Erfinder des Grillfleischautomaten schließt seine Schermbecker Fleischerei

mlzLandfleischerei Hegemann

Er erfand den Grillfleischautomaten und war laut eigener Aussage der Erste, der Käse in die Bratwurst mischte. Nun schließt Norbert Hegemann seine Schermbecker Landfleischerei.

Schermbeck

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Alles muss raus! 30 Prozent auf alles! Die vor allem von Möbelhäusern bekannten Slogans gelten an diesem Dienstag auch an der Freudenbergstraße in Schermbeck. Es ist der letzte Tag der Landfleischerei Hegemann. Um 18.30 Uhr schließt Norbert Hegemann seinen Laden ein letztes Mal ab.

Am Nachmittag sind die Auslage und die Regale mit den selbst gemachten Gerichten in Konservendosen schon weitgehend leer geräumt. Viele Stammkunden waren da, um sich zu verabschieden und noch einmal ein paar Klassiker mitzunehmen: den beliebten Kochschinken, die hausgemachte Leberwurst und vor allem die Grillspezialitäten.

„Ich war der Erste, der Käsegriller gemacht hat“

1991 übernahm Norbert Hegemann den Betrieb von seinem Vater. Der hatte bis dato hauptsächlich Hausschlachtungen für Landwirte gemacht. Norbert Hegemann setzte fortan vor allem auf Grillfleisch. „Ich war der Erste, der Käsegriller gemacht hat“, sagt er. Manchmal ärgert sich der 50-Jährige, dass er sich die Idee Anfang der 90er nicht hat patentieren lassen.

„Ich kann mich noch erinnern, als ich die ersten Käsegriller zum Grillen mitbrachte“, erzählt der Fleischer. „Einer biss rein und der Käse spritzte raus. Er warf sie weg und rief ‚igitt, Eiterwurst!‘“ Belächelt wurde Hegemann von Berufskollegen anfangs auch, als er mageres Grillfleisch ins Angebot nahm. Rückensteaks und Hähnchenschnitzel, meinten die Kollegen, werden auf dem Grill doch viel zu trocken. „Dass ich richtig lag, zeigt sich heute. Es wird mehr mageres Fleisch gegrillt als fettes.“ Nur die Marshmallow-Wurst war so ein Einfall, den Hegemann dann doch lieber schnell wieder verwarf.

Erfinder des Griffleischautomaten

Experimentierfreudig und innovativ war Hegemann immer. Mit der Erfindung des Grillfleischautomaten, der ihm einen Eintrag im Magazin „Land der Erfinder“ einbrachte, landete er 2003 einen Volltreffer. „Das lief wirklich sehr gut!“ Bis zu zehn Automaten betrieb Hegemann irgendwann gleichzeitig. An warmen Tagen, wenn die Grillfleisch-Nachfrage besonders groß war, kam er mit der Produktion kaum noch hinterher.

Erfinder des Grillfleischautomaten schließt seine Schermbecker Fleischerei

Norbert Hegemann mit seinem Grillfleischautomat im Jahr 2013. Die Erfindung war ein riesiger Erfolg. Bis 2016 betrieb er bis zu zehn Automaten gleichzeitig. © Rüdiger Eggert

Sargnagel für die Grillfleischautomaten war 2017 die gesetzliche Verpflichtung zu einem digitalen Kassensystem. Für Hegemann bedeutete das, dass er sowohl Hard- als auch Software seiner Automaten umrüsten musste. „Das konnte ich nicht mehr leisten.“

Familie blieb auf der Strecke

Zwei Jahre später ist nun Schluss für den gesamten Betrieb. Die Familie sei zunehmend auf der Strecke geblieben. „Wir hatten noch nie richtig Urlaub, also länger als vier Tage“, sagt Hegemann. Meistens musste er auch sonntags arbeiten. Hinzu kamen immer mehr Auflagen und Bürokratie. Und Fachpersonal zu finden sei auch immer schwieriger: „Ich bräuchte zwei junge Gesellen, die das in die Hand nehmen könnten.“

Als der Kreis Recklinghausen ihm eine Ausbildung zum amtlichen Fachassistenten für Fleischkontrolle anbot, zögerte Norbert Hegemann nicht lange. Die Hälfte seiner sechsmonatigen Azubi-Zeit hat er auch schon hinter sich gebracht. Nachmittags arbeitete er, wie an diesem Dienstag, weiter im eigenen Betrieb.

Nachfolger eröffnet am Donnerstag

Am Mittwoch bleibt der Hofladen an der Freudenbergstraße geschlossen, da ist Inventur. Donnerstag ist schon Neueröffnung: Hegemann hat seinen Laden an den Hofladen Slütter aus Bocholt verpachtet. Die meisten Mitarbeiter werden übernommen, einige wenige gehen auf eigenen Wunsch.

Und was die Stammkundschaft am meisten freuen wird: Hegemann hat seinem Nachfolger sämtliche Rezepturen überlassen, Teile des Grillfleisch- und Wurstangebots werden übernommen. Denn nur das Selbstgemachte hat sich verkauft, sagt der Fleischer: „Ich hab‘s auch mal mit zugekauften Produkten probiert, aber die Leute wollten immer nur die Produkte aus eigener Herstellung.“

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