Roland Tschierpke ärgert sich über das Ordnungsamt. Das hatte ihm empfohlen, an einer Engstelle die Gäste des Eiscafés anzusprechen oder auf die Straße zu fahren. © Berthold Fehmer
Rollstuhlfahrer

Fußweg zugestellt: Rollstuhlfahrer ärgert sich über Ordnungsamt

Als Rollstuhlfahrer hatte Roland Tschierpke Probleme, an Tischen und Stühlen eines Eiscafés vorbeizukommen. Er bat das Ordnungsamt um Hilfe und ärgerte sich über die Antwort.

Seit zehn Jahren ist Roland Tschierpke wegen seiner Multiplen Sklerose auf den Rollstuhl angewiesen. Nach der Eröffnung des neuen Eiscafés an der Mittelstraße musste er immer wieder Gäste ansprechen, ihm an der Engstelle vor dem Café, die durch einen Baum und eine Mauer entsteht, Platz auf dem Fußweg zu machen.

„Die sollen ihren Umsatz haben“, sagt Tschierpke über das Eiscafé „La Fontana“ – gerade auch in der schwierigen Corona-Zeit. Und er sagt: „Die machen tolles Eis.“ Aber dass der Fußweg ihm ständig versperrt wurde, wollte er nicht hinnehmen. Also meldete er sich beim Ordnungsamt.

Man wolle sich darum kümmern, erfuhr er dort. „Ich habe aber nichts gemerkt.“ Als sich Tschierpke nun erneut beim Ordnungsamt meldete, sei ihm gesagt worden, dass es an der Straße bald Änderungen gebe. Auf einen Umbau der Mittelstraße, die sicherlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird, wollte Tschierpke aber natürlich nicht warten. Darauf sei ihm gesagt worden, er könne entweder die Gäste ansprechen oder auf der Straße fahren.

Mit dem Rollstuhl auf die Straße?

Beides sieht der 69-Jährige nicht als Lösung. Auf die Straße, die in diesem Bereich mit Kopfsteinpflaster versehen ist, gelangt man nur über eine Kante. Runterfahren sei noch möglich, so Tschierpke: Dann sei aber die Gefährdung durch Autos gegeben. In Gegenrichtung bergauf und die Kante hochzufahren, das schaffe er aber nicht, sagt er. Das Problem mit dem zugestellten Fußweg habe allerdings nicht nur er: „Was ist mit Müttern mit Kinderwagen? Mit Rollator-Fahrern?“

Angesprochen auf die Problematik sagt Stefano Giampaolo, Chef des Eiscafés, spontan: „Das wussten wir nicht.“ Die zwei Tische mit Stühlen, die Tschierpke als Haupthindernisse ausgemacht hatte, wolle er sofort wegräumen, so Giampaolo. „Kein Problem.“

Aussagen waren „unglücklich“

Bleibt die Frage, warum Tschierpke mit seinem Anliegen nicht beim Ordnungsamt geholfen wurde. Gerd Abelt, Vertreter des Bürgermeisters, räumte auf Nachfrage ein, die Aussagen, dass Tschierpke die Gäste befragen oder auf der Straße fahren solle, seien „unglücklich“ gewesen.

Für die fragliche Fläche gebe es kein „Separationsprinzip“, also eine Unterscheidung zwischen Fußweg oder anderer Fläche, so Abelt, der sich selbst ein Bild von der fraglichen Stelle gemacht hatte. Eine Sondernutzungserlaubnis sei seitens des Bauamts dem Eiscafébetreiber unter der Bedingung eingeräumt worden, dass 1,5 Meter als Fußweg frei bleiben müssten. Dies wolle man nun auch überprüfen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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