Den Umgang der Landesregierung mit der Schermbecker Wölfin kritisiert der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Wolfsgebiet Schermbeck

„Der Wolf, das Lamm, Murks“: Landtagsabgeordneter kritisiert Regierung

Die Landesregierung lässt klare Linien beim Umgang mit Wölfin GW954f vermissen: Dieser Meinung ist SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider, der Vergleiche zu anderen Bundesländern zieht.

Was René Schneider vom Umgang der Landesregierung mit der Schermbecker Wölfin hält, wird bereits in der Überschrift seiner „Kleinen Anfrage“ an die Landesregierung deutlich: „Der Wolf, das Lamm, Murks“ – eine Abwandlung des Fernseh-Streichs von Hape Kerkeling aus dem Jahr 1991.

Schneider führt in seiner Anfrage aus, dass es mittlerweile drei Wolfsgebiete in NRW gibt (Schermbeck war das erste), aber weiterhin nur einen Herdenschutzberater für das gesamte Bundesland, „dessen Stelle zudem bis zum 31.12.2020 befristet ist“. Schneider fragt, ob weitere Herdenschutzberater bei der Landwirtschaftskammer geplant sind, „um den zukünftig steigenden Beratungsbedarf der Tierhalter zu decken“.

Was unterscheidet intensives von normalem Wolfsmonitoring?

Die Wölfin GW954f habe im Schermbecker Wolfsgebiet bereits für „erhebliche Schäden bei den dortigen Tierhaltern gesorgt“, so Schneider. Die von der Landesregierung finanzierten Herdenschutzmaßnahmen reichten nicht aus. Schneider: „Das Ministerium hat in Absprache mit dem LANUV auf die hohe Schadenfrequenz reagiert, indem es ein ‚intensiviertes‘ Wolfsmonitoring eingeführt hat.“ Wo genau die Unterschiede zum „normalen“ Wolfsmonitoring liegen, will Schneider beantwortet haben.

In Niedersachsen habe sich die dortige Landesregierung bereits in mehreren Fällen entschieden, auffällige Wölfe zu entnehmen. Darunter verstehe man dort Wölfe, „die dreistes Verhalten aufweisen, das zur Gefährdung eines Menschen führen kann. Auch notorisches Verhalten, z.B. wenn ein Wolf sich selbst durch Präventionsmaßnahmen nicht vergrämen lässt, das zu Akzeptanzverlust führen kann und damit der gesamten Wolfspopulation schadet, wird darunter verstanden. Ein auffälliges Verhalten bedeutet fast immer, dass unerwünschtes Verhalten wiederholt und teilweise auch mit steigender Intensität gezeigt wird.“

Gerichtsurteil in Lüneburg

Folge man, so Schneider, einem „Urteil des OVG Lüneburg in einem dort ähnlich gelagerten Fall wie in Schermbeck, wäre eine letale Entnahme der Wölfin GW954f in Schermbeck bereits heute rechtlich möglich“.

Schneider will von der Landesregierung wissen, wie der aktuelle Wolfsmanagementplan „mit der Fokussierung auf einzelne Wölfe überarbeitet werden (müsste), um den Rudelbildungen der Wölfe gerecht zu werden“.

Auf die Schermbecker Situation bezogen stellt Schneider zwei Fragen: „Wie auffällig oder auch dreist muss die Wölfin GW954f noch werden, bis sich das Ministerium zur Entnahme entscheidet?“ Und: „Welche Alternativen gibt es, um eine Entnahme zu verhindern und dabei gleichzeitig künftige gravierende Schäden an der örtlichen Tierpopulation weitestmöglich zu stoppen?“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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