„Da fühlt man sich wie ein Idiot“

Ärger mit Glasfaser-Technik

„Die Glasfaser lässt einen mit seinen Problemen im Regen stehen.“ Dieses Gefühl hat Jürgen Gruetzmann, der sich seit der Umstellung auf das Netz der „Deutschen Glasfaser“ mit der Technik herumärgert.

Schermbeck

von Von Berthold Fehmer

, 08.11.2017, 17:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der 74-jährige Schermbecker Jürgen Gruetzmann ärgert sich seit der Umstellung auf Glasfaser über die Schwierigkeiten, die die neue Technik ihm bereitet. Foto: Berthold Fehmer

Der 74-jährige Schermbecker Jürgen Gruetzmann ärgert sich seit der Umstellung auf Glasfaser über die Schwierigkeiten, die die neue Technik ihm bereitet. Foto: Berthold Fehmer © Foto: Berthold Fehmer

Das Analoge wird verschwinden“, habe ein Bekannter ihm mal gesagt, so Gruetzmann. Der 74-Jährige unterschrieb im April 2016 einen Vertrag mit der „Deutschen Glasfaser“. „Versprochen wurde damals ein Gutschein über 20 Euro für eine örtliche Gastronomie. Da warte ich bis heute drauf.“

Gruetzmann wohnt an der Schienebergstege und kann aus dem Fenster den „PoP“ des Unternehmens sehen, den Knotenpunkt, von dem die Glasfaser in die Häuser führt. Im Frühjahr sei der Anschluss an seinem Haus gelegt worden. „Muss ich ein Kabel haben zum Fernseher?“, habe er damals gefragt. „Das funktioniert auch über WLAN“, habe man ihm gesagt. Grützmann zeigt auf das Netzwerkkabel, das er mittlerweile vom Router zum Fernseher durchs Wohnzimmer gelegt hat.

Senderreihenfolge

Viel erwartet Gruetzmann eigentlich nicht. Er buchte das Fernsehpaket DGTV, will ab und zu eine Sendung aufzeichnen, Handwerker-Videos im Internet schauen. „Ich möchte in meinem Alter noch das Drechseln erlernen“, sagt der Rentner. Bis zum Keller, wo seine Werkstatt ist, reiche das WLAN aber nicht – vorher sei das gegangen. Auch die Telefon-Umstellung lief nicht reibungslos. Die Telekom habe seine Nummer erst nach vier Wochen freigegeben – in der Zeit sei er nur über eine Ersatznummer, die kaum jemand kannte, erreichbar gewesen. Am meisten ärgert sich Gruetzmann über das Fernseh-Angebot. „Ich zeige Ihnen das mal“, sagt er, drückt auf die Fernbedienung und bekommt als erstes den Spartensender „Anixe“ zusehen. Es folgen Shopping-Kanäle, Musiksender. Erst nach vielfachem Drücken erscheinen ARD und ZDF. WDR liegt auf Platz 117. „Das ist umständlich.“

Telefon-Marathon

Fast täglich telefonierte Gruetzmann mit dem DG-Kundendienst, fast immer mit anderen Mitarbeitern, die Hinweise gaben, wie die Geräte einzustellen seien. Eine Dame habe sich besonders viel Zeit genommen, sagt Gruetzmann lobend, und er habe seinen Nachbarn dazu geholt, um auszuschließen, dass er etwas falsch mache. „Da fühlt man sich wie ein Idiot.“ Alle Versuche scheiterten. Dann sei wohl das Gerät defekt, habe die Dame am 24. Oktober gesagt, man schicke eine neue Set-Top-Box. Auch darauf wartet Gruetzmann bis heute. „Ich musste betteln, um eine Gebrauchsanweisung und eine Senderliste zu erhalten“, sagt der Rentner. Er solle eine E-Mail schreiben, habe ihm der Kundendienst geraten. Gruetzmann: „So was habe ich noch nie gemacht.“ Er bekam eine Gebrauchsanweisung mit 15 Seiten und den Hinweis, er solle die von ihm gewünschten Sendungen in der Mediathek suchen. Das Kapitel über die Mediathek findet sich aber auf Seite 18.

„Das muss verstellt worden sein“

Christof Sommerberg, Sprecher der Deutschen Glasfaser, sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass in dem Fall wohl einiges schief gelaufen sei. Er werde seine Kollegen darauf ansetzen. Über die genannte Senderreihenfolge wunderte sich der Sprecher: „Eigentlich müsste das mit ARD und ZDF losgehen, das muss verstellt worden sein.“ Gebrauchsanweisungen gebe es nur auf Anfrage gedruckt, so Sommerberg, da sein Unternehmen davon ausgehe, „dass jemand der Glasfaser-Anbindung bestellt, auch das Internet rudimentär nutzt“. Ein Problem sei die Unterschiedlichkeit der Nutzer. „Die ältere Klientel möchte vielleicht nur einen Ersatz für das Analoge, andere wollen die Bandbreite der Angebote nutzen.“

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