Seit fünf Monaten gibt es im Wolfsgebiet Schermbeck keinen gemeldeten Nutztierriss mehr. © Manuela Hollstegge (A)
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Fünf Monate ohne Nutztierriss: Lassen die Wölfe jetzt Schafe in Ruhe?

Seit fünf Monaten ist im Wolfsgebiet Schermbeck kein Nutztierriss gemeldet worden. Ist Wölfin Gloria und ihrer Familie der Appetit auf Schafe vergangen?

Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, sagt auf Anfrage: „Es hat auch früher schon Pausen gegeben.“ Pausen, in denen sich die Wölfe im Wolfsgebiet Schermbeck offensichtlich von Wildtieren ernähren und Schafe in Ruhe lassen. Doch nie dauerte eine solche Pause so lange wie jetzt.

Am 1. März 2021 wurde ein Nutztierriss in Hünxe gemeldet, für den später eindeutig Wölfin Gloria per Gen-Probe verantwortlich gemacht werden konnte. Seitdem gibt es in der Auflistung von wolf.nrw.de nur noch einen nachgewiesenen Wildtierriss (Rehwild) vom 7. Juni in Hünxe, der auf das Konto von Wolf GW1587m, den Bruder von Wölfin Gloria, geht.

Längste Pause seit 2018

Eine Pause von fünf Monaten bei Nutztierrissen hat es seit dem Auftauchen von Gloria im Wolfsgebiet Schermbeck im Jahr 2018 nicht gegeben. Erstmals „genetisch überführt“ wurde sie am 7. August 2018 in Schermbeck. Vom 13. Dezember 2018 bis 29. März 2019 gab es eine Pause bei Nutztierrissen. Danach noch einmal eine von fast drei Monaten, bis die Zahl der Nutztierrisse ab Juni wieder deutlich stieg.

Ähnlich war es 2020: Vom 24. Dezember bis zum 26. Juni gab es nur eine Attacke am 15. April 2020 in Hünxe. Doch besonders im August häuften sich wieder die Nutztierrisse (6 Vorfälle). Besonders in der zweiten Jahreshälfte stieg bislang die Zahl der Nutztierrisse stets deutlich an.

Was kann man nun aus der Pause von fünf Monaten schließen? Wilhelm Deitermann will keine Prognosen abgeben: „Man kann nicht ausschließen, dass wieder etwas passiert. Wir können es nicht vorhersagen.“ Klar sei, „und das haben wir auch immer gesagt, dass die Wölfin und ihre Familie sich überwiegend von Wildtieren ernähren“.

„Theoretisch gilt das auch für NRW“

Deitermann sagt aber auch: „Je besser der Herdenschutz ist, desto eher ist zu erwarten, dass solche Nutztierrisse nicht mehr passieren.“ Das zeige die Erfahrung aus anderen Bundesländern, wo nach dem Aufbau des Herdenschutzes weniger Schafe gerissen worden seien. „Theoretisch gilt das auch für NRW.“

Ob dies jetzt schon in Schermbeck, Hünxe und Dinslaken greift oder ob wieder ein „heißer August“ wie 2020 in Gahlen bevorsteht? „Es sind Wildtiere“, sagt Deitermann, der nicht spekulieren mag: „Wir reden über das, was wir wissen.“

Ob der weibliche Welpe, der Ende Juni versehentlich gefangen und wieder ausgesetzt wurde, wieder bei seiner Familie ist, kann Deitermann nicht beantworten. Am 4. Juli wurde das Wolfspärchen mit einem Welpen fotografiert: Ob es die ausgesetzte Jungwölfin war, oder ein anderer Welpe, „lässt sich nicht sagen“, so Deitermann.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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