Gahlener verliert durch Krebs seine halbe Zunge - Haben Ölpellets etwas damit zu tun?

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Jürgen Wischerhoff musste aufgrund einer Krebserkrankung die halbe Zunge entfernt werden. Der 65-Jährige fragt sich, ob die Krankheit etwas mit den giftigen Ölpellets zu tun haben könnte.

Schermbeck

, 02.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Gahlener erhebt keine Vorwürfe. Und er lamentiert nicht. „Ich bin froh, dass ich noch lebe.“ Wenn er vor seinem Haus am Elsenweg in Gahlen steht, kann er den Mühlenberg in 1,3 Kilometern Luftlinie sehen, in dem von 2010 bis 2013 insgesamt 30.000 Tonnen giftige Ölpellets vergraben wurden. Ob das etwas mit seiner Krankheit zu tun haben könnte? Das fragt sich Jürgen Wischerhoff, ohne zu hoffen, jemals eine Antwort zu erhalten: „Ich habe keine Beweise.“

Bis 2002 auf Fürst LEopold gearbeitet

Er komme aus einer Arbeiterfamilie, erzählt Wischerhoff. Bis 2002 arbeitete auf der Schachtanlage Fürst Leopold in Dorsten. „Bis die Zeche zumachte.“ Nachtschichten waren die Regel. Sein Haus baute er trotzdem selbst. Tagsüber, mit nur wenig Hilfe von Handwerkern.

2008 hatte Wischerhoff dann einen epileptischen Anfall. Bei Untersuchungen wurde Leukämie festgestellt. Nach der Chemotherapie 2012/13 „hatte ich die Leukämie im Griff“, sagt Wischerhoff - viermal im Jahr kontrollierte das sein Onkologe. Der habe ihm gesagt: „Wenn das so bleibt, können Sie 100 Jahre alt werden.“

Berufskrankheit?

Durch seine Tätigkeit untertage habe er viel mit PCB-haltigem Öl gearbeitet, sagt Wischerhoff. „Darauf habe ich meine Leukämie geschoben.“ Das Gericht, vor dem er auf Anerkennung einer Berufskrankheit klagte, habe dies aber abgelehnt, da der PCB-Wert in seinem Blut nicht hoch genug sei.

2017, im Urlaub, hatte Wischerhoff plötzlich das Gefühl, „als wenn ich mir auf die Zunge gebissen hätte“. Das Gefühl ging nicht weg, sondern „zog sich bis zum Ohr rauf“. Die Auswertung einer Gewebeprobe ergab: Krebs. In Gelsenkirchen wurde die Hälfte der Zunge entfernt, außerdem alle Lymphknoten „vom Ohr bis zum Jochbein“.

14 Tage war Wischerhoff im Krankenhaus. Mit den Folgen der OP kämpft er noch heute. Essen konnte Wischerhoff zunächst fast gar nicht. Heute gilt: „Für das Mittagessen brauche ich eine Stunde.“ Wenn er auswärts esse, bestelle er Nudeln, Suppe, Fisch oder Stampfkartoffeln - Dinge, die er gut schlucken kann.

Kein Stress

Manche Konsonanten kann Wischerhoff nicht mehr deutlich aussprechen. Und so belastbar wie früher ist er auch nicht mehr. Sein Arzt habe ihm geraten: „Nicht überanstrengen, keinen Stress machen.“ Das befolgt Wischerhoff, was bedeutet, dass das Rasenmähen zwei Tage dauert. „Das kann auch ein bisschen altersbedingt sein.“

Ob und wie seine Krebserkrankung etwas mit den Ölpellets zu tun haben könnte, fragt sich Wischerhoff, seitdem der Ölpellets-Skandal und immer mehr Details bekannt wurden. „Es gab viele Artikel in der Zeitung.“ Wischerhoff verfolgt das Geschehen rund um den Ölpellets-Skandal, hat aber das Gefühl: „Es kommt nicht weiter.“

Ob er noch Hoffnung habe, dass der Skandal restlos aufgeklärt wird? „Das verläuft irgendwo im Sande“, ist Wischerhoff überzeugt. „Nach zehn oder 15 Jahren ist das Thema plattgetreten.“ Von dem Gutachten, dass die Umweltministerin angekündigt hatte, erwartet Wischerhoff ebenfalls nicht viel.

Keine Häufung von Krebsfällen

Das Landeskrebsregister hatte erst kürzlich angegeben, dass man keine Häufung von Krebsfällen in der Nähe des Mühlenbergs erkennen könne. „In keiner Art und Weise“, so Hiltraud Kajüter, könne man auch eine kausale Beziehung zwischen Erkrankungen und Emissionen herstellen. Aber sie wolle, sobald die 2017er-Daten vorliegen, mit dem Kreisgesundheitsamt sowie dem Gesundheits- und Umweltministerium in Kontakt das weitere Vorgehen besprechen.

Die Dinge seien jetzt so, wie sie seien, sagt Wischerhoff: „Wir können sowieso nichts dran ändern.“ Aber er hofft, dass die Behörden rund um den Mühlenberg genau kontrollieren, um Gefahren für Anwohner auszuschließen.

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