Feuer-Prozess überraschend unterbrochen

SCHERMBECK/DUISBURG Der Prozess um den verheerenden Brand in der ehemaligen Schermbecker Frischei-Fabrik macht dem angeklagten Ex-Juniorchef offenbar schwer zu schaffen. Gestern musste sich der 28-Jährige noch während des laufenden Verfahrens in ärztliche Behandlung begeben.

von Von Jörn Hartwich

, 17.03.2009, 17:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Verlesung des Urteils und die damit verbundenen Erinnerungen müssen den 28-Jährigen allerdings so sehr mitgenommen haben, dass er nach einer Pause nicht auf die Anklagebank zurückkehrte. Die Richter zeigten sich überrascht, Verteidiger Dr. Ingo Minoggio machte ein betretendes Gesicht, sprach dann mit leiser Stimme: „Mein Mandant hat sich in der Pause von seiner Familie abgesondert. Er wollte offenbar alleine sein. Er hat mir nur gesagt, dass es ihm schlecht geht. Er hat mir nicht mehr zugehört, ich habe ihn mit meinen Worten nicht mehr erreicht.“

Auf anwaltlichen Rat wurde der Schermbecker sofort zu seinem Hausarzt geschickt, der einen Erschöpfungszustand feststellte. Eine genauere Diagnose war allerdings nicht möglich, da der Mediziner wegen eines Not-Einsatzes nicht lange genug zur Verfügung stand. Familienangehörige brachten den Angeklagten deshalb sofort zu einem Psychiater, dessen medizinisches Urteil gestern allerdings nicht mehr bekannt gegeben werden konnte.

Den Richtern blieb am Ende nichts anderes übrig, als das Verfahren zu vertagen. Das für gestern eigentlich noch vorgesehene psychiatrische Gutachten zur Schuldfähigkeit des 28-Jährigen soll nun am 30. März erstattet werden. Am selben Tag soll möglicherweise auch plädiert werden. Mit den Urteilen ist dann voraussichtlich am 1. April zu rechnen. Den Angeklagten wird vorgeworfen, das Feuer von Ostern 2003 selber gelegt, beziehungsweise in Auftrag gegeben zu haben, um die Versicherung zu betrügen. Während der 28-Jährige Ex-Firmenchef die Tat gestanden hat, bestreitet der Italiener die Vorwürfe.

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