Der Wolf hat in Gahlen kaum Freunde

Wolfsgebiet Schermbeck

Beim Info-Abend der FDP in der Gaststätte Schult in Dorsten-Östrich waren Kritiker am Donnerstagabend in der Überzahl. Inhaltlich gab es in der Diskussion über den Wolf aber wenig Neues.

Gahlen, Östrich

, 25.01.2019, 14:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Wolf hat in Gahlen kaum Freunde

Etwa 120 Bürger kamen zur Informationsveranstaltung zum Thema Wolf in den Saal der Gaststätte Schult. © Helmut Scheffler

Mit etwa 120 Besuchern blieb die Zahl der Besucher deutlich hinter den Interessenten an den Veranstaltungen im Café Holtkamp und in der Aula der Gesamtschule Hünxe zurück.

Neu war die Zusammensetzung des Podiums. Während bei Holtkamp und in Hünxe Vertreter der Behörden bzw. der Naturschutzverbände auf Fragen der Zuhörer antworteten, standen diesmal Politiker sowie Vertreter von Berufsverbänden der Tierhalter an drei Podiumstischen, um Fragen aus dem Kreis der Zuhörer zu beantworten. Der FDP-Ortsvorsitzende Simon Bremer und der als Moderator fungierende Kreisvorsitzende Bernd Reuther begrüßten vier Gesprächsteilnehmer.

Eine Ideologie, die den Sachverstand verdrängt

FDP-Bundestagsmitglied Karlheinz Busen bewertete einen Großteil der öffentlichen Diskussionen um den Wolf als Ideologie, die den Sachverstand verdränge, kritisierte die bisherigen Maßnahmen zum Herdenschutz und forderte ein bundeseinheitliches Wolfs-Monitoring, in das auch die europäischen Nachbarn mit einbezogen werden müssten. Den Behörden warf er vor, mit falschen Zahlen zu operieren. Er selbst gab an, in Europa seien 20.000 Wölfe unterwegs, die „sich pro Jahr um 30 Prozent vermehren“ würden. „Wir wollen die Zahl der Wölfe auf ein vernünftiges Maß zurückführen“, kündigte Busen an.

Was in der Einladung als „Podiumsdiskussion“ angekündigt war, entpuppte sich als eine fortwährende Frage- und Antwortrunde, wobei – bis auf eine einzige Ausnahme – die Fragen und Statements der Zuhörer den Podiumsteilnehmern Steilvorlagen für all die Kritik lieferten, die in der Summe von den Podiumsteilnehmern als eine völlig verfehlte Vorgehensweise beschrieben wurde.

„Ohne Jagd funktioniert die Kontrolle der Wölfe nicht“

Ein Dorstener Bürger und das Drevenacker FDP-Mitglied Dr. Manfred Wüstemeyer meldeten sich ebenso mit wolfskritischen Feststellungen beziehungsweise Fragen zu Wort wie Bernd Kleinsteinberg und Jürgen Höchst als Mitglieder des Gahlener Bürgerforums, eine Frau, die auf Gefahren für Autofahrer verwies, und ein Kaufmann und Jäger, der von seinen Erfahrungen „in vielen Ländern“ berichtete und zum Schluss kam, dass „ohne Jagd die Kontrolle der Wölfe nicht funktioniert.“

Zu recht unsachlichen und hitzigen Auseinandersetzungen kam es kurzzeitig zwischen einem Teil der Zuhörer und dem Wolfsbefürworter Jos de Bruin aus Sonsbeck, der sich selbst als „Wolfsbotschafter“ bezeichnete und auf seine 20-jährige Wolfsberatung und den konfliktfreien Umgang mit Wölfen in diesem Zeitraum verwies. Er korrigierte die von Busen genannte 30-prozentige Vermehrungsquote und nannte 0,5 Prozent. Maik Dünow verwies als Sprecher der Berufsschäfer in NRW auf die Bedeutung der Schafshalter für die Gesellschaft, auf zu hohe Kosten für den Herdenschutz und auf eine viel zu geringe Entschädigung. „Ich bin total verängstigt, wie man mit Schäfern und Weidetierhaltern umgeht“, stellte Dünow fest.

Der Wolf ist streng geschützt

„Nach der FFH-Richtlinie ist der Wolf streng geschützt und solange keine anderen politischen Entscheidungen getroffen werden, sind wir machtlos“, bilanzierte Werner Schulte, stellvertretender Jagdberater des Kreises Wesel, und forderte „ein europaweit einheitliches und ehrliches Management“. Er verwies auf Niedersachsen, wo das gesamte Wolfsmanagement von der Jägerschaft übernommen werde. Tierschutz sei nicht teilbar. Für Schafe und Rinder müsse derselbe Schutzanspruch gelten wie für Wölfe.

Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel, verwies auf die Gefahren durch ausbrechende Rinderherden, auf die Veränderung der Landschaft in den letzten 150 Jahren. Er forderte eine Obergrenze für Wölfe und die Möglichkeit, die Tiere auch zu jagen.

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