Gahlener Feuerwehrfrauen kämpften fast jede Nacht gegen die Flammen

Frauenfeuerwehr

Frauen in der Feuerwehr - das ist keine Erfindung der Moderne. Vor 75 Jahren gab es in Gahlen eine Frauenfeuerwehr. Und die kämpfte fast jede Nacht gegen die Flammen.

Schermbeck

, 12.09.2019, 12:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gahlener Feuerwehrfrauen kämpften fast jede Nacht gegen die Flammen

Das Foto zeigt die Frauenfeuerwehr im Jahre 1944. Vordere Reihe (v.l.): Wilhelmine Fogut (geb. Braick), Friedel Pape (geb.Winck), Wanda Neumann (geb. Neumann), Sophie Nagel (Geb. Hemmert), Ilse Vengels (geb. Nuyken). Mittlere Reihe (v.l.): Magda Strauch (geb. Benninghoven), Liselotte Heiken (geb. Kühn), Christine Eifert (geb. Mettler), Gertrude Hülser (geb. Hüser), Erna Beckmann (geb. Nuyken), Wilhelmine Overbeck (geb. Brinkmann), Elisabeth Peuler (geb. Welbers), Elisabeth Flade (geb. Beck). Hintere Reihe (v.l.) Frieda Schult (geb. Neerfeld), Emma Vogelsmeyer (geb. Benninghoff), Elisabeth Dickmann (geb. Loosen), Änne Lichtenberg, Hilde Stelter (geb. Busch), Margarethe Kröning (geb. Großblotekamp). © Helmut Scheffler (Repro)

Der Zweite Weltkrieg veränderte auch das Leben der Menschen in der Heimat. Ein 75 Jahre altes Foto belegt, dass auch Frauen und Jugendliche indirekt in das Kriegsgeschehen einbezogen wurden.

Da die meisten Mitglieder der Gahlener Feuerwehr während des Zweiten Weltkrieges Kriegsdienste leisten mussten, war Brandmeister Gustav Lichtenberg froh, dass Frauen und Jugendliche einsprangen. Wenn die Sirene auf der Villa an der Kirchhellener Straße heulte, dann eilten auch Wehrleute der Hitlerjugend (HJ) mit zur Brandstelle, um die Frauen zu unterstützen, die unter Leitung von Wanda Neumann das Feuer bekämpften.

Militärischer Exerzierdienst

Es ging militärisch zu, wusste Helmut Rademacher in den 1980er-Jahren in der Rückschau auf den Exerzierdienst zu berichten, den der HJ-Feuerwehrführer Willi Benninghoven in aller Strenge auf dem Platz vor dem alten Spritzenhaus leitete. Zweimal wöchentlich wurde geprobt. Gerätepflege wurde 1944 noch kleingeschrieben. Schließlich hatte man ja nur eine Tragkraftspritze im Spritzenhaus.

Es gab in den Jahren 1944/45 kaum eine Nacht, in der nicht irgendein Haus brannte. Eine Wasserleitung gab es nicht. So musste das Wasser häufig mit Jauchefässern aus den Bächen, dem Kanal oder den beiden Löschteichen in Östrich und am Bühnenberg in Besten geholt werden.

Zum Einsatz mit dem Fahrrad

Auf der Fahrt zum Einsatzort wurde die Tragkraftspritze an den Lieferwagen des Kohlenhändlers Heinrich Lichtenberg gehängt. Die Wehrleute saßen entweder auf dem Anhänger, oder sie fuhren mit dem Fahrrad so schnell wie möglich hinterher.

Ein ausrangierter Opel Super 6, an dessen gelber Tarnfarbe man feststellen konnte, dass er während des Afrikafeldzuges die Wüste durchkreuzt hatte, erleichterte im letzten Kriegshalbjahr die Einsätze. Bei der Brandbekämpfung des Wohnhauses der Familien Janssen an der Lippefähre wäre die leuchtende Farbe der Wehr beinahe zum Verhängnis geworden, denn das gelbe Fahrzeug gab für die amerikanischen und englischen Tiefflieger eine weithin sichtbare Zielscheibe ab.

Als Flakhelfer eingeteilt

Einige HJ-Wehrleute waren nicht dabei, als die Front der Alliierten nahte. Ernst Kühn, Friedhelm Vengels, Paul Beckmann, Fritz Busch, Theo Dawidowski, Bernhard Hemmert und Günther Tübergen wurden zu Beginn des Jahres 1945 ins Wehrertüchtigungslager nach Kettwig einberufen, wo sie auf einen Einsatz als Flakhelfer vorbereitet wurden.

In ihrem Heimatort kämpfte unterdessen eine Handvoll junger Burschen an der Seite der Frauen gegen die Flammen. Im März 1945 fuhren sie den letzten Einsatz zu einem Wohnhaus an der Kirchstraße gegenüber der evangelischen Kirche. Dann wurde die Wehr von der vorrückenden Front in die Flucht getrieben. Es blieb nicht einmal die Zeit, Anhänger und Schläuche mitzunehmen. Der Frontübergang bedeutete das vorübergehende Ende der Gahlener Feuerwehr.

Erst im Mai 1945 ergriff Hermann Kleinelsen die Initiative zur Neugründung der Wehr. In der Gaststätte von Theo Benninghoven, der von 1913 bis 1939 Brandmeister der Gahlener Wehr war, trafen sich die ehemaligen Wehrleute, die inzwischen aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren.

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