Das sind die Gewinner des Klimaschutzpreises

Klimaschutz

Vor dem Klimaschutzpreis kommt die Arbeit. Bernd Abel sagt, er sei mit seinem Plan erst „auf keine Gegenliege gestoßen“. Und Hildegard Daldrup: „Ich bin ganz schön angegangen worden.“

Schermbeck

, 01.11.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das sind die Gewinner des Klimaschutzpreises

Thomas Heer (l.), Dirk Krämer (hinten 2.v.r.) und Mike Rexforth (r.) zeichneten die Klimaschutzpreis-Gewinner aus: Bernd Abel, Hartmut Neuenhoff und Ernst Steinkamp von den Dammer Schützen, das Ehepaar Hubert und Christa Schwan sowie Hildegard Daldrup © Berthold Fehmer

Die Gemeinde Schermbeck und das Energieunternehmen innogy zeichnen jährlich die Gewinner des Klimaschutzpreises aus, der mit insgesamt 1000 Euro dotiert ist. Pfadfinder und Landjugend gewannen im letzten Jahr den Preis für das Anlegen einer Wildblumenwiese und den Bau von Insektenhäuschen.

In diesem Jahr gab es gleich drei Preisträger, die von Klimaschutzmanager Thomas Heer, Dirk Krämer (innogy) und Bürgermeister Mike Rexforth ausgezeichnet wurden.

1. Platz: Schützenverein Damm

Bernd Abel, Präsident der Dammer Schützen, erinnert sich an die Vorstandsversammlung, in der er seine Umweltschutzpläne ansprach. „Das ist auf keine Gegenliebe gestoßen.“ Mit einigen Vereinsmitgliedern, die sich offen zeigten, arbeitete Abel weiter an den Plänen, aus denen schließlich ein 40 mal 4 Meter großer Blühstreifen rund um die Schießanlage des Vereins resultierte. Auch schuf der Verein eine Vogelhecke, die vielen Vögel als Nist- und Brutplatz dient. Dafür gab es den ersten Platz, 500 Euro Preisgeld erhält der Verein. „Eine superschöne Ecke“ sei die Schießanlage, sagt Abel.

Das sind die Gewinner des Klimaschutzpreises

Der Blühstreifen am Schießstand. © Schützenverein Damm

2. Platz: Ehepaar Schwan

In Overbeck hatte das Ehepaar Christa und Hubert Schwan eine 17.000-Quadratmeter-Wiese gekauft. „Nicht zum Spaß“, wie Christa Schwan sagt, sondern weil das Ehepaar auf dem ehemaligen Nelskamp-Betriebsgelände Bäume und Sträucher roden musste und dafür Ersatzpflanzungen vornehmen musste. Schlehdorn- und Weißdorn-Hecken, Apfelbäume, Nistkästen, Wildblumen, eine Totholzecke bieten nun der heimischen Tierwelt Unterschlupf - für Nahrung sorgt das Ehepaar. „Es kamen immer mehr Vögel - jetzt müssen wir auch füttern“, sagt Christa Schwan. Täglich acht Kilogramm (!) Vogelfutter erhalten die geflügelten Besucher. Dafür gab es den zweiten Platz und 300 Euro Preisgeld.

3. Platz: Hildegard Daldrup

Seit 13 Jahren lebt Hildegard Daldrup in Gahlen und hat in ihrem Vorgarten eine Blumenwiese eingesät. „Die musste ich nie wieder neu einsäen.“ Einige Nachbarn hätten sich daran bereits ein Beispiel genommen. In den letzten Jahren sei sie aber entsetzt gewesen, wie viele Nachbarn Steingärten angelegt hätten.

„Zwölf in meiner unmittelbaren Umgebung. Sogar eine Frau, die sonst auf Bio stand.“ Daldrup spricht die Menschen auf solche Schottervorgärten und eine mögliche Umwandlung in eine Blumenwiese an. Sie sagt aber auch: „Das ist ganz schön schwierig. Ich bin schon ganz schön angegangen worden.“ Oft hat Daldrup bei Gängen durch die Gemeinde auch Blumenwiesensamen dabei und sät hier und da Blumen an. „Guerilla-Gärtnern“ würde man so etwas unter jungen Leuten nennen. 200 Euro Preisgeld und den dritten Platz gibt es dafür.

Das sind die Gewinner des Klimaschutzpreises

Hildegard Daldrup hat oft Blumenwiesensamen dabei. Und verteilt diesen hier und da in der Gemeinde. © Berthold Fehmer

Bürgertischrunde zum Klimaschutz

Klimaschutzmanager Thomas Heer sagt, es gehe nicht darum „feindliche Lager“ zu schaffen. „Nicht mit Verboten und erhobenem Zeigefinger“ wolle man ein Umdenken in den Verhaltensweisen erreichen. Wer sich für Klimaschutz interessiere, könne auch bei der neuen Bürgertischrunde zum Klimaschutz mitmachen, die an jedem ersten Mittwoch im Rathaus von 16 bis 18 Uhr geplant sei. Interessenten könnten sich bei E-Mai (klimaschutz@schermbeck.de) bei ihm melden.

Die Gemeinde prüfe gerade die Vorschläge, die von Privatleuten als Potenzialflächen für Blühstreifen gemeldet wurden. Geprüft werde etwa, ob Flächen einsehbar seien und man mit einem Schild über das Vorhaben informieren könne. Oder auch, ob die Umwandlung finanzierbar sei.

Pflanzaktion könnte ausgeweitet werden

Auch die von Rexforth initiierte Blumenzwiebelpflanzaktion, an der sich viele seit Jahren beteiligen, könnte sich verändern. Jetzt diene sie noch eher dem sozialen Zusammenhalt und sei „etwas fürs Auge“, sagt Heer. Es werde aber überlegt, so Rexforth, ob man die Aktion ausweite und auch Pakete mit Samen für Blumenwiesen im nächsten Jahr ausgebe.

Das Umdenken in der Gemeinde scheint in vollem Gange. Hubert Schwan schilderte eindrucksvoll, wie er in seiner Kindheit vom Klassenfenster aus eine wachsende Müllhalde in Gladbeck beobachtete: „Da hat es bei mir Klick gemacht.“ Seine Forderung an alle: „Wir müssen uns vom Schädling zum Nützling entwickeln.“

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