Endlich wieder auf einer Party auflegen: Das wünscht sich Thomas Averkamp (M.) alias DJ Tom. © privat
Back2theroots

DJ Tom plant „Back2theroots“- und andere Partys

Sehnsüchtig wartet DJ Thomas Averkamp auf den Starttermin für Diskos und große Partys. Drei Partys im Ramirez plant er und erzählt, wann er sich in der Kühlkammer verstecken musste.

In seinen fast 35 Jahren als DJ hat Thomas Averkamp noch nie so eine Durststrecke erlebt wie in der Corona-Pandemie. Hauptberuflich betreibt der Schermbecker mit seinem Bruder Daniel mehrere Vodafone-Shops, unter anderem in Dorsten und Schermbeck. Deshalb seien zwar Einnahmen aus Veranstaltungen weggebrochen, aber zumindest lief es finanziell besser als bei vielen Bekannten Averkamps aus der Veranstaltungs- und Disko-Branche.

„Viele mussten Insolvenz anmelden, oder sich einen anderen Job suchen“, sagt Averkamp. „Die Regierung hat diese Branche nicht beachtet und links liegen gelassen.“ Zugesagte Hilfen seien zum Teil nicht geflossen. „Es laufen viele Leute noch dem Geld hinterher.“

Letzter Einsatz an Karneval 2020

An seinen letzten Einsatz als DJ kann sich Averkamp noch erinnern: Karneval, Ende Februar 2020. Averkamp. „Es war schnell absehbar, dass Veranstaltungen und Diskos, die als erste geschlossen wurden, als letzte wieder aufmachen werden.“ Er kann das gut verstehen, da in der Duisburger Disko Jansen, wo er regelmäßig auflegte, an Spitzentagen 2.000 Gäste verbucht wurden.

Dass Musik das große Hobby von Thomas Averkamp werden würde, merkte er schon 1984/85 im Evangelischen Jugendheim in Schermbeck. 1986 fing er an, in Schermbecks damaliger Disko „Melody“ als Kellner zu arbeiten, was ab und zu für Nervenkitzel sorgte: „Ich war 16 Jahre alt – wenn das Ordnungsamt zum Kontrollieren kam, habe ich mich in der Kühlkammer versteckt.“

Von den DJs im „Melody“ wurde Averkamp „angelernt“ und übernahm 1987/88 die „Teenie-Disko“: immer sonntags von 15 bis 18 Uhr mit bis zu 200 Besuchern. „Das lief sehr erfolgreich. So kam ich zur Musik.“

Diskotheken und Musikproduktionen

Die Großraumdiskos Fantasy in Dülmen, Bierdorf in Werl, Miami in Dortmund, das Prisma in Dorsten und Dortmund und das PM in Moers waren weitere Stationen. Seit Jahren ist DJ Tom im Jansen Duisburg regelmäßig gebucht gewesen. Nebenbei startete er auch eigene Musikproduktionen Mitte der 1990er-Jahre und arbeitete mit bei namhaften Produzenten wie Tony Catania („Scatman“) oder Bernd „Natze“ Schöler (Olaf Henning).

Seit 19 Jahren organisieren Thomas und Daniel Averkamp mit der „Back2theroots“-Veranstaltungsagentur die gleichnamigen Partys, die rund 600 Gäste, zu Spitzenzeiten auch schon mal 800, anlockten. „Öffentliche Partys rechnen sich bis 100 Leute gar nicht“, sagt Averkamp über derzeit erlaubte Veranstaltungen bis 100 Personen. Denn der Kostenapparat (Vergnügungssteuer, Security, Licht- und Tonanlage, Werbung usw.) sei zu groß. In Schermbeck würden viele Sponsoren bei den Partys helfen, die Kosten in den Griff zu bekommen.

Partyraum zum Trainieren eingerichtet

Was macht ein DJ ohne Diskos oder Veranstaltungen? „Ich habe mir zu Hause einen eigenen Partyraum eingerichtet. Etwa 30 Quadratmeter groß mit Tanzfläche und Lichtequipment.“ Im Prinzip das, was er auch bei Hochzeiten an Technik aufbauen würde. Sein fünfjähriger Sohn habe damit „richtig Spaß“ gehabt, sagt Averkamp, der diesen Partyraum aber vor allem nutzt, „damit ich im Thema bleibe“. Üben, für den Tag, wenn Feiern und Tanzen wieder möglich sind.

Ab September, so die Ankündigung des Landes, könnte das der Fall sein. Doch ob das wirklich so ist und wie dann die Bestimmungen sind, weiß noch niemand. „Bis September ist noch weit hin“, sagt Averkamp. „Die Veranstalter, die Diskotheken-Betreiber wollen langsam wieder Planungssicherheit.“

„Die brauchen mehr Vorlauf als wir“

Dass große Festivals für den Sommer abgesagt wurden, dafür hat Averkamp Verständnis. „Die brauchen mehr Vorlauf als wir. Wir brauchen Mitte August Bescheid, wie es weiter geht.“ Wenn Veranstaltungen dann nur mit negativem Test möglich seien, glaubt Averkamp, dass die Gäste dafür Verständnis hätten. „Viele sind wieder heiß, die im Umkreis Dorsten/Schermbeck wieder feiern wollen.“ Auch eine Kontaktverfolgungsmöglichkeit per App wäre laut Averkamp kein Problem.

Was sich Averkamp aber nicht vorstellen könnte, wäre eine Party mit Maskenpflicht. „Das machen die Gäste nicht mit.“ Auch eine Begrenzung oder gar Abstandsregeln auf der Tanzfläche kommen für Averkamp nicht in Frage: „Wenn dann nur zehn Leute auf eine Fläche dürften, wo normalerweise 100 tanzen würden, dann hat da auch keiner Lust drauf.“ Wie gesagt: Wie genau die Regeln ab September aussehen, ist noch unklar. „Man weiß nicht, wo die Reise hingeht.“

Drei Partys sind geplant

Trotzdem: Mit Dirk Zerressen vom Ramirez sind nun drei Partys für Oktober, November, Dezember anvisiert: eine Back2theroots-Party, eine Allison-Melody-Marathon-Revivalparty und eine Jubiläumsparty. Letztere bezieht sich auf Averkamp selbst, der im Oktober vor 35 Jahren erstmals im Melody auflegte. Über Termine wird noch informiert – zunächst stehen Gespräche mit der Gemeinde über Konzepte an.

Der DJ würde sich allerdings auch darüber freuen, wenn die Prisma-Revivalpartys im Creativ-Quartier Fürst Leopold in Dorsten wieder starten, wo er regelmäßig auflegte. Insgesamt bleibe aber abzuwarten, wie die Infizierten-Zahlen sich entwickelten, so Averkamp. „Ich halte nichts davon, wenn man zu schnell zu viel lockert. Da haben wir alle nichts von!“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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