.“

Offiziell gibt es derzeit in Schermbeck nur zwei Bürgermeisterkandidaten. Timo Gätzschmann (Die Partei) und Rexforth. Den Wahlkampf- und Kontaktverbot-Vorwurf kann Rexforth nicht nachvollziehen. „Ich arbeite mit meinem Gegner zusammen. Und das ist völlig wurscht. Es geht um die Sache.“

Die Masken würden nur in die Briefkasten eingeworfen. „Wenn jemand dann in der Tür steht, sollte man bedenken, dass viele Ältere derzeit vereinsamt sind. Die freuen sich, dass sie überhaupt mal ein Gesicht sehen.“ Natürlich achteten die Helfer auf die Einhaltung der Abstände.

„Nur Gemeckere und böswillige Unterstellungen“

Ann-Christin Rexforth, Frau des Bürgermeisters, die sich in den letzten Jahren kaum öffentlich zu Wort meldete, sei angesichts der Vorwürfe der Grünen am Wochenende „der Kragen geplatzt“, so Mike Rexforth. In einem offenen Brief schreibt sie: „Viele Ehrenamtliche haben ihre spontane Hilfe bei der Verteilung der Masken angeboten ... die Grünen hier wieder einmal nicht zu sehen! Sondern, nur Gemeckere und böswillige Unterstellungen! Den Grünen geht es anscheinend nur darum, um von Ihrer Hilflosigkeit und ihrem Nichtstun abzulenken.“

In die Debatte in den Sozialen Medien schaltete sich auch Stefan Steinkühler (Grüne) ein. Er fragt, warum die Masken, die weniger den Träger als das Gegenüber schützen, nicht besser der jüngeren Generation gegeben würden, da die Älteren besser zu Hause bleiben sollten. Mike Rexforth sagt dazu, dass er diese Argumentation nachvollziehen könne, es ihm bei der Entscheidung aber darum gegangen sei, „bei der Hochrisikogruppe die Angst rauszunehmen“. Zudem seien die Masken „ein klares Signal für mehr Abstand“.

Lesen Sie jetzt