Coronavirus trifft Reisebranche: „Es gilt, nicht trübsinnig zu werden“

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Das Coronavirus hat Tourismusbranche und Reisebüros mit voller Wucht getroffen. Frank Herbrechter vom Schermbecker Reisebüro spricht über viel Arbeit - bei kaum Umsatz.

Schermbeck

, 31.03.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Umsatzausfall bei den deutschen Veranstaltern und Reisebüros summiert sich nach Hochrechnung des Deutschen Reiseverbandes auf rund 5 Milliarden Euro für März und April, Tendenz steigend. Die Einnahmen sind auf fast null zusammengebrochen.

? Herr Herbrechter, wie bewerten Sie die derzeitige Situation?

Das Schlimmste daran ist, dass diese Krise andauern wird. Binnen weniger Tage brachte das Virus den Tourismus weltweit zum Erliegen. Der deutsche Pass ermöglicht im Moment noch nicht einmal mehr die Einreise nach Österreich, Dänemark oder Spanien. Sogar über unsere deutschen Nordseeinseln ist ein komplettes Embargo verhängt. Ganze Flugzeugflotten bleiben am Boden, Kreuzfahrtschiffe liegen in den Häfen vertäut und die Hotels sind geschlossen.

? Wie sind Sie als Reisebüro von den gegenwärtigen Beschränkungen betroffen?

Die Schönwetter-Branche Tourismus hat es besonders schwer getroffen, die Reisebüros wohl am stärksten. Im letzten Jahr reisten fast 2 Milliarden Menschen weltweit, vor knapp einem Monat flogen überall Flugzeuge und wurden Urlaubspläne geschmiedet und jetzt fahren Airlines, Hotels, Reiseveranstalter, Reedereien und Reisebüros ihre Aktivitäten radikal herunter und sind in ihrer Existenz bedroht – überall. In den deutschlandweit behördlich geschlossenen Reisebüros meldet man sich nur noch telefonisch oder per Mail, um einen geplanten Urlaub zu stornieren oder langfristig umzubuchen.

? Haben Sie trotz der gegenwärtigen Situation noch Hoffnung auf eine positive Wende?

Die Zeiten, so Gott will, werden sich vielleicht bald wieder ändern. Es gilt, nicht trübsinnig zu werden, bis die ersten Flugzeuge wieder fliegen, sich Schlagbäume und Hotels öffnen und die Kreuzfahrtschiffe wieder fahren. Die Deutschen sind Reiseweltmeister und ein Virus wird uns diesen Titel nicht nehmen können.

? Wie sieht derzeit der Arbeitsalltag im Reisebüro aus?

Die Crew des Schermbecker Reisebüros und sicherlich alle Reisebürokollegen auf der Welt bekommen sekündlich Anrufe, Mails und Nachrichten über die Sozialen Netzwerke. Es geht dort um aktuell brennende Urlaubsfragen, Tipps und Einschätzungen. Alle versuchen, bestmöglich zu helfen, egal, wo die Gäste auf der Welt festsitzen, welche Reise bevorsteht oder noch in der Ferne liegt. Deshalb antworten die Kolleginnen und Kollegen zu jeder Uhrzeit, auf allen Kanälen. Sie hängen sich in Warteschleifen, buchen um und unterstützen, ohne einen Mehrpreis zu verlangen. Es geht primär darum, die Gäste zurück in die Heimat zu holen und aktuell Abreisen rückabzuwickeln. Wichtig ist: Es wird kein Kunde und auch kein fremder Online-Kunde, der sich hilfesuchend an das Schermbecker Reisebüro wendet, abgewiesen.

? Welche Bedeutung haben Reisebüros vor Ort?

Fast alle Reisepreise sind minutenaktuell und jedes Reisebüro findet diese genauso online und bucht für die Kunden ohne Aufpreis. Und wenn jemand einmal einen günstigeren Preis findet, sollte er nachfragen, woher der resultiert: Reisebüros bieten Krisenmanagement und Ansprechpartner vor Ort. Außerdem verbleibt Geld im Ort, das Arbeitsplätze und die Bequemlichkeit, ortsnah zu buchen erhält, und Leerstand in den Städten und Gemeinden wird vermieden. Auch Steuern werden lokal gezahlt und nicht in Nachbarländern. Wir bilden aus, bieten Praktika, unterstützen Vereine und die Jugend.

? Welche Bitte haben Sie an die Verbraucher?

Eine gute Reise beginnt und endet immer in der Heimat. Bleiben Sie reiselustig! Und wenn der Tag wieder kommt, wenn wir alle wieder frei unterwegs sein können, dann stürmen Sie bitte nicht die Online-Portale. Gehen Sie ins Reisebüro, zu Menschen, die auch schon vor und während der Krise präsent waren, lassen Sie sich beraten und buchen Sie Ihre Urlaube und helfen Sie dadurch, die Arbeitsplätze einer ganzen Branche zu sichern.

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