GAGU-Zwergenhilfe und Rotarier bauen Ambulanz am Home of Hope in Sierra Leone

GAGU Zwergenhilfe

Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt von der GAGU Zwergenhilfe haben in Sierra Leone den Grundstein für eine Ambulanz gelegt. Neben solch schönen Erlebnissen gab es auch erschütternde Momente.

Schermbeck

, 22.02.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
GAGU-Zwergenhilfe und Rotarier bauen Ambulanz am Home of Hope in Sierra Leone

Am "Home of Hope" wurde die Straße in "Schermbeck Avenue" benannt. © privat

Vom 26. Januar bis zum 10. Februar waren die beiden Schermbecker wieder in Malokko, das in der Nähe der Hauptstadt Freetown liegt. Seit dem letzten Besuch hat sich im Land einiges getan. Es gab Wahlen und die neue Regierung hat etwa kostenlose Schulbücher eingeführt. An den Straßen werde wieder gearbeitet, erzählt Dieter Schmitt, etwas, das während der Ebola-Epidemie 2014 völlig zum Erliegen gekommen war.

Dennoch: Dass Sierra Leone zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, ist immer noch offensichtlich. Strom gibt es für die, die ihn bezahlen können, für einige Stunden nachts sowie sonntags. Sonst nicht, wenn man keinen eigenen Generator hat. Den gibt es im „Home of Hope“, dem Kinderheim, das der Schermbecker Verein betreibt. Er vermittelt derzeit 45 Patenschaften für Kinder. Insgesamt 300 Menschen erreicht der Verein, schätzt die Vorsitzende Gudrun Gerwien, und verbessert oder rettet ihr Leben.

„Sie ist die Jahrgangsbeste“

Im Kinderheim seien einige Kinder zu jungen Erwachsenen geworden, die sich zum Teil nun in einem Internat auf die Universität vorbereiten. Janet, ein Mädchen, das durch eine Patenschaft unterstützt wird, studiert seit einigen Monaten und will Anwältin werden. „Sie ist die Jahrgangsbeste“, sagt Gudrun Gerwien nicht ohne Stolz.

Klar sei aber auch, dass die 25 Euro Patengeld für solche Pläne nicht ausreichen. Für neue Patenschaften müsse man nun 30 Euro pro Monat nehmen, da alles teurer geworden sei, sagt Schmitt. Das gelte etwa für Baumaterialien. „Eine Karotte kostet 40 Cent“, sagt Gerwien. Frisches Obst für 16 Kinder im „Home of Hope“ könne sich der Verein nicht jeden Tag leisten, aber die Kinder können sich jeden Tag satt essen. Ein Privileg in diesem Land.

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Ein Haus für Ebola-Waisen wurde zwischenzeitlich fertiggestellt. Dort zieht etwa eine Mutter mit ihren Kindern ein, deren Mann anderen Ebola-Kranken in der schlimmen Zeit geholfen hat, selbst erkrankte und starb. Die Mutter wird zwei weitere Ebola-Waisenkinder aufnehmen und dafür finanziell unterstützt.

Dass statt zweier Häuser der Architekt nun ein Gebäude mit vier Räumen gebaut wurden, hat Gerwien und Schmitt ein bisschen erstaunt. Und dass keine Betten darin stehen, sondern Matratzen dort liegen, kommentiert Gerwien mit den Worten: „So leben die Leute auf dem Dorf. Wenn die ein Dach über dem Kopf haben, sind die schon Könige.“

Unerfreulich sei, dass die Bäckerei, die der Verein betreibt, gerade ruhe, sagt Gerwien. Der Bäcker sei in ein anderes Dorf gezogen, man suche nach einem Nachfolger. In der Schneiderei haben hingegen fünf von zwölf jungen Menschen nun ihre Ausbildung absolviert und können sich nun selbstständig machen. Für sie sucht Gerwien noch nach Nähmaschinen.

GAGU-Zwergenhilfe und Rotarier bauen Ambulanz am Home of Hope in Sierra Leone

Fünf junge Menschen haben in der Schneiderei der GAGU Zwergenhilfe ihre Ausbildung beendet. © privat

Zudem suche man für sechs Kinder noch nach Nachfolgepaten. Wie sehr eine Patenschaft das Leben eines Kindes verbessern kann, verdeutlicht Gerwien am Beispiel des kleinen Ibrahim. Seine Mutter konnte dem Kind nicht genug zu essen geben. Lange Zeit sah es aus, als würde Ibrahim nie laufen oder sprechen können. Die finanzielle Unterstützung aus Deutschland und ein paar Tipps an die Großmutter, die das Kind aufnahm, bewirkten, dass Ibrahim nun in die Schule geht.

Das Engagement der GAGU Zwergenhilfe verbessert das Leben im Dorf. Der eigene Brunnen am „Home of Hope“ wird auch von den Nachbarn genutzt - Wasser muss ansonsten bezahlt werden. „Wir wollen keinen Neid auf unsere Kinder schüren“, sagt Gerwien.

Hygiene? Ein Fremdwort!

Die Tränen kommen ihr, wenn sie über die ärztliche Versorgung spricht. Eine „Entbindungsstation“ hat sie besichtigt, die nur von Frauen genutzt wird, „die sich das leisten können“. Wenige Medikamente auf einem Regal und ein „Geburtsbett“, das eigentlich eine Matratze ist, „bei der wir uns schämen würden, wenn wir sie als Sperrmüll an die Straße stellten“. Hygiene? Ein Fremdwort.

Tiefe Dankbarkeit empfindet Gudrun Gerwien für Helmut Ackmann, ehemaliger Präsident des Rotary Clubs Lippe-Issel, der mit dem Schermbecker Ehepaar Proff die Unterstützung für die Erfüllung eines Traums der GAGUs möglich machte: eine kleine Ambulanz.

„Sie haben das Feuer wieder entfacht“, sagt Gerwien. Noch immer könnten sich viele Menschen in Sierra Leone keinen Arzt leisten, noch immer sterben viele Kinder, weil sie keine Antibiotika erhalten können. Der erste Geburtstag von Kindern werde immer groß gefeiert, sagt sie. Viele Kinder erreichen diesen Tag nicht.

GAGU-Zwergenhilfe und Rotarier bauen Ambulanz am Home of Hope in Sierra Leone

Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt setzten den Grundstein für eine Ambulanz, die im kommenden Jahr die medizinische Versorgung im Dorf verbessern soll. © privat

Für die Ambulanz legten Gerwien und Schmitt den Grundstein und hoffen, dass diese nächstes Jahr eröffnet werden kann. 45.000 bis 50.000 Euro Baukosten schätzt Schmitt. Dann müsse man noch einen Arzt finden, der monatlich etwa 150 bis 200 Euro kostet. Einfache Medizin-Technik und Medikamente kommen zu den Kosten hinzu.

Den derzeitigen Stand der medizinischen Versorgung schildert Gerwien am Beispiel eines jungen Mannes, der sich den Fuß aufgerissen hat: „Die laufen mit Badelatschen auch auf Baustellen - mit den ganzen Nägeln.“ Er sei schon beim Arzt gewesen, habe er ihr erzählt, sagt Gerwien, die sich die Wunde, „verdreckt und versifft“, ansah. „Ich kann nicht nähen, aber ich hätte es als Laie besser zusammengenäht.“ Gerwien versorgte die Wunde, Dieter Schmitt sei beim Anblick neben ihr ins Wanken geraten. Gerwien: „Ich sagte: Fall mir nicht um, ich brauch dich hier.“

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Den aufgerissenen Fuß eines jungen Mannes behandelt Gudrun Gerwien. © privat

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Dem kleinen Rashid, der eine Verschlusskappe eines Kugelschreibers eingeatmet hatte und nach einer Spendensammlung in Deutschland erfolgreich operiert werden konnte, „geht es supergut“, sagt Gerwien. „Er ist der Held seines Dorfes, weil er in Deutschland war.“

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