Digitalisierung zwingt Unternehmen zur Veränderung

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Die Digitalisierung zwingt Schermbecker Firmen zur Veränderung. Wir sprachen dazu mit Wolfgang Lensing: „Ich habe gleich noch ein Video-Gespräch mit Kunden. Die sitzen an der Nordsee.“

Schermbeck

, 24.02.2019, 14:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Digitalisierung ist komplex und vielschichtig. Dass sich ein Mittelständler oder ein

Handwerksunternehmen eine Homepage baut oder in Sozialen Netzwerken präsentiert – geschenkt. Das ist seit Jahren Standard.

Doch nicht nur die Außendarstellung, sondern die Abläufe in Unternehmen sind im Wandel. Das merkt Wolfgang Lensing, Mitarbeiter der Volksbank Schermbeck und Vorsitzender der Werbegemeinschaft, seit Jahren. Überweisungen, die am Schalter per Hand ausgefüllt werden, werden durch QR-Codes auf Rechnungen und Smartphone-Apps realisiert. Früher hätten zwei, drei Mitarbeiter Kontoauszüge vom Rechenzentrum per Hand sortiert, die Kunden diese persönlich abgeholt. Mittlerweile gehen die Auszüge direkt ins elektronische Postfach.

„Es hat uns nicht so hart getroffen wie die Musikindustrie“

Lensing kann noch viele weitere Beispiele aufzählen, wie die Digitalisierung die Arbeit in der Bank verändert hat. Vom Tempo und Marktdruck gab es allerdings Branchen, die schneller reagieren mussten. „Es hat uns nicht so hart getroffen, wie die Musikindustrie.“

Doch auch der Bankensektor steht in Konkurrenz. Man bekomme häufig innovative Digital-Lösungen angeboten, müsse aber stets prüfen, ob diese den Sicherheitsbestimmungen genügen, so Lensing. So könne man etwa die Video-Beratung nicht über einen der verbreiteten Messenger-Dienste anbieten, weil die Daten über amerikanische Server gehen. Und auch beim neuesten Service, der Beratung per WhatsApp, müsse man Kunden sensibilisieren, welche Daten dort transferiert werden dürfen. „Man würde ja auch seine Kontoinformationen nicht auf eine Postkarte schreiben.“

„Digitale Lotsen“

Wie werden die digitalen Änderungen ins Unternehmen getragen? Teils per Schulungen des Rechenzentrums der Volksbank, teils durch Mitarbeiter, die sich um neue Ideen kümmern und anschließend als „digitale Lotsen“ fungieren, sagt Lensing. Eine Gruppe wurde zum Beispiel gebildet, die sich mit der Zukunft der Volksbank Schermbeck beschäftigte und auch Jugendliche befragte, welche Erwartungen sie an eine Bank hätten.

Was die Infrastruktur betrifft, hat die Gemeinde mit der Glasfaser-Versorgung im Ortskern und demnächst auch im Außenbereich einen Vorteil gegenüber vielen anderen Kommunen. „Fit für die Zukunft“ mache dies die Gemeinde, hofft Wirtschaftsförderer Gerd Abelt. Im Herbst soll noch das kostenfreie WLAN an der Mittelstraße hinzukommen, möglich gemacht durch eine EU-Förderung.

Plattformen wie „Schermbeck Deals“ oder die Schermbeck-App könnten helfen, Unternehmen sichtbarer zu machen, sagt Lensing als Vorsitzender der Werbegemeinschaft. Abelt weiß aus Gesprächen mit Unternehmen, dass einige einen Großteil ihrer Produkte online absetzen.

Die Volksbank habe von der Verlegung der Glasfaser zwar auch profitiert, sagt Lensing. Aber die sicherheitsrelevanten Daten dürfe man nur über das Netz der Telekom verschicken. „Da gibt es Verträge, das ist reguliert.“

„Wettbewerbsfähig bleiben“

Bei aller Digitalisierung gehe es aber auch darum, auszuwählen, sagt Lensing. „Die Frage ist, wo wir ran müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Eine weitere Frage sei, wie man Mitarbeiter beschäftige, deren Aufgabengebiete zum Teil von Algorithmen übernommen würden.

„Es ist jetzt anders, aber nicht unbedingt schlechter“, sagt Lensing über den Bank-Alltag. Die Video-Beratung von Kunden, die stark nachgefragt werde, weil viele nicht in Schermbeck wohnen oder arbeiten, mache neue Arbeitsmodelle möglich. Einige Kolleginnen („unsere Mütter“), die nicht Vollzeit arbeiten wollten, könnten als Teilzeitkräfte die Video-Beratung sogar von Zuhause aus übernehmen.

Manches könne vom Algorithmus erledigt werden, intensive Beratung erfordere aber die menschliche Komponente, ist Lensing überzeugt. Digitalisierung geschehe nicht „von heute auf gleich“, aber sie halte in vielen Bereichen des Alltags Einzug.

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